Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.

TK: Herr Dr. Jonitz, Sie sind der Kammerpräsident für die Berliner Ärzte. Was lieben Sie an Ihrem Job besonders?

Dr. Jonitz: Die Freiheit, Themen voranzubringen, zum Teil erfolgreich wie evidenzbasierte Medizin, Patientensicherheit, value-based health care, und durch die inhaltliche Arbeit, viele kluge und engagierte Menschen aus allen Bereichen der Patientenversorgung kennenlernen zu dürfen.

Zur Person

Dr. med. Günther Jonitz ist seit 1999 Präsident der Ärztekammer Berlin. Er hat Medizin in Bochum und Berlin studiert und war studienbegleitend als Pflegehelfer tätig. Nach dem Studium qualifizierte sich Dr. Jonitz zum Facharzt für Chirurgie. Er ist Vorsitzender der Qualitätssicherungsgremien der Bundesärztekammer, Gründungsmitglied des Aktionsbündnisses Patientensicherheit e.V. und Fachexperte des Bundesministeriums für Gesundheit für Fragen der Patientensicherheit in internationalen Gremien.

TK: Wie steht es um die Qualität in der Berliner Gesundheitsversorgung?

Dr. Jonitz: Die Versorgung ist in Berlin generell auf einem sehr hohen Niveau. Eine ausreichend hohe Arztdichte, Haus- und Fachärzte betreffend und eine abgestufte Krankenhausstruktur gewährleisten eine schnelle und hochkompetente Behandlung aller medizinischen Probleme. Kurze Wege erleichtern den Zugang für die Patienten und die Zusammenarbeit der Institutionen und Praxen.

TK: Was muss getan werden, um Behandlungsrisiken zu reduzieren und die Patientensicherheit weiter zu erhöhen?

Dr. Jonitz: Wir brauchen mehr Zeit! Zeit für besseres Zuhören, für sorgfältiges Handeln und für gemeinsames Nachdenken über unser Handeln. Da Zeit Geld ist und damit knapp, wird oft zu Lasten der Sicherheit gespart, z. B. durch weniger Pflegekräfte als nötig oder komplett fehlende Teambesprechungen oder Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen.

TK: In Krankenhäusern gib es sie schon - anonyme Fehlermeldesysteme. Das Projekt CIRSforte will Meldesysteme auch in die ambulante ärztliche Versorgung bringen. Wie funktionieren diese Systeme und was könnten sie in der Patientenversorgung bewirken?

Dr. Jonitz: Unabhängig von äußeren Umständen ist die systematische Befassung mit Patientensicherheit nicht nur in der stationären, sondern auch in der ambulanten Versorgung essentiell. Einer der häufigsten Fehler ist der Diagnosefehler. Die enge Arzt-Patientenbeziehung befördert eine Haltung des "das nicht sein kann, was nicht sein darf". CIRSforte, vorangetrieben durch das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. und gefördert vom Innovationsfonds des GBA, adressiert ausdrücklich die besonderen Herausforderungen in der ambulanten Versorgung und hilft mit konkreten Empfehlungen, diese Hürden zu überwinden und die regelmäßige Reflexion über Risiken und unerwünschte Ereignisse zum Alltag zu machen.

TK: In welchen Bereichen sollte die Online-Therapie ausgebaut werden?

Dr. Jonitz: Überall da, wo lediglich ein kurzer ärztlicher Rat gebraucht wird und der Patient dem Arzt bekannt ist.

TK: Sie geben auf Ihrer Homepage Lesetipps. Was kann man vom römischen Kaiser Mark Aurel lernen?

Dr. Jonitz: Alles, was zu einem klugen, ruhigen und erfüllten Leben gehört: Dinge nicht zu ernst zu nehmen, nie aufzuhören, zu lernen und an sich und seinem Charakter zu arbeiten und allen Menschen ein freundlicher Mitmensch zu bleiben.