Stuttgart, 30. Juni 2020. Nach dem höchsten Krankenstand seit 20 Jahren in Baden-Württemberg mit 5,74 Prozent in der 12. Kalenderwoche beobachtet die Techniker Krankenkasse (TK) einen deutlichen Rückgang der Krankmeldungen.

Krankenstand hat sich halbiert

Laut einer aktuellen Auswertung der Krankschreibungen von TK-versicherten Erwerbspersonen im Land ist der Krankenstand im Mai 2020 stark gesunken: In der 20. Kalenderwoche wurde mit 2,84 Prozent der Höchststand des Monats erreicht, in der darauffolgenden Woche waren es nur noch 2,66 Prozent (Vorjahr jeweils 3,41 Prozent).

Nur wenige bestätigte Corona-Diagnosen

Krankmeldungen aufgrund der Diagnose Covid-19-Infektion spielten dabei allerdings eine sehr untergeordnete Rolle. Nur bei rund 0,02 Prozent der TK-versicherten Erwerbspersonen in Baden-Württemberg ist Covid-19 in den Monaten März bis Mai diagnostiziert worden.

Arbeitnehmer blieben vorsorglich daheim

Aus Sicht der TK im Südwesten stehen die hohen AU-Daten indirekt dennoch mit der Corona-Pandemie im Zusammenhang. „Aufgrund der bundesweiten Empfehlungen haben im März vermutlich viele Arbeitgeber ihre Mitarbeiter sensibilisiert, bei Erkältungssymptomen lieber nicht ins Büro zu kommen. Daher sind viele Berufstätige sicherheitshalber auch bei leichten Erkrankungen zu Hause geblieben“, sagte Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg.

Maßnahmen verhindern andere Diagnosen

"Der jetzt auffällig starke Rückgang hat vermutlich mehrere Gründe: Zum einen ist die Erkältungssaison vorbei, die jedes Jahr im Frühjahr für hohe Fehlzeiten verantwortlich ist", so Vogt. "Zum anderen haben sich durch allgemein verbesserte Hygienemaßnahmen und mehr Homeoffice weniger Menschen mit anderen Infektionen angesteckt, Sport-, Schul- und Wegeunfälle sind zurückgegangen und geplante Behandlungen wurden verschoben.“ 

Digitalisierung weiter vorantreiben

Nach Einschätzung von Vogt zeigt die Corona-Pandemie, wie hilfreich die Digitalisierung sein kann. "Wir setzen weiterhin auf die Video-Sprechstunde sowie eine digitale Übermittlung der Krankmeldung und gehen davon aus, dass immer mehr Ärzte diese Möglichkeit auch anbieten werden", betonte Vogt. So könne künftig auch während einer Grippewelle das Risiko einer Ansteckung verringert werden.

Hinweis für die Redaktion 

Für die aktuelle Auswertung hat die TK die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ihrer rund 5,3 Millionen versicherten Erwerbspersonen ausgewertet. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I. Die ermittelten Werte entsprechen dem Stand vom Juni 2020.