Ich möchte von meinen Erfahrungen mit der integrierten Versorgung und dem NetzWerk psychische Gesundheit erzählen, weil ich dieses Hilfeangebot als sehr wichtig empfinde und ich es anderen Betroffenen als Alternative zu Krankenhausaufenthalten nur empfehlen kann.

Ich vergleiche das Netzwerk gerne mit dem Netz eines Trapezkünstlers, der davon im Notfall aufgefangen wird. Die Angebote der integrierten Versorgung wie Notfall-Hotline, Krisengespräch sowie die Idee der Krisenwohnung sind mein Notfallnetz geworden. Sie bieten mir eine Sicherheit, die ich in meinem Leben brauche. Man fühlt sich als Mensch und nicht als Nummer.

Vor 22 Jahren, ich war damals 18 Jahre und mitten im Abitur, merkte ich immer mehr, dass mit mir nichts mehr stimmte. Durch Stress und die Scheidung meiner Eltern war ich völlig orientierungslos, aufgelöst und durcheinander. Dies wurde so schlimm, dass ich eines Abends meine Mutter bat, mich in die Klinik zu fahren, weil  ich nicht mehr ohne Hilfe leben konnte.

Auf und Ab nach dem Klinikaufenthalt

An diesem Abend hätte ich nicht gedacht, dass ich dort die nächsten 18 Monate meines Lebens verbringen werde. Zunächst war ich in der offenen Klinik und anschließend in der Nachtklinik. Diese Therapieform, die es heute in dieser Art nicht mehr gibt, hat mir sehr gut getan. Ich war nachts im geschützten Raum und tagsüber ging ich meiner Arbeit nach. Zunächst arbeitete ich in einer Gärtnerei, später im Einkauf und entschied mich dann, eine Ausbildung zum Groß- und Einzelhandelskaufmann zu absolvieren, die ich auch abgeschlossen habe.

Anmerkung der Redaktion

Der Name des TK-Versicherten, der auf dieser Seite von seinen Erfahrungen mit dem NetzWerk psychische Gesundheit berichtet, wurde auf seinen Wunsch hin verändert. Wir haben ihn Klaus Weiß genannt.

Danach kamen Aufs und Abs. Klinikaufenthalte wechselten mit längeren Abschnitten ohne Erkrankung. Manche Krise konnte durch Unterstützung von Freunden und Selbsthilfegruppen von mir selbst gelöst werden. Nicht aber die Krise, die ich 2005 erlebte, als eine Heilpraktikerin versuchte, meine Medikation auf Globuli umzustellen. Das ging daneben und endete im Suizidversuch. Vier Monate verbrachte ich danach erneut in der Klinik. Medikamente und Therapien, Spaziergänge und der Erfahrungsaustausch mit anderen Patienten und weiteren "helping people" waren mir wichtige Hilfestellungen, um mich gut zu stabilisieren.

2013 hat mich meine Arztpraxis auf das NetzWerk psychische Gesundheit aufmerksam gemacht. Das Betreuungsnetzwerk trägt bis heute enorm zu meiner Stabilisierung bei. An nicht so guten Tagen und Nächten, in denen ich nicht zur Ruhe komme, bin ich dankbar, dass ich mich an die Notfallhotline der integrierten Versorgung wenden kann. Hier und im Krisengespräch mit meiner persönlichen Ansprechpartnerin erfahre ich viel Wertschätzung. Zu wissen, dass eine Krisenwohnung mit professioneller Hilfe immer für mich zur Verfügung steht, gibt mir bis heute eine große Sicherheit, die für mein Leben in meinen eigenen "Vier Wänden" enorm wichtig ist.


Seit Jahren war ich nun nicht mehr in der Klinik. In der Zwischenzeit habe ich eine Ausbildung zum Gärtner abgeschlossen und mir ein neues Leben in der Selbständigkeit aufgebaut. Ich leite einen kleinen Gartenbaubetrieb und beschäftige inzwischen drei Mitarbeiter. Mein Leben ist "aufgeräumt", die Arbeit läuft gut, ich habe viel zu tun. Was meine Krankheit betrifft, bin ich medikamentös gut eingestellt. Ich spüre kaum noch einen Unterschied zu dem Leben, bevor ich krank geworden bin. Die Tabletten sind bei meiner Krankheit notwendig. Man nimmt einem Rollstuhlfahrer ja auch nicht den Rollstuhl weg oder einem Diabetiker das Insulin.