Eine leichte Geburt war´s nicht: Nach rund zwei Jahren der Beratung, Fristverlängerung, der Gutachten und ergänzenden Sekundäranalysen, präsentierte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im April diesen Jahres endlich ein Konzept zur Gestaltung einer gestuften Notfallversorgung in Krankenhäusern.

Drei-Stufen-System

Diese neue Regelung sieht vor, Kliniken in ein drei-Stufen-System zu überführen. Demnach werden Häuser, die an der Notfallversorgung beteiligt sind, anhand bestimmter medizinischer Anforderungen und Qualitätsstandards entweder in die Basis-, erweiterte, oder umfassende Notfallversorgung eingeteilt. Die TK-Landesvertretung begrüßt dieses gestaffelte System der Notfallversorgung, da es der Patientensicherheit und Versorgungsqualität dient. Bei konsequenter Umsetzung des Modells ist künftig gewährleistet, dass ein Notfallpatient - ohne Umwege und Zeitverzug - in dem Krankenhaus versorgt wird, das über die adäquaten strukturellen und personellen Begebenheiten verfügt. Eventuelle Weiterverlegungen bleiben dem Patienten somit erspart - ein Umstand, der im Notfall durchaus lebensrettend sein kann.

Sofern sich ein Krankenhaus keiner dieser Stufen zuordnen lässt und nicht regelhaft an der Notfallversorgung beteiligt ist, sind dann auch keine Zuschläge zu erwarten. Und das ist auch gut so! Denn teure Vorhaltungen - beispielsweise an technischen Gerätschaften und Personal - sollen solche Kliniken auch nicht tragen.

Nicht jedes Haus kann alle Ressourcen vorhalten

Zumal uns aufgrund des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels weder die finanziellen noch die personellen Ressourcen zur Verfügung stehen, damit jedes Krankenhaus, das an der Notfallversorgung beteiligt ist, beispielsweise eine Stroke Unit zur sachgerechten Versorgung eines Schlaganfalls, einen Herz-Katheter-Meßplatz oder eine Neurochirurgie vorhalten könnte. Erkennt man diese Tatsache an, so ergibt sich fast zwangsläufig eine Logik, in der Kliniken - abhängig von ihrer fachlichen und personellen Ausstattung - bestimmten Kategorien zugeordnet werden.

Das nächste Haus ist nicht immer das geeignetste

Kliniken der Basisstufe können dann beispielsweise Blinddarmentzündungen oder einfache Knochenbrüche versorgen, andere Häuser der erweiterten Notfallversorgung einen Schwerpunkt für Herzinfarkte und Schlaganfälle herausbilden und Maximalversorger etwa Polytraumen behandeln. Dieses Konzept wird so auch der Tatsache gerecht, dass nicht immer das nächstgelegene Krankenhaus das geeignete für die Versorgung des Patienten ist.
Und dennoch entbrannte bereits vor der Bekanntgabe des G-BA-Beschlusses eine hitzige öffentliche Diskussion um mögliche 'Kahlschläge' in der rheinland-pfälzischen Krankenhauslandschaft. Dabei wird dieser schon allein wegen Vorgaben in den medizinischen Leitlinien ausbleiben.

Pflicht zur Hilfeleistung im Notfall bleibt unberührt

An der Debatte auffällig ist auch, dass sie den Eindruck erweckt, dass Krankenhäuser künftig Notfallpatienten abweisen dürften. Das ist selbstverständlich nicht der Fall. Unabhängig von der Teilnahme oder Nichtteilnahme am gestuften System der Notfallversorgung bleiben die allgemeinen Pflichten zur Hilfeleistung im Notfall unberührt. Offenbar muss diese Tatsache noch einmal herausgestellt werden, um deutlich zu machen, dass es nun an der Zeit ist, die Neuregelung des G-BA mutig und konsequent umzusetzen. Es ist hingegen nicht an der Zeit, die Reform durch "Ausnahmeregelungen" aufzuweichen und den Beschluss mittelfristig zum 'Papiertiger' zu degradieren.

Die Notfallversorgung in Deutschlands Kliniken muss dringend reformiert werden: Stationäre Notaufnahmen sind überlastet, Patienten steuern häufig zuerst das Krankenhaus an, auch wenn sie in einer Notfallpraxis oder bei einem niedergelassenen Arzt genauso gut oder sogar besser hätten versorgt werden können.

Sektorale Trennung ist das Problem

Der Kern des Problems ist die sektorale Trennung der verschiedenen Akteure in der Notfallversorgung. Die Zuständigkeiten sind aus Patientensicht meist unklar, die Notfallversorgung bei niedergelassenen Ärzten ist lückenhaft und oft unattraktiv organisiert.
Deshalb fordert die TK die Einrichtung sogenannter Portalpraxen: Sie sollen - als Teil der Notaufnahmen in Krankenhäusern - als eine Art Sondierungsstelle dienen, die den Patienten an die für ihn richtige Stelle lotsen. In der Portalpraxis soll entsprechend qualifiziertes Fachpersonal anhand einheitlicher Einschätzungskriterien (Triagesysteme) den Behandlungsbedarf beurteilen und dem Patienten eine entsprechende Orientierungshilfe bieten.