Stuttgart, 26. Juni 2020. Zeitarbeiter haben aufgrund ihrer Tätigkeiten deutlich mehr gesundheitliche Probleme als Nichtzeitarbeitnehmer. Wie die Techniker Krankenkasse (TK) in Baden-Württemberg berichtet, waren bei ihr versicherte Zeitarbeitnehmer 2019 im Schnitt 17 Tage krankgeschrieben. Das sind knapp fünf Tage und damit rund 40 Prozent mehr als in der Vergleichsgruppe der Nichtzeitarbeitnehmer (12,1 Tage).

Arbeit ist oft körperlich anstrengend

Grund für die hohe Anzahl von Fehltagen sind vor allem die körperlich belastenden Jobs in Lager, Logistik und Transport, in denen Zeitarbeiter überdurchschnittlich häufig beschäftigt sind. Rund 40 Prozent der Zeitarbeitnehmer in Deutschland arbeiten in diesen oder anderen Produktionsberufen. Doch selbst wenn man die berufsspezifischen Faktoren berücksichtigt, haben Zeitarbeitnehmer immer noch rund 16 Prozent höhere Fehlzeiten als Nichtzeitarbeitnehmer.

Aber auch die Psyche leidet

Die physische Belastung zeigt sich vor allem in der hohen Zahl von Fehltagen aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen. Wegen Rückenschmerzen & Co. fehlten Zeitarbeiter in Baden-Württemberg 2019 insgesamt durchschnittlich 3,5 Tage - und somit 75 Prozent mehr als anderweitig Beschäftigte (2 Tage). Neben den körperlichen Beschwerden sind Zeitarbeiter auch psychisch überdurchschnittlich belastet. Laut Report waren im Ländle Zeitarbeitnehmer aufgrund psychischer Diagnosen mit 2,98 Fehltagen noch deutlich häufiger krankgeschrieben als der Durchschnitt der übrigen Beschäftigten (2,28 Tage).

Hauptgrund für Krankschreibungen

Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung: "Bereits seit Jahren beobachten wir branchenübergreifend den Trend einer Zunahme von Fehlzeiten aufgrund psychischer Diagnosen“. Im Vergleich zu 2018 sei die Zahl der damit begründeten Arbeitsunfähigkeitstage in Baden-Württemberg erneut um 2,7 Prozent gestiegen. "Psychische Probleme waren hierzulande 2019 der Hauptgrund für das Fehlen am Arbeitsplatz sowohl bei Zeitarbeitern als auch bei anderweitig Beschäftigten“, erklärt Vogt.

Arbeitsbedingungen müssen passen

Er appelliert an die Arbeitgeber, für bessere Rahmenbedingungen zu sorgen: "Eine optimierte Arbeitskultur sorgt nicht nur für mehr gesunde und zufriedene Mitarbeiter. Gleichzeitig reduziert man dadurch auch finanzielle Belastungen sowohl für das Unternehmen selbst als auch für das Gesundheitssystem."

Große Unzufriedenheit bei Zeitarbeitern

Eine begleitende Befragung von 1.400 bei der TK versicherten Zeitarbeitnehmern ergab, dass ganze 43,7 Prozent "kaum" oder "überhaupt nicht" mit ihrer Arbeitssituation zufrieden sind. Zu den Hauptbelastungsfaktoren am Arbeitsplatz zählen vor allem eine schlechte Arbeitshaltung, Lärm, Schichtarbeit, lange Bildschirmarbeitszeit sowie lange Anfahrtswege, aber auch 'weiche' Faktoren, wie geringe Einfluss- und Entscheidungsspielräume.

Vollständiger Landesreport

Hintergrund für die Redaktion

Für den Gesundheitsreport 2020 wertete die TK die Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen der rund 5,3 Millionen bei der TK versicherten Erwerbspersonen aus (davon 588.000 mit Wohnsitz in Baden-Württemberg). Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I.

Für den zweiten Teil des Reports befragte das IFBG im Auftrag der TK 1.437 TK-versicherte Zeitarbeitnehmer zu ihrer Arbeits- und Gesundheitssituation und verglich diese mit den Antworten einer entsprechenden Gruppe von Nicht-Zeitarbeitnehmern aus 2019 und - als Längsschnitt - mit Antworten aus einer Befragung von TK-versicherten Zeitarbeitern aus 2008.