Herr Vogt, was stand auf dem Programm der Studienreise und wie waren Ihre Eindrücke? Sind uns die Niederlande in der Geburtshilfe tatsächlich voraus?

Auf der sehr interessanten Reise haben wir alle konzeptionellen Grundlagen der Versorgungsstruktur in der Geburtshilfe der Niederlande kennengelernt. Und natürlich auch praktische Beispiele gesehen, zum Beispiel sehr komfortable Geburtsräume oder eine moderne Hebammen-Hochschule.

Bei wichtigen Qualitätsparametern, wie der Säuglingssterblichkeit, liegen Baden-Württemberg und die Niederlande auf gleichem Niveau. Was die Niederlande uns aber voraushaben, ist die Kooperationskultur aller Beteiligten. Da wird kaum gestritten zwischen Ärzt/innen und Hebammen, und deshalb haben alle viel mehr Spaß in einer gut organisierten Zusammenarbeit. Da können wir lernen.

Gibt es ein Projekt oder Konzept, das Sie auf der Studienreise besonders beeindruckt hat und das Sie gerne in Baden-Württemberg umgesetzt sähen?

Wir sollten zwei Dinge tun: Erstens sollte die Akademisierung der Ausbildung für alle Hebammen schnell kommen. Nach EU-Regeln ist sie ohnehin vorgeschrieben und in Deutschland überfällig. Akademisch ausgebildete Hebammen können viel eher auf Augenhöhe mit Medizinern über die richtige und im Interesse von Mutter und Kind angemessene Aufgabenteilung sprechen. Davon profitieren alle.

Zweitens würde mich interessieren, ob wir Teile der Zusammenarbeitskultur, die wir in den Niederlanden kennengelernt haben, in einer Modellregion in Baden-Württemberg etablieren könnten.

Was erhoffen Sie sich insgesamt von der Arbeit des Runden Tisches für die Geburtshilfe in Baden-Württemberg?

Wir sollten am Runden Tisch über offene Fragen sprechen. Zum Beispiel wissen wir viel zu wenig darüber, wie lange aufwändig ausgebildete Hebammen danach für die Versorgung zur Verfügung stehen. Nach ersten Erhebungen sind das offenbar nur wenige Jahre. Was sind dafür die Ursachen? Wie können wir das ändern?

In den Niederlanden besteht eine Kaiserschnittrate von 16 Prozent, in Baden-Württemberg von fast 30 Prozent. Welche Möglichkeiten haben wir, vielen Frauen unnötige und möglicherweise riskante Eingriffe zu ersparen?

Und schließlich auch hier: Welche Chancen bringt die Digitalisierung? Wir kennen Modelle von telemedizinischer Betreuung durch Hebammen. Ist das auch eine Option für Baden-Württemberg?

Während der Reise hat Herr Vogt viele Informationen und Fotos als Tweets unter dem Schlagwort "Fakten zur Geburtshilfe" veröffentlicht