Die TK hat ihre Vereinbarung zur HZV mit dem Deutschen Hausärzteverband Landesverband Baden-Württemberg, MEDI Baden-Württemberg e.V. und der Hausärztlichen Vertragsgemeinschaft AG neu geregelt. Davon sind rund 2.700 Ärzte und 132.000 Patienten betroffen.

TK: Herr Koffner, wie bewerten Sie den Abschluss insgesamt?

Markus Koffner: Der Vertrag wird die Versorgung unserer Versicherten durch die Hausärztinnen und Hausärzte im Land weiter stärken. Die Einigung zeigt, wie viel Kassen und Ärztevertretungen zusammen im Sinne der Patienten bewegen können, wenn der gemeinsame Wille da ist. Hier im Südwesten ist übrigens die Bereitschaft der Ärztinnen und Ärzte, den gemeinsamen Vertrag auch zu leben, sehr groß. Mit einer Teilnehmerzahl von mehr als zehn Prozent der berechtigten Versicherten ist der HZV-Vertrag in Baden-Württemberg der Größte der TK im Vergleich mit allen anderen Bundesländern. Die seit zehn Jahren bestehende Vereinbarung wurde nun im Sinne einer innovativen Patientenversorgung, bedarfsgerecht und in vertrauensvoller Atmosphäre weiterentwickelt.

Markus Koffner

Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Leiter Regionales Vertragswesen, TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

TK: Welche Änderungen ergeben sich für Patientinnen und Patienten?

Koffner: Unter anderem sieht der Vertrag weitere besondere Betreuungsleistungen für die Versorgung von Menschen mit chronischen Erkrankungen vor. Dabei steht die leitliniengerechte Früherkennung der Begleiterkrankungen von Diabetes und Hypertonie im Mittelpunkt. Generell ist die Behandlung chronisch erkrankter Menschen oft vielschichtiger und zeitintensiver. Der Mehraufwand, der von den Hausärztinnen und Hausärzten geleistet werden muss, wird nun entsprechend honoriert.    

TK: Welche Neuregelung ist für Sie besonders wichtig?

Koffner: Zwischen Hausbesuchen, Sprechstunde und Personalführung bleibt niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten im Praxisalltag oft zu wenig Zeit für ihre Patienten. Wir brauchen mehr Delegation, damit wir in einer alternden Gesellschaft ihre eher knapper werdende Zahl  zielgerichtet einsetzen können. Für Leistungen, die durch Praxismitarbeiterinnen und -mitarbeiter mit einer Fortbildung zu Versorgungsassistenten in der Hausarztpraxis, den so genannten VERAH, übernommen werden, wird es nun eine erhöhte Vergütung geben. Durch diesen Anreiz sollen medizinische Fachangestellte mehr Aufgaben übernehmen, um ihre Arbeitgeber zu entlasten. Im Ergebnis bleibt den Ärztinnen und Ärzten dann mehr Zeit für intensive Patientengespräche und andere Kernaufgaben.  

TK: Wo sehen Sie die HZV in fünf oder zehn Jahren?

Koffner: Das Thema Digitalisierung wird einen ungeahnt großen Stellenwert in der hausärztlichen Versorgung einnehmen. Durch die Coronakrise sind inzwischen deutlich mehr Praxen in der Lage Videosprechstunden anzubieten. Und viele Patientinnen und Patienten nutzen diese gerne, sei es um Zeit und Weg zu sparen oder sich vor Ansteckung zu schützen. Schon jetzt sind außerdem die vorhin erwähnten VERAH teilweise mit einem speziellen, telemedizinisch ausgestatteten Rucksack bei Hausbesuchen unterwegs. Damit können bestimmte Messwerte in die Praxis übertragen und die Ärztin oder der Arzt bei Bedarf per Video in die Wohnung des Patienten zugeschaltet werden. Künftig wird das digitalisierte häusliche Umfeld durch die Einbindung der Hausärztinnen und Hausärzte zum digitalen Behandlungszimmer. Dieses Szenario wird für unsere Versicherten in zehn Jahren eine Selbstverständlichkeit sein.