Erfurt, 25. August 2020. Heute hat der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) mit dem IGeL-Report 2020 eine Patientenbefragung zum Thema vorgestellt. Einige Zentrale Aussagen daraus: Beim Anbieten von Selbstzahler-Leistungen werden in Arztpraxen oft die Regeln nicht eingehalten. Fast jeder fünfte Versicherte fühlt sich bei seiner Entscheidung für oder gegen eine IGeL unter Druck gesetzt. Vielfach negative medizinische Bewertungen der angebotenen Leistungen, zum Beispiel durch Fachgesellschaften und Berufsverbände, werden vernachlässigt. 

Wissen ist die beste Entscheidungsgrundlage

"Es gibt im IGeL-Markt verbindliche Regeln. Nur wenn sie eingehalten werden, sind Selbstzahler-Leistungen auch seriös. Dazu gehört, dass Patienten vorab umfassend informiert werden und nach dem Angebot Bedenkzeit bekommen. Die Kosten der IGeL und die Einwilligung der Patienten sind vorab schriftlich festzuhalten. Eine weitere wichtige Regel ist, dass Patienten nicht unter Druck gesetzt werden", sagt Guido Dressel, Leiter der Landesvertretung Thüringen der Techniker Krankenkasse (TK).

"Aus TK-Befragungen wissen wir, dass die Menschen in Mitteldeutschland besonders häufig Zusatzleistungen vom Arzt angeboten bekommen. Deswegen ist es gerade im Freistaat wichtig, Angebote wie den IGeL-Monitor und andere Patienteninformationen weiter bekannt zu machen. Die Thüringer brauchen verständlich aufbereitetes Medizinwissen, um fundiert entscheiden zu können."

Selbstzahler-Leistung nicht als Eintrittskarte in Kassenwelt nutzen 

"Nach den geltenden Regeln ist es damit nicht zulässig, dass IGeL-Leistungen von nicht-ärztlichem medizinischem Fachpersonal erbracht werden, noch bevor der Patient seinen jeweiligen Arzt sieht. Ein klassisches Beispiel für solches Vorgehen ist, dass der oder die Medizinische Fachangestellte erst den Augeninnendruck zur Glaukom-Früherkennung misst und der Patient dann zum Augenarzt geht", sagt Dressel. 

Patienteninformationen auch von Bundesärztekammer und KBV 

Informationen für Patienten gibt es sowohl online als auch in gedruckter Form. Die Bundesärztekammer (BÄK) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) haben für den Ratgeber "Selbst zahlen?" eine neun-Fragen-Checkliste erstellt, um IGeL vorab einzuordnen. Der IGeL-Monitor des MDS bietet Versicherten eine wissenschaftlich fundierte Entscheidungshilfe für oder gegen die Inanspruchnahme von Selbstzahler-Leistungen. Die Bewertungen des IGeL-Monitors basieren auf den Methoden der Evidenzbasierten Medizin (EbM).