Saarbrücken, 26. Oktober 2018. Im Saarland werden 29 Prozent der TK-Versicherten mit Alzheimer-Demenz wie empfohlen behandelt, nämlich mit einem Antidementivum. Damit liegt man an der Spitze der alten Bundesländern und vier Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt. Das ergab eine Auswertung der Routinedaten der Techniker Krankenkasse (TK), die am Mittwoch im Rahmen des Innovationsreports vorgestellt wurde. Auch wenn die derzeit verfügbaren Antidementiva das Fortschreiten der Erkrankung nur verlangsamen, sollten die Betroffenen damit versorgt werden.

Patienten häufig nur ru­hig­ge­stellt

Das ist aber auch im Saarland nicht immer der Fall, denn 43 Prozent der Betroffenen wurden mit Beruhigungsmitteln behandelt. Damit rangiert man im Bundesvergleich an der Spitze und ganze fünf Prozentpunkte über dem Durchschnitt. Zwar kann die Behandlung mit diesen Mitteln notwendig sein - beispielsweise wenn sich der Patient gegenüber sich selbst oder anderen Menschen aggressiv verhält - sie sind jedoch nicht für eine Dauerbehandlung indiziert.

"Wir sehen eine gravierende Fehlversorgung. Vermutlich geht es bei diesen Verordnungen eher darum die Patienten kurzfristig ruhigzustellen, als richtig zu behandeln", mutmaßt Stefan Groh, Leiter der TK-Landesvertretung, und ergänzt: "Das zeigt uns, dass die Versorgung von Demenzkranken verbessert werden muss. Besonders die Forschung und Entwicklung neuer Wirkstoffe muss vorangetrieben werden." Wie wichtig dieses Thema für Gesellschaft ist, zeigen weitere Aussagen im Report. Nach Schätzungen werden im Jahr 2030 weltweit schon über 65 Millionen Menschen an Demenz leiden.

In­no­va­ti­ons­re­port nimmt neue Arz­nei­mit­tel unter die Lupe

Dass neue Medikamente auch einen Zusatznutzen haben können, zeigt der TK-Innovationsreport 2018. Insgesamt wurden dabei 32 Wirkstoffe aus dem Jahr 2015 bewertet. Maßgeblich waren die Fragen, ob eine bestehende Therapie verbessert wird, ob es einen Zusatznutzen für die Patienten gibt und ob die Kosten dem Grad der Innovation angemessen sind. Anhand der Verordnungsdaten lässt sich erkennen, welche Bedeutung die neuen Präparate im Markt haben. So wurden die Arzneimittel abschließend mit einer roten, gelben oder grünen Ampel bewertet.

Zum ersten Mal wurden mit Hilfe des etablierten Bewertungsschemas sieben "grüne Ampeln" vergeben. Zudem vergaben die Wissenschaftler der Universität Bremen für 15 Arzneimittel eine "gelbe" und für zehn eine "rote" Ampel. Keine zufriedenstellenden Zahlen, aber ein Schritt in die richtige Richtung nach null grünen Ampeln im Jahr zuvor.

Ein großer Teil der Forschung und Entwicklung in der Pharmaindustrie findet laut aktuellem Report aber auch weiterhin auf Gebieten statt, auf denen es bereits verhältnismäßig viele Wirkstoffe gibt. Ein Grund dafür ist die finanzielle Attraktivität einzelner medizinischer Therapiegebiete. "Gerade in der Onkologie wird der Markt unübersichtlich, weil immer mehr Arzneimittel zugelassen werden. Zwar muss dort natürlich ebenfalls weitergeforscht werden, aber gerade der Bereich Alzheimer-Demenz zeigt, dass es Krankheitsbilder gibt, in denen die dringend notwendige Forschung zu wenig stattfindet", sagt Groh.

Hinweis für die Re­dak­tio­nen

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