Es lässt sich zunächst festhalten, dass es in allen Bundesländern Förderprogramme für die ambulante Versorgung vor Ort gibt. In der Regel unterstützen diese die Niederlassung in ländlichen Regionen durch finanzielle Hilfen. Meist werden auch Anreize für angehende Ärzte geboten, Abschnitte ihrer Ausbildung (Praktisches Jahr, Famulatur) in solchen Gebieten zu absolvieren. Beispiele zum aktuellen Stand in einigen Bundesländern:

Bayern

Laut Landesärztekammer ist die Zahl der Allgemeinärzte, die in Bayern eine Praxis führen, innerhalb eines Jahrzehnts um gut ein Fünftel gesunken, von 5.805 auf 4.760. Gegen diesen Trend wurden einerseits 250 zusätzliche Medizinstudienplätze an der Universität Augsburg geschaffen.

Andererseits sollen Bewerber, die in Bayern Landarzt werden möchten, leichter einen Studienplatz bekommen. Fünf Prozent aller Medizinstudienplätze sollen für Bewerber vor gehalten werden, die sich verpflichten, später als Hausarzt in unterversorgten beziehungsweise von Unterversorgung bedrohten Regionen zu arbeiten. Die Quote soll zum Wintersemester 2019/20 eingeführt werden.

Nordrhein-Westfalen

Derzeit sind etwa 6.000 der über 11.000 Hausärzte in Nordrhein-Westfalen über 55 Jahre alt. Allein im Jahr 2016 sind 450 Hausärzte ausgeschieden - nicht einmal halb so viele neue kamen als Allgemeinmediziner aus der Ausbildung.

Nordrhein-Westfalen führt zum Wintersemester 2019/20 eine Landarztquote im Medizinstudium ein, das Bewerbungsverfahren startet im März und läuft über das Landeszentrum für Gesundheit in Bochum. In einem ersten Schritt sollen 7,6 Prozent der Medizinstudienplätze an Bewerber gehen, die sich vertraglich verpflichten, nach Ausbildungsende für zehn Jahre in einer unterversorgten Region als Hausarzt zu arbeiten. Das entspricht circa 170 Studienplätzen.

Wenn Absolventen den Vertrag nach ihrer Aus- und Weiterbildung nicht erfüllen, drohen Strafzahlungen in Höhe von bis zu 250.000 Euro.

Sachsen

Auch hier fehlen Hausärzte, besonders in den ländlichen Regionen. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Sachsen hat vor diesem Hintergrund das Modellprojekt "Studieren in Europa - Zukunft in Sachsen" entwickelt. In bereits sechs Studienjahrgängen werden jeweils 20 Studierende gefördert, die das Medizin studium im deutschsprachigen Studiengang Humanmedizin an der Universität Pécs in Ungarn aufgenommen haben.

Ihnen werden die Studiengebühren für die Dauer der Regelstudienzeit finanziert. Im Gegenzug verpflichten sich die Geförderten, im Anschluss an ihr Studium die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in Sachsen zu absolvieren und für mindestens fünf Jahre als Hausarzt in Sachsen tätig zu sein.

Finanziert wird das Modellprojekt aus dem Strukturfonds zur Sicherstellung der ärztlichen Versorgung in Sachsen, der paritätisch von der KV Sachsen und den sächsischen Krankenkassen getragen wird.

Darüber hinaus läuft seit 2013 das Programm "Sächsisches Hausarztstipendium". Die Stipendiaten erhalten monatlich 1.000 Euro, wenn sie sich verpflichten, nach Abschluss des Medizinstudiums die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin zu absolvieren und anschließend für mindestens
sechs Jahre als Hausarzt im ländlichen Raum Sachsens zu praktizieren.

Sachsen-Anhalt

Das Bundesland will dem Hausarztmangel mit einer Landarztquote begegnen, derzeit sind circa 140
Hausarztsitze un besetzt. Die Landesregierung hat die gesetzliche Regelung Mitte Januar 2019 auf den Weg gebracht.

Fünf Prozent der insgesamt 400 Studienplätze an den Universitäten in Magdeburg und Halle sollen künftig per Quote vergeben werden, das entspricht jährlich 20 Plätzen. Wer das Angebot nutzt, verpflichtet sich, nach dem Abschluss für eine bestimmte Zeit im ländlichen Raum zu arbeiten. Die Landarzt-Studienplätze soll es erstmals zum Wintersemester 2020/21 geben.

Die Auswahl der Studienanfänger übernimmt die KV. Sie entscheidet auch, wo die Absolventen eingesetzt werden sollen. Mindestens zehn Jahre müssen sie nach Abschluss der Facharzt-Ausbildung auf dem Land arbeiten. Verstoßen sie dagegen, drohen 250.000 Euro Strafe.