TK: 20 Jahre KV-Vorsitzender, das ist eine lange Zeit. An welche Begegnungen, Themen oder Veränderungen denken Sie dabei besonders gern zurück?

Dr. Burkhard John: Während der gesamten Zeit als Vorsitzender der KV habe ich mich zusammen mit meinen Vorstandskollegen und dem sehr engagierten Team der KVSA dafür eingesetzt, flächendeckend eine gute und strukturierte Versorgung in Sachsen- Anhalt zu organisieren. In Zeiten des zunehmenden Ärztemangels und der Zunahme chronischer Erkrankungen ist das nicht immer einfach gewesen.

Dr. Burk­hard John

Portrait Burkhard John, Vorsitzender der KV Sachsen-Anhalt  Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Vorsitzender der KV Sachsen-Anhalt 

Die Einführung der hausarztzentrierten Versorgungsprogramme war ein wichtiger Schritt bei der Umsetzung einer Versorgung, wo jede Versorgungsebene seine speziellen Aufgaben wahrnehmen und das Patientenproblem dort gelöst werden soll, wo es in guter Qualität kostengünstig gelöst werden kann. Die Modellprojekte zur Delegation medizinischer Leistungen an besonders qualifizierte Mitarbeiterinnen in der Praxis und der Aufbau von eigenen Arztpraxen durch die KV selbst waren wichtige Schritte, um die Versorgung weiter zu sichern. Hierzu war immer eine gute Zusammenarbeit mit den Krankenkassen und der Landesregierung notwendig und vorhanden.

Das Problem einer angemessenen Finanzierung der ambulanten Versorgung konnten wir leider in den letzten Jahren nicht lösen. Da viele Menschen in Sachsen-Anhalt relativ alt und krank sind, muss durch die Krankenkassen eine ausreichende Finanzierung geleistet werden. Hier bestehen noch erhebliche Defizite, die in den kommenden Jahren ausgeglichen werden müssen.

TK: Doch zurück in die Gegenwart: In der Pandemie hat die Videosprechstunde verstärkt Einzug gehalten. Ärzte und Patienten haben so erlebt, wie hilfreich sie sein kann. Sind damit alle Vorbehalte ausgeräumt und kein Thema mehr in Sachsen-Anhalt?

Dr. John: Die Anzahl der Arztpraxen, die Videosprechstunden anbieten, hat in den letzten Quartalen extrem stark zugenommen. Natürlich ist das auch heute noch nicht der allgemeine Standard in Arztpraxen, aber unter den Bedingungen der Pandemie war der Kontakt zwischen Arzt und Patient per Video eine gute Möglichkeit der Betreuung. Die Nutzung von Seiten der Patienten ist aber weiterhin sehr eingeschränkt. Obwohl hierfür nur wenige technische Voraussetzung notwendig sind, scheint doch die Hemmschwelle, diese Möglichkeit zu nutzen, weiterhin relativ hoch zu sein.

Sehr bewährt hat sich die Möglichkeit einer assistierten Videosprechstunde, bei der eine medizinische Fachkraft zum Beispiel beim Hausbesuch den betreuenden Arzt dazuschaltet und der Patient die Möglichkeit bekommt, mit dem Arzt zu sprechen. Das könnte ein gutes Modell für die Zukunft insbesondere im ländlichen Raum sein.

TK: Wie wird Ihr neuer Alltag aussehen? Und dürfen wir uns darauf freuen, Sie weiterhin an der öffentlichen Diskussion im Land beteiligt zu sehen?

Dr. John: In Zukunft werde ich mich intensiver in unserer großen Hausarztpraxis in Schönebeck engagieren und hier zusammen mit unserem Team moderne Möglichkeiten der Versorgung entwickeln und umsetzen. Aber auch in unserem ambulanten Geriatriezentrum und beim Aufbau einer innovativen Seniorenwohnanlage in meiner Heimatstadt werde ich mitwirken.

Ich hoffe sehr, mehr Zeit für meine Familie zu haben und meine Enkelkinder intensiver erleben zu können. Natürlich wird mich auch in Zukunft die Gesundheitspolitik im Land interessieren und ich werde mich hier, soweit möglich, weiterhin aktiv beteiligen.

Zur Person

Dr. Burkhard John, Allgemeinmediziner aus Schönebeck, ist seit 2001 Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt. Von 1995 bis 2001 war er Vorsitzender des Berufsverbandes der Allgemeinärzte (heute Hausärzteverband) und außerdem Mitbegründer des Instituts für hausärztliche Fortbildung e.V. Berufspolitisch verfolgt er seit gut 30 Jahren ein Ziel: die angemessene Vergütung einer strukturierten ambulanten Versorgung. Zum Jahresende gibt der 62-Jährige den KV Vorsitz ab, um mehr Zeit für Praxis, Projekte und Familie zu haben.