TK: Seit fünf Jahren führt die TK mit der Stiftung Bayerischer Hausärzteverband das Famulaturprojekt durch. Inwiefern ist das Interesse an der Landarztmedizin unter Medizinstudenten gewachsen?

Dr. Markus Beier: Das Feedback, das wir regelmäßig unter den Studierenden abfragen, ist sehr positiv und wird auch durch uns und die Studierenden weitergetragen. So gaben in einer externen Umfrage 16 Prozent der Medizinstudierenden an der Technischen Universität München (TUM) an, dass sie anschließend in die Fachrichtung Allgemeinmedizin gehen wollen. Zum Vergleich: An den anderen Universitäten sind es knapp unter 12 Prozent. Damit ist die Allgemeinmedizin an der TUM die beliebteste Fachrichtung. Auch die Bereitschaft, sich auf dem Land niederzulassen, ist unter TUM-Studierenden mit fast 15 Prozent (bayernweit 11,5 Prozent) überdurchschnittlich groß - und das, obwohl die TUM mitten in der Landeshauptstadt liegt. Die Umfrageergebnisse decken sich auch mit den steigenden Zahlen der Facharztanerkennung. 2017/2018 haben in Bayern knapp 265 Mediziner die Facharztprüfung Allgemeinmedizin abgelegt, 2018/2019 waren es 300 und 2019/2020 bereits 363 Anerkennungen.

Dr. Markus Beier

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Landesvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes e. V.

TK: Das Thema Corona hat dieses Jahr die Famulatur geprägt. Welche besondere Erfahrung war das für die Studierenden?

Beier: Wegen fehlender Schutzkleidung wurde die Ausbildung der Studierenden im Frühjahr 2020 erst einmal ausgebremst. Aber seit spätestens Juni können sie in unseren Hausarztpraxen hautnah miterleben, wie der ambulante Schutzwall in Deutschland gegen die Corona-Pandemie funktioniert. Neben der regulären Ausbildung war das ein spannender Zusatzfaktor. Zum Beispiel haben sie gesehen, was Hausärzte in Bayern in ihrer Funktion als Versorgungsärzte neben dem Praxisalltag organisiert haben. Wie man die Patienten im Umgang mit Corona aufklärt und gegebenenfalls beruhigt und wie wichtig ein vertrauensvolles und wertschätzendes Verhältnis zwischen Arzt und Patient ist. 
 
TK: Wie wird die Corona-Pandemie den Praxisalltag der Hausärzte verändern? 

Beier: Von der Rückkehr zu einem Praxisalltag, wie wir ihn vor der Pandemie hatten, sind wir noch weit entfernt. Das heißt, die veränderte Arbeitsstruktur mit der räumlichen Trennung der Infektpatienten und der Aufteilung des Praxis-Teams werden wir noch über Monate aufrechterhalten müssen. Auch die Aufklärungsarbeit wird verstärkt über die Telefonsprechstunden und vereinzelt auch über Videokontakt stattfinden. Sicherlich wird es auch mehr Gespräche zu Angstthemen geben - das hingegen war für uns Hausärzte schon immer Teil unseres täglichen Auftrags.