Die Realisierung des Kompetenzzentrums Allgemeinmedizin ist ein großer Schritt zur nachhaltigen Förderung der hausärztlichen Versorgung im Land. In einigen ländlichen Bereichen ist die Versorgung momentan noch gewährleistet, doch diese Basis droht im demografischen Wandel verlorenzugehen. Die Etablierung eines Kompetenzzentrums im Norden ist ganz zentral, um die Weiterbildung von Fachärzten für Allgemeinmedizin attraktiver zu machen.  

Alle müssen an einem Strang ziehen

Schleswig-Holstein ist eines der Vorreiterländer, das ein wissenschaftlich fundiertes Konzept zur Stärkung der Allgemeinmedizin umsetzt. Die enge Zusammenarbeit der Lehrstühle für Allgemeinmedizin sowie der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung ist dabei ein Muss. Nur, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen und zusammen Ideen und Lösungen erarbeiten, kann das gemeinsame Ziel erreicht werden: Eine qualitativ hochwertige Verbund-Weiterbildung, die Lust auf Allgemeinmedizin schafft.

Bürokratiehürden überwinden

Die Weiterbildung der jungen Ärzte muss im Fokus stehen. Dass den Teilnehmern an den Seminartagen neben medizinischem Fachwissen auch die gute Arzt-Patienten-Kommunikation und das Leiten einer eigenen Praxis näher gebracht werden, ist enorm wichtig. Bürokratiehürden können so frühzeitig überwunden und die Sorgen, die mit der Verantwortung einer Praxis einhergehen, genommen werden. Dabei geht es um Themen wie Zeitmanagement, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Teamstruktur, Krisenmanagement und das Meistern des Praxisalltags. Das Ziel ist immer gleich: Die Selbstständigkeit und Bereitschaft für eine eigene allgemeinärztliche Praxis zu erhöhen. Den jungen Ärzten sollen mittelfristig auch Modelle zur Verbund-Weiterbildung an Kliniken und in Allgemeinarztpraxen angeboten werden.

Kommunikationstraining über Video-Supervision

Besonders wichtig ist die Schulung der Kommunikation zwischen Arzt und Patient. Die Fortbildungs-Sequenz in der Video-Dokumentation von Arzt-Patienten-Gesprächen von einem Supervisionsteam aus Arzt und Psychologen angesehen und an die jungen Ärzte rückgemeldet werden, ist innovativ für Deutschland. Positive Erfahrungen aus Dänemark und den Niederlanden sind sehr ermutigend. So kann ganz nah an der Praxis das so wichtige Thema Arzt-Patienten-Kontakt geübt und gezielt verbessert werden.

Die Einführung des Mentoring-Programms für alle Teilnehmer rundet die Arbeit des Kompetenzzentrums ab. Denn wer könnte angehenden Medizinern die Berufspraxis besser darstellen, als ein praktizierender Hausarzt selbst? Wissen weitergeben, von den Erfahrungen anderer profitieren und sich gleichzeitig ein Netzwerk bilden: Das alles wird den angehenden Ärzten helfen, die notwendige Sicherheit und das Selbstbewusstsein für die verantwortungsvolle Tätigkeit als Facharzt für Allgemeinmedizin zu gewinnen.