Frankfurt am Main, 19. August 2020. Knapp jeder achte Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren in Hessen (12,1 Prozent) leidet unter ärztlich diagnostizierten Kopfschmerzen. Jeder dritte davon (33,1 Prozent) klagt über Migräne, einer speziellen Form des Kopfschmerzes, die mit einem besonders hohen Leidensdruck verbunden ist. Darauf weist die Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen hin und bezieht sich auf ihren Kopfschmerzreport 2020, der sich schwerpunktmäßig mit Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen beschäftigt. 

Kinder und Jugendliche haben umso häufiger Kopfschmerzen und Migräne, je älter sie werden. Doch schon unter den jüngeren Kindern bis 14 Jahre werden nach der TK-Auswertung 3,7 Prozent beim Arzt wegen Kopfschmerzen behandelt. Unter den hessischen Kindern und Jugendlichen bis 19 Jahren (19,3 Prozent) bekommt jeder fünfte bei einer Kopfschmerzdiagnose ein schmerzstillendes Arzneimittel verordnet. Ab einem gewissen Schweregrad der Schmerzen kann auch bei den jüngeren Kindern die Einnahme eines Schmerzmittels sinnvoll sein. Der Schmerzmittelkonsum sollte aus Sicht der TK in Hessen jedoch gerade im Kindes- und Jugendalter mit Blick auf die gesundheitlichen Folgen gemeinsam mit dem Arzt sensibel abgewogen werden. 

Erfahrungen aus der Migräne-Forschung nutzen 

"Zwar erscheint eine Schmerztablette auf den ersten Blick als eine einfache Lösung, entscheidend ist aber gerade bei der Migräne, dass die Betroffenen lernen, wie sie den Kopfschmerzen auf eine andere Art begegnen oder ihnen vorbeugen können. Beispielsweise hilft ein digitales Migränetagebuch dabei, Auslöser zu erkennen und die Krankheit besser verstehen zu lernen. Wenn wir diese Erfahrungen nutzen, kann Kindern und Jugendlichen möglicherweise ein langer Leidensweg erspart werden", so Dr. Barbara Voß, Leiterin der Landesvertretung der TK in Hessen. 

Kopfschmerz verdient mehr Aufmerksamkeit

Da Kopfschmerzen für viele Erwachsene kein Anlass für einen Arztbesuch sind und die Beschwerden aus diesem Grund in den Daten der Kassen stark unterrepräsentiert sind, hat die TK ergänzend zum Kopfschmerzreport eine repräsentative Bevölkerungsbefragung in Auftrag gegeben. Demnach hat in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland jeder Zwölfte (8 Prozent) mindestens einmal pro Woche Kopfschmerzen, jeder Vierte (23 Prozent) mindestens einmal pro Monat. Jeder Siebte (14 Prozent) leidet an Migräne. In seiner Lebensqualität fühlt sich jeder dritte Kopfschmerzgeplagte (32 Prozent) stark oder sehr stark beeinträchtigt. Dennoch versucht der überwiegende Teil (85 Prozent), möglichst lange ohne Medikamente auszukommen. Werden Schmerzmittel benötigt, greifen sieben von zehn Befragten (74 Prozent) zu rezeptfrei in der Apotheke erhältlichen Medikamenten wie Ibuprofen oder Aspirin bzw. ASS.

"Unser Kopfschmerzreport zeigt, dass Kopfschmerzen und Migräne bei Kindern und Jugendlichen deutlich mehr Aufmerksamkeit verdienen und dass auch mehr über Möglichkeiten der Prävention aufgeklärt werden sollte", so Dr. Voß. Gerade für Migränegeplagte ist es laut TK-Report essenziell, dass sie ihr Leben an die besondere Risikobereitschaft für Migräneattacken anpassen. Sie können demnach mit Veränderungen ihres Lebensstils viel erreichen und ihre Lebensqualität immens steigern. Regelmäßiger und ausreichender Schlaf, Stressabbau, Entspannungsübungen oder Ausdauersport können hier viel bewirken.  

Digitale Lösungen können unterstützen

"Auch digitale Lösungen wie etwa unsere Migräne-App können Betroffene nachweislich unterstützen. Eine Nutzerbefragung zeigt, dass Patienten, die die App nutzen, im Durchschnitt ein Viertel weniger Kopfschmerztage haben und dadurch weniger Akutmedikamente einnehmen müssen", so Voß. Kopfschmerz- und Migränepatienten lernen mit Hilfe der App mit ihrer Krankheit besser umzugehen und entwickeln ein gutes Selbstmanagement ihrer Erkrankung. Zudem können sie sich mit der App mit Schmerztherapeuten unterschiedlicher Fachrichtungen in Hessen vernetzen, die auf die fachübergreifende Versorgung von Patienten mit schweren chronischen Kopfschmerzen spezialisiert sind.

Hinweis für die Redaktionen

Die Forsa-Umfrage unter 1.001 Befragten wurde im Auftrag der TK Ende Februar und Anfang März 2020 durchgeführt. Der vollständige Kopfschmerzreport steht auf dem Presseportal der TK zur Verfügung (Suchnummer 2088710).