Mainz, 19. August 2020. Mehr als jeder achte Jugendliche in Rheinland-Pfalz leidet unter Kopfschmerzen: Bei 13 Prozent der 15- bis 19-Jährigen stellte ein Arzt 2018 diese Diagnose. Das geht aus dem Kopfschmerzreport der Techniker Krankenkasse (TK) hervor, der heute vorgestellt wurde. Damit liegen die Jugendlichen in Rheinland-Pfalz leicht über dem Bundesschnitt von 12,8 Prozent. Zum Vergleich: In Baden-Württemberg klagen Jugendliche dieses Alters beispielsweise am wenigsten über Kopfschmerzen (11,1 Prozent). In Berlin ist die Betroffenheit hingegen mit 15,1 Prozent am stärksten. Auch in der jüngeren Altersgruppe der null bis 14-Jährigen liegt Rheinland-Pfalz hinsichtlich der Häufigkeit von Kopfschmerzen mit 5,2 Prozent über dem Bundesschnitt (4,3 Prozent).

Auch Medikamentenverordnungen im Land über Bundesschnitt

23,1 Prozent der Heranwachsenden zwischen null und 19 Jahren im Land wurden zur Behandlung der Kopfschmerzen entsprechende Medikamente verordnet. Damit liegt Rheinland-Pfalz auch in diesem Punkt über dem bundesweiten Schnitt von 22,6 Prozent. "Solche schmerzlindernden Medikamente können sehr sinnvoll sein, wenn sie bewusst und nicht zu häufig eingesetzt werden. Bei übermäßigen Gebrauch können Schmerzmittel selbst sogar die Ursache von Kopfschmerzen sein, so dass sich gegebenenfalls ein regelrechter Teufelskreislauf für die Betroffenen entwickelt. Darüber hinaus schädigt ein Zuviel solcher Medikamente gegebenenfalls auch Magen und Nieren maßgeblich", erklärt TK-Landesvertretungsleiter Jörn Simon. 

Fast ein Drittel der Betroffenen hat Migräne

Bei fast einem Drittel (32 Prozent) der Jugendlichen in Rheinland-Pfalz mit einer Kopfschmerzdiagnose wurde Migräne diagnostiziert. "Kopfschmerzen und Migräne voneinander klar abzugrenzen ist oft nicht einfach. In aller Regel ist die Migräne aber allein im Hinblick auf die Schmerzintensität um ein Vielfaches stärker als Kopfschmerzen", betont Simon. Der TK-Landeschef weiter: "Die Betroffenen sind während eines Anfalls oft Tage außer Gefecht gesetzt und müssen gewöhnlich mit der Erkrankung ein Leben lang zurechtkommen. Neben der medikamentösen Therapie spielt die Prävention eine sehr wichtige Rolle." Nicht selten beobachten Betroffene, dass sie auf bestimmte Lebensmittel reagieren, auch Entspannungsübungen und regelmäßige Bewegung können helfen, das Auftreten von Migräne zu reduzieren. Wie die TK-Auswertung zeigt, wird Migräne weitaus häufiger bei Frauen als bei Männern diagnostiziert: Mit knapp sieben Prozent der Frauen aller Altersgruppen sind diese mehr als dreimal so häufig betroffen wie Männer (rund 2,2 Prozent). 

Lüften und Trinken als Maßnahmen gegen Kopfschmerzen

Als Ursache von Kopfschmerzen gab die Mehrheit der Betroffenen in einer repräsentativen Forsa-Umfrage Muskelverspannungen - etwa im Nacken und Rücken - an. Dies war für 71 Prozent der Teilnehmer in Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland der Auslöser für die Beschwerden. 65 Prozent gaben an, dass eine mangelhafte Flüssigkeitszufuhr zu den auslösenden Faktoren gehören kann sowie Stress (55 Prozent). Die Befragung zeigte auch, dass die Mehrheit der Menschen in Rheinland-Pfalz, Hessen und im Saarland zunächst versucht, möglichst keine Medikamente einzunehmen (85 Prozent). Stattdessen sind andere Maßnahmen sehr beliebt: Während 94 Prozent bei Beschwerden für frische Luft sorgen, gaben 92 Prozent an, mehr zu trinken. Aber auch Schlafen (69 Prozent), Entspannung (63 Prozent) und das Massieren der Schläfen oder der Kopfhaut (54 Prozent) gehören zu den häufigsten Strategien gegen Kopfschmerzen. 

Migräne-App kann helfen

Eine Hilfe für Betroffene kann die Migräne-App sein, die gemeinsam von Schmerzexperten der Schmerzklinik Kiel, der TK und Selbsthilfegruppen entwickelt wurde. "Eine wichtige Komponente der App ist beispielsweise das Schmerztagebuch, anhand dessen sich die Dauer, Intensität und der Zeitpunkt der Migräne oder des Kopfschmerzes präzise beschreiben und dokumentieren lässt", erläutert TK-Landeschef Simon. Das sei nicht nur für den Patienten, sondern auch für den Arzt sehr hilfreich, da er durch diese exakte Dokumentation auch bessere Auswertungsmöglichkeiten und in der Folge bessere Therapieerfolge erzielen könne. 
Eine Studie bestätigt die Wirksamkeit der Anwendung. Nutzer gaben an, durchschnittlich drei Tage im Monat weniger an Kopfschmerzen zu leiden als ohne Nutzung der App. Das entspricht einer Reduktion von 25 Prozent.

Hinweis für die Redaktion

Der vollständige Kopfschmerzreport steht auf dem Presseportal der TK zur Verfügung (Suchnummer 2088710). Hier finden Sie auch weitere Informationen zum Report wie Infografiken und Interviews. Die Forsa-Umfrage unter 1.001 Befragten wurde im Auftrag der TK Ende Februar und Anfang März 2020 durchgeführt.