TK: Auf welchem Weg können Patientinnen und Patienten in Sachsen heute am besten kurzfristig einen Termin bei der Fachärztin oder beim Facharzt bekommen?

Dr. Klaus Heckemann: Die KV Sachsen bietet den Patientinnen und Patienten verschiedene Möglichkeiten. Auf unserer Internetseite kann über eine Suchfunktion regional und fachspezifisch nach allen Vertragsärztinnen und Vertragsärzten sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten gesucht werden. Hier sind neben den Kontaktdaten der Praxen auch immer aktuelle Informationen zu Sprechzeiten und Behandlungsschwerpunkten hinterlegt: KVS-Arztsuche Sachsen.

Sollten Patientinnen und Patienten trotz Eigenbemühungen dennoch keinen zeitnahen Termin erhalten, kann die Terminservicestelle der KV Sachsen unter der Rufnummer 116117 kontaktiert werden. Eine Terminvermittlung durch die Terminservicestelle (außer Augen- und Frauenheilkunde) setzt eine entsprechende Überweisung durch die behandelnde Hausärztin oder den behandelnden Hausarzt voraus, die zum Nachweis einer gebotenen Dringlichkeit mit einem Vermittlungscode versehen ist. Allerdings erfolgt keine Vermittlung von Wunschterminen bei Wunschärztinnen und Wunschärzten. Weitere Anfahrtswege sind gelegentlich nicht zu vermeiden. In der Regel erhält die Patientin oder der Patient binnen einer Woche die Mitteilung, wann der Termin stattfindet. In Abhängigkeit von der medizinischen Dringlichkeit liegt dieser Termin meistens innerhalb der nächsten vier Wochen. Sollte der Termin durch die Patientin oder den Patienten nicht wahrgenommen werden können, wird unbedingt um eine Absage in der Praxis gebeten.

Dr. Klaus Hecke­mann

Dr. Klaus Heckemann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen

TK: Wie hat sich die Terminservicestelle der KVS entwickelt?

Heckemann: In Sachsen wurde die Terminvermittlung bereits 2015 als Modellprojekt gestartet, also noch bevor dies 2016 gesetzlich verankert wurde. Erreichten uns im Jahr 2015 noch gut 10.000 Anfragen, so waren es 2020 bereits rund 98.000. Dieser große Anstieg der Anruferzahlen zeigt, dass die Rufnummer 116117 in der Bevölkerung immer bekannter geworden ist und gut angenommen wird.

Patientinnen und Patienten nehmen die Rufnummer auch verstärkt für allgemeine Anliegen oder Beratungswünsche in Anspruch, welche keinen direkten Bezug auf die Terminvermittlung haben. Die Anfragen betreffend Termingesuche sind während der ersten pandemischen Welle im zweiten Quartal 2020 einmalig zurückgegangen. Seit dem dritten Quartal 2020 bis heute liegen diese auf einem fast gleichbleibenden Niveau bei durchschnittlich 14.000 Vermittlungsanfragen im Quartal. Mit den steigenden Anfragen an die Terminservicestelle wurde auch die Anzahl des Vermittlungspersonals durch die KV Sachsen erhöht.

Die sächsischen Vertragsärztinnen und -ärzte zeigen sich äußerst engagiert beim Impfen gegen das Coronavirus.
Dr. Klaus Heckemann

TK: Welche Auswirkungen hat die Coronapandemie auf die fachärztliche Versorgung?

Heckemann: Es gab während der ersten Pandemiewelle viele Anrufe von verunsicherten Patientinnen und Patienten, die sich nicht sicher waren, ob sie ihre vereinbarten Behandlungs- und Vorsorgetermine wahrnehmen sollten. Weiterhin gab es die Herausforderung, dass aufgrund der Ausgangsbeschränkungen viele Patientinnen und Patienten keine weiter entfernten Praxen außerhalb ihres Wohnortes aufsuchen konnten.

Aufgrund von teilweise zahlreichen Absagen vereinbarter Termine hatte die Terminservicestelle ausreichend frei verfügbare Termine bei Fachärztinnen und -ärzten, die nicht vollständig vergeben werden konnten. Während der zweiten und dritten Welle der Coronapandemie war kein Effekt für die Terminservicestelle erkennbar. Es wurden weiterhin Vermittlungen im vollen Umfang vorgenommen. Dies zeigt, dass die fachärztliche Versorgung vollumfänglich aufrechterhalten wird. Doch wird in dieser Zeit der Coronapandemie unseren Vertragsärztinnen und -ärzten sehr viel abverlangt und wir haben höchsten Respekt vor dieser Leistung, mit welchem Selbstverständnis die Vertragsärzte diese Herausforderungen bewältigen.

Die KV Sachsen ist bereits in mehrere telemedizinische Projekte aktiv involviert.
Dr. Klaus Heckemann

TK: Wie schätzen Sie Organisation und Erfolg der Impfkampagne in Sachsen gegen Covid-19 ein?

Heckemann: Der Erfolg der Impfkampagne steht und fällt mit nichts anderem als dem Vorhandensein von ausreichend Impfstoff. Jedoch herrscht nach wie vor Impfstoffmangel. Mittlerweile ist bekannt geworden, dass Sachsen in den vergangenen Wochen zehn Prozent weniger Impfstoff erhalten hat als dem Freistaat zustehen würde. Trotz dieser misslichen Lage zeigen sich die sächsischen Vertragsärztinnen und -ärzte äußerst engagiert beim Impfen gegen das Coronavirus. Seit Mitte März wird in sächsischen Arztpraxen geimpft und bereits zum 24. Mai 2021 kann in den sächsischen Praxen mit allen zugelassenen Impfstoffen ohne vorgegebene Priorisierung geimpft werden. Unsere sächsischen Vertragsärztinnen und -ärzte kennen den Gesundheitszustand ihrer Patientinnen und Patienten am besten und wissen, für wen die Corona-Schutzimpfungen am dringlichsten sind. Die Impfkampagne mit dem Ziel der Immunisierung der Bevölkerung kann aber nur dann zügig umgesetzt werden, wenn entsprechende Impfstoffmengen zur Verfügung stehen.

TK: Wie beurteilen Sie die Chancen der Digitalisierung? Wie erleichtert die Digitalisierung im Gesundheitswesen den Patientinnen und Patienten, gut versorgt und informiert zu sein?

Heckemann: Für unsere Ärztinnen und Ärzte ist die Digitalisierung des Gesundheitswesens eine sinnvolle Ergänzung der medizinischen Versorgung - auch wenn nach wie vor der persönliche Kontakt von der Ärztin, vom Arzt zur Patientin, zum Patienten der Goldstandard ist und auch perspektivisch durch nichts zu ersetzen sein wird. Insbesondere Telemedizin kann in Regionen mit einer geringen Dichte an Arztpraxen eine echte Verbesserung bei der Versorgung der Patientinnen und Patienten mit sich bringen.

Die KV Sachsen ist bereits in mehrere telemedizinische Projekte aktiv involviert. So gingen bereits im Jahr 2019 gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse zwei Modellprojekte an den Start:

In der Region Weißwasser verbessert sich die Versorgung für Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen, da ein Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Weißwasser eine ambulante Zweigpraxis mit einer telemedizinischen Komponente eröffnet hat. Das Projekt beinhaltet die Delegation fachärztlicher Leistungen auf hochqualifizierte Therapeutinnen und Therapeuten in Weißwasser, mit denen der Facharzt über regelmäßige Video-Konferenzen in Verbindung steht. Mit den Patientinnen und Patienten tauscht sich der Arzt auch per therapeutisch assistierter Video-Sprechstunde aus, wobei der erste Kontakt immer persönlich stattfindet. Diese neue Praxisorganisation entlastet den Arzt und ermöglicht ihm, zusätzliche Patientinnen und Patienten ambulant in der Zweigpraxis zu behandeln.

Für ein weiteres Modellprojekt zur besseren Versorgung der Region Marienberg hat ein Augenarzt seine Praxis mit neuer Technik ausgestattet und um Telesprechstunden erweitert. Dabei kommt u. a. ein Scanning-Laser-Ophthalmoskop zum Einsatz, das in Sekundenschnelle ein hochaufgelöstes Bild vom Augenhintergrund erzeugt. Bedient wird es vom qualifizierten Personal der Praxis. Nach einem vorangegangenen persönlichen Kontakt mit der Patientin oder dem Patienten kann der Facharzt dann, unabhängig von Ort und Zeit, auf die verschlüsselten Befunde zugreifen und eine Diagnose stellen. Im Falle von krankhaften Veränderungen wird  die Patientin bzw. der Patient zum weiteren persönlichen Gespräch mit dem Augenarzt bestellt.