Wer einen Überblick über die ambulante medizinische Versorgung in Baden-Württemberg bekommen möchte, kommt am Versorgungsbericht der KV nicht vorbei - Zahlen und Fakten zu allen wichtigen Themen und aus allen Landkreisen.

TK: Herr Koffner, was ist für Sie die wichtigste Erkenntnis des Versorgungsberichts 2018?

Markus Koffner: Der Wertewandel bei den niedergelassenen Ärzten geht weiter! Die nachrückende Generation möchte mehr Zeit für Familie und Freizeitaktivitäten haben. Jeder zweite Neueinsteiger arbeitet mittlerweile in Teilzeit. Durchschnittlich arbeiten 22 Prozent der Ärzte und Psychotherapeuten in Teilzeit. Bei den Psychotherapeuten sind mit 44 Prozent fast die Hälfte in Teilzeit tätig. Das ist nachvollziehbar, bedeutet aber auch, dass für zwei ausscheidende Ärzte drei neue Mediziner benötigt werden.

Wir registrieren auch einen großen Zuwachs bei Anstellungen. Fast jeder fünfte Arzt im niedergelassenen Bereich ist mittlerweile angestellt - doppelt so viele als noch 2011. Seit rund zehn Jahren gibt es nun die Möglichkeit, dass Vertragsärzte andere Ärzte aus allen Fachrichtungen in Vollzeit oder Teilzeit anstellen. Das erweist sich immer mehr als Erfolgsgeschichte.

Markus Koffner

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Leiter Regionales Vertragswesen, TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

TK: Warum ist das Thema "Kooperationen und Anstellung" für die TK so wichtig?

Koffner: Wir möchten für unsere Versicherten eine gute ambulante ärztliche Versorgung. Das gelingt jedoch auf Dauer nur, wenn die Arbeitsbedingungen passen. Die Möglichkeit, im Angestelltenverhältnis oder in anderen Kooperationsformen zu arbeiten, ist für viele junge Ärzte ein wichtiger Grund, vom Klinikbetrieb in den ambulanten Bereich zu wechseln. Das haben wir auf unserer diesjährigen TK-DocTour 2018 wieder erfahren.

Deshalb unterstützen wir als TK auch das Programm "Ziel und Zukunft" der KV. Damit wird die Niederlassung in ländlichen Regionen gefördert, insbesondere auch Kooperationen und Anstellungsverhältnisse. Laut Versorgungsbericht wurden bislang knapp drei Millionen Euro an Fördergeldern ausbezahlt. Seit diesem Jahr werden auch Hospitationen gefördert, die Anschubfinanzierung für die Neugründung oder Übernahme von Praxen wurde von 60.000 auf 80.000 Euro erhöht. Das ist gut angelegtes Geld!  

TK: Ein anderes wichtiges Thema ist die Digitalisierung der medizinischen Versorgung. Wie sind die niedergelassenen Ärzte im Südwesten hier aufgestellt?

Koffner: Die KV verweist im Versorgungsbericht zu Recht stolz auf ihr Telemedizin-Projekt "DocDirekt", das im Frühjahr in den Modellregionen Stuttgart und Tuttlingen gestartet ist. Bürgerinnen und Bürger können bei akuten Erkrankungen zwischen 9 und 19 Uhr bei Doc Direkt anrufen, wenn der Hausarzt nicht erreichbar ist. Per Telefon, Videotelefonie oder Chat bekommen sie kompetente medizinische Fernberatung von niedergelassenen Ärzten.

Die KV Baden-Württemberg ist bundesweit die erste KV, die so etwas anbietet. Die gesetzlichen Krankenkassen haben bereits 1,9 Millionen Euro an finanzieller Unterstützung zugesagt. Die Ausweitung des Projektes auf ganz Baden-Württemberg wurde in den Medien bereits angekündigt. Der nächste große Meilenstein sollte im kommenden Jahr die Realisierung des elektronischen Rezeptes sein. Das Sozialministerium Baden-Württemberg unterstützt die Umsetzung des eRezeptes mit rund einer Million Euro.