Weil das bundesweite Auswahlverfahren teils verfassungswidrig ist, muss es bis Ende dieses Jahres geändert werden. Das hat das Bundesverfassungsgericht im Jahr 2017 entschieden. In einem Entwurf für einen neuen Staatsvertrag hat die Kultusministerkonferenz neue Regelungen für die Zulassung
zum Medizinstudium beschlossen.

Quoten- und Kriterienvielfalt

Ziel ist eine "Quoten- und Kriterienvielfalt" - neben kognitiven Kompetenzen sollen auch praktische und sozialkommunikative Fähigkeiten der Bewerber berücksichtigt werden.

Der aktuelle Stand: Nachdem die Kultusministerkonferenz der Länder (der Bundesrepublik Deutschland) den neuen Staatsvertrag zur Hochschulzulassung im Medizinstudium Anfang Dezember 2018 beschlossen hatte, erfolgte am 5. Februar 2019 die Zustimmung des Thüringer Kabinetts. Nun kann der Staatsvertrag durch den Landtag ratifiziert und anschließend im Thüringer  Hochschulzulassungsgesetz verankert werden.

Unterschiedliche Zugangswege zum Medizinstudium

"Unser Ziel war ein ausgewogener Mix aus unterschiedlichen Zugangswegen zum Medizinstudium, dafür haben wir uns eingesetzt. Das wird mit dem neuen Staatsvertrag zumindest zum Teil erreicht", sagt Wissenschaftsminister Tiefensee. Frühestens gelten die neuen Regeln erstmalig im Vergabeverfahren für das Sommersemester 2020, die Übergangsphase soll im Jahr 2022 enden.


 Bisheriges ZulassungsverfahrenNeues Zulassungsverfahren
Auswahlverfahren

60 Prozent der Studienplätze werden über ein hochschuleigenes Auswahlverfahren vergeben. Meist ist hier die Abiturnote wichtigstes Kriterium

60 Prozent der Studienplätze werden über ein hochschuleigenes Auswahlverfahren vergeben. Neben der Abiturnote müssen zwei weitere Kriterien berücksichtigt werden

Abiturnote20 Prozent der Studienplätze werden nach der Abiturnote vergeben30 Prozent der Studienplätze werden nach der Abiturnote vergeben
Wartezeit20 Prozent der Studienplätze werden nach der Wartezeit vergeben 
Eignungsquote 10 Prozent der Studienplätze werden nach einer schulnotenunabhängigen Eignungsquote vergeben


Mit dem neuen Zulassungsverfahren gewinnt die Abiturnote an Bedeutung, während es nicht mehr möglich sein soll, sich einen Studienplatz zu "erwarten". Durch das geänderte hochschuleigene
Auswahlverfahren sowie die neu eingeführte Eignungsquote werden allerdings auch  schulnotenunabhängige Faktoren wichtiger.

Bewertung der Abiturnoten

Eine weitere Neuerung betrifft die Bewertung der Abiturnoten: Länderspezifische Unterschiede sollen ausgeglichen werden. Dafür wird ein Prozentrangverfahren mit Bildung von Landesquoten eingeführt. Das Verfahren soll bestehen, bis grundlegende politische Maßnahmen im Schulbereich eine annähernde Vergleichbarkeit der Abiturnoten aller Länder erreicht haben.