Potsdam, 1. August 2019. Die Zahl der Erwachsenen in Brandenburg, die eine Verordnung für ADHS-Medikamente mit dem Wirkstoff Methylphenidat erhalten haben, ist in den vergangenen drei Jahren um ein Fünftel (19 Prozent) gestiegen. Das teilt die Techniker Krankenkasse (TK) mit und beruft sich auf eigene Daten. Durchschnittlich 1,12 von 1000 Versicherten haben 2018 eine Verordnung erhalten. Während der Anstieg bei den Männern bei 17,8 Prozent lag, betrug er bei den Frauen 23,2 Prozent. 

Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren gab es dagegen einen leichten Rückgang. Während 2015 11,2 von 1000 Versicherten unter 18 die Medikamente mit dem Wirkstoff Methylphenidat erhalten haben, sind es im vergangenen Jahr 10,7 gewesen.

Therapieformen bei ADHS kombinieren

Zur Behandlung von ADHS werden häufig Medikamente wie Ritalin mit dem Wirkstoff Methylphenidat verordnet. Bisherige Studien deuten darauf hin, dass die Medikamente auch bei Erwachsenen die Aufmerksamkeit verbessern und Hyperaktivität lindern können. 

Susanne Hertzer, TK-Chefin in Brandenburg: "ADHS war bis dato in der Öffentlichkeit eher als Diagnose bei Kindern und Jugendlichen bekannt. Sie ist aber auch bei Erwachsenen verbreitet. ADHS sollte sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen aber in keinem Fall ausschließlich mit Medikamenten behandelt werden. Andere Therapieformen, wie etwa eine Psychotherapie, sollten die Behandlung ergänzen." Den Großteil der Medikamentenverordnungen erhalten nach wie vor Kinder und Jugendliche mit ADHS-Diagnose. Zu verzeichnen sei jedoch, dass immer mehr Erwachsene jene Medikamente verordnet bekommen, so Hertzer.

Regionale Unterschiede bei Verordnungszahlen

Im Vergleich der Bundesländer gibt es große Schwankungen bei der Anzahl der Verordnungen von Methylphenidat-haltigen ADHS-Medikamenten bei Erwachsenen. Die meisten Medikamente bei Erwachsenen gibt es in Rheinland-Pfalz. In Berlin liegen die Verordnungen acht Prozent über dem Bundesdurchschnitt, ihr Anteil ist sogar doppelt so hoch wie in Brandenburg.

Umfassende Untersuchung wichtig

Der Wirkstoff Methylphenidat darf nur bei gesicherter Diagnose und im Rahmen einer umfassenden Untersuchung verschrieben werden. Mögliche Nebenwirkungen, die mit der Einnahme der Medikamente auftreten können, sind zum Beispiel Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und Schlafstörungen. Hertzer: "Wie generell bei Arzneiverordnungen müssen auch jene für ADHS-Patienten sorgsam geprüft werden, damit eine Besserung des Krankheitsbildes erreicht wird." 
Nicht jeder Arzt hat die Befugnis, den Wirkstoff zu verordnen. Er darf nur durch einen Spezialisten für Verhaltensstörungen verschrieben werden. Allerdings gibt es keine Facharzt-Festlegung für die Behandlung von ADHS. 

Hinweis an die Redaktion

Für die Analyse werden Routinedaten von TK-Versicherten unter 18 Jahren und ab einem Alter von 18 Jahren, die mindestens einmal Medikament mit dem Wirkstoff Methylphenidat verschrieben bekommen haben, ausgewertet.