Ziel der neuen Landesregierung muss sein, den Menschen einen niederschwelligen und transparenten Zugang zur telemedizinischen Versorgung im ganzen Land zu ermöglichen.

TK: Herr Koffner, die ambulante Medizin in Baden-Württemberg ist auf einem anerkannt hohen Niveau. Weshalb brauchen wir hier überhaupt Veränderungen?

Markus Koffner: Die vertragsärztliche Versorgung befindet sich schon seit Jahren in einem umfassenden Veränderungsprozess. Viele Medizinerinnen und Mediziner scheiden aus Altersgründen aus; es kommen weniger nach. Häufig ist eine Niederlassung als Vertragsarzt oder Vertragsärztin verbunden mit dem Wunsch, in urbanen Regionen zu praktizieren. 

Markus Koffner

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Leiter Regionales Vertragswesen, TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Immer häufiger wird Anstellung mit weniger wirtschaftlicher Verantwortung bevorzugt. Auch die Tätigkeit in Teilzeit hat an Bedeutung gewonnen, um Karriere und Familie sinnvoll miteinander zu verknüpfen.

TK: Droht deshalb massive Unterversorgung gerade in ländlichen Regionen?

Koffner: Noch haben wir keine Unterversorgung, auch wenn einige Hausarztsitze in bestimmten Regionen vakant sind. Zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg wurden schon etliche Schritte unternommen, um die Niederlassung gerade auf dem Land attraktiver zu machen.

Die Notdienste am Wochenende beispielsweise sind durch die Einführung von Notfallpraxen an Kliniken weitestgehend entfallen. Zudem gibt es vielfältige Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten, etwa bei der Anstellung von Nachwuchsmedizinerinnen und -medizinern. Auch die Landesregierung engagiert sich mit einem Zuschuss bei der Niederlassung.

Insgesamt zeichnen sich durchaus Erfolge ab, doch das reicht nicht. Wir müssen mutig den Weg beschreiten in eine neue ambulante Versorgungswelt. 
    
TK: Was schlägt die TK konkret vor?

Koffner: In Zukunft werden die Patientinnen und Patienten sehr verschiedene Modelle der vertragsärztlichen Versorgung in Baden-Württemberg erleben. Der Betrieb von Zweigpraxen, die Ausweitung der Telemedizin, die Delegation von bestimmten Tätigkeiten und die Etablierung innovativer Nachnutzungskonzepte nach einer Krankenhausschließung eröffnen neue Möglichkeiten. 

Warum werden beispielsweise Ärztinnen und Ärzte aus dem überversorgten Heidelberg nicht im unterversorgten Schwarzwald telemedizinisch tätig? Muss dieser Gedanke an der Grenze der Bundesländer halt machen? 

Wir sollten den Ehrgeiz haben, aus Baden-Württemberg auch im ambulanten Bereich das Bundesland mit der umfassendsten digitalen Durchdringung im Gesundheitswesen zu machen. Dazu braucht es eine konzertierte Aktion von Landesregierung, KVBW und Krankenkassen.