Der aktuelle Gesundheitsreport der Techniker zeigt aber, dass die Zahl der Verordnungen in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgeht.

TK: Herr Vogt, 2017 bekamen knapp 22 Prozent der TK-Versicherten in Baden-Württemberg mit der Diagnose Erkältung Antibiotika verschrieben. Ist das ein guter Wert?

Andreas Vogt

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Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Andreas Vogt: Gemessen an der Tatsache, dass die Quote 2014 noch bei 30 Prozent lag, freue ich mich über den deutlichen Rückgang. Auch der Bundesschnitt von 24,4 Prozent liegt darüber.

Trotzdem denke ich, dass immer noch zu viele Patienten mit einem Antibiotika-Rezept die Arztpraxis verlassen. Die meisten Erkältungen werden durch Viren verursacht, gegen die ein Antibiotikum nun mal nichts ausrichten kann.

Das allein wäre nicht so schlimm, aber wie fast alle Medikamente haben Antibiotika Nebenwirkungen. Außerdem steigt durch jede unnötige Verordnung die Gefahr, dass Bakterien resistent werden.

TK: Und welche Konsequenzen hat das?

Vogt: Antibiotikaresistenzen breiten sich weltweit immer weiter aus. Die Folge ist, dass Infektionen nicht mehr behandelt werden können und Menschen an einer Grippe oder Lungenentzündung sterben. Auch beim World Health Summit in Berlin war der Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen letztes Wochenende Thema.

Die Bundesregierung macht sich mit ihrer Deutschen Antibiotika-Resistenz-Strategie (DART 2020) für einen sachgerechten Einsatz von Antibiotika und den richtigen Umgang mit multiresistenten Erregern stark. Darüber hinaus soll die Erforschung und Entwicklung neuer Wirkstoffe vorangetrieben werden. 

TK: Und wie können die Verordnungszahlen im Land weiter reduziert werden?

Vogt: Aufklärung, sowohl bei Patienten als auch Ärzten, ist wichtig, damit Antibiotika nur dann verschrieben werden, wenn sie medizinisch wirklich notwendig sind.

Dieses Ziel verfolgt auch das Projekt "RESIST", an dem sich die TK beteiligt. Es beinhaltet verschiedene Maßnahmen, um Ärzte und Patienten für das Thema Resistenzbildung zu sensibilisieren, und zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit Antibiotika gerade bei akuten Atemwegsinfekten zu motivieren. Die KVBW ist hier mit an Bord und zertifiziert Mediziner im ganzen Land.

Mit der Teilnahme an einem Onlinetraining werden die Praktiker unter Anderem angeregt, ihr Verordnungsverhalten zu hinterfragen. Und sie bekommen Informationsmaterial an die Hand, um ihren Patienten die Entscheidung für oder gegen ein Antibiotikum zu erklären. Denn häufig erwarten Patienten ein Rezept für ein Medikament, wenn sie zum Arzt gehen.