Das Jahr 2020 wird wohl als "Corona-Jahr" in die Geschichte eingehen. Die Pandemie hat selbstverständlich auch die Arbeit der Krankenkassen wesentlich beeinflusst. Doch 2020 war mehr als "Corona".

TK: Herr Vogt, nach dem beherrschenden Thema braucht man in diesem Jahr nicht lange zu fragen. Welches Fazit ziehen Sie für das Jahr 2020?

Andreas Vogt: Die Bekämpfung der Corona-Pandemie hat alle Organisationen des Gesundheitswesens im Land vor die Herausforderung gestellt, schnell und entschlossen zu handeln. Diesem Anspruch sind wir gerecht geworden. Durch die gute Zusammenarbeit konnten unsere Patientinnen und Patienten in den Kliniken, in den Arztpraxen sowie in den vielen sonstigen medizinischen Einrichtungen gut behandelt werden. Unser Gesundheitssystem hat sich bewährt, auch das ist eine wichtige Erkenntnis.

Andreas Vogt

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Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Das Virus hat dazu beigetragen, dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen und insbesondere die Telemedizin einen regelrechten Boom erlebt haben. Derzeit bieten beispielsweise in Baden-Württemberg rund 7.000 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte Videosprechstunden an, im März waren es ganze neun.

Im Schatten von "Corona" gab es aber durchaus noch andere relevante Themen, die nicht die Beachtung gefunden haben, die sie eigentlich verdient gehabt hätten.

TK: Können Sie dafür ein paar Beispiele nennen?  

Vogt: Ich denke hier an eine neue Vereinbarung zur hausarztzentrierten Versorgung in Baden-Württemberg oder die Bemühungen auf Bundes- und Landesebene um eine Verbesserung der Pflegesituation.

Zudem möchte ich betonen, dass die GKV auch in diesem Jahr wieder etliche Leistungen neu in ihren Katalog aufgenommen hat. Die Früherkennung bei Krebs wurde ausgebaut, ebenso die Möglichkeit, eine qualitätsgesicherte Zweitmeinung in Anspruch zu nehmen. Sogar der Einstieg in die personalisierte Therapie wurde bei Brustkrebs-Patientinnen geschafft. Zudem können nun Apps auf Rezept verordnet werden. Dies alles unabhängig von Alter, Einkommen oder Gesundheitszustand. Das zeigt die große Leistungskraft der GKV, der die allermeisten Menschen zu Recht vertrauen. 

TK: Vor einem Jahr blickten Sie gespannt auf die Umsetzung der Pflegebudgets in 2020. Wie sieht die Lage nun ein Jahr später aus? 

Vogt: In der Tat hat die Ausgliederung der Pflege aus dem allgemeinen Krankenhausbudget die Verhandlungen mit den Kliniken deutlich erschwert - zusätzlich zu den Herausforderungen durch Corona.

Die Vorstellungen, welche Pflegeleistungen ausgegliedert werden können, gehen bei Kassen und Kliniken doch sehr weit auseinander. Diese Frage wird uns noch weit bis ins Jahr 2021 beschäftigen. Es wird deutlich länger dauern als sonst, bis die Budgetverträge mit den Krankenhäusern unter Dach und Fach sind. Dabei dürfen wir das derzeit zentrale Ziel nicht aus den Augen verlieren: Die Liquidität der Kliniken während der Corona-Pandemie zu sichern.  

Das Pflegebudget ist übrigens ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig eine gut funktionierende und partnerschaftliche Selbstverwaltung ist, um die Konzepte des Gesetzgebers vernünftig umsetzen zu können.    

TK: Damit wären wir im kommenden Jahr angelangt. Wie sehen Ihre Erwartungen für 2021 aus?

Vogt: Das Thema Corona wird uns sicher noch weit bis ins kommende Jahr hinein beschäftigen - mit zum Teil neuen Aspekten wie etwa der Herausforderung, viele Millionen Menschen zu impfen.

Dann bin ich sehr gespannt, ob es gelingt, beim Thema Digitalisierung endlich von den vielen Modellprojekten in die Regelversorgung zu kommen. Die elektronische Patientenakte, das E-Rezept, die eAU - all das wird im kommenden Jahr flächendeckend eingeführt. 

Ich bin stolz darauf, dass die TK hier durch ihre Initiativen wie etwa "TK-Safe" oder unser Projekt zum E-Rezept wichtige Schrittmacherdienste geleistet hat. Davon werden nun hoffentlich alle gesetzlich versicherten Patientinnen und Patienten profitieren. 
 
Und natürlich haben wir ein Superwahljahr mit der Landtagswahl im Frühjahr und der Bundestagswahl im Herbst. Diese Wahlen und die damit verbundenen gesundheitspolitischen Weichenstellungen werden wir mit neuen spannenden Formaten begleiten. Darauf freue ich mich.