In der traditionellen psychiatrischen Versorgung sind für die soziale und medizinische Unterstützung von psychisch kranken Menschen eine Vielzahl unterschiedlicher Ansprechpartner im stationären, teilstationären und ambulanten Bereich zuständig. Aus Sicht der TK ist aber gerade bei den meist langwierigen psychischen Erkrankungen eine ganzheitliche, nachhaltige Behandlung sinnvoll, die die traditionellen Sektorengrenzen überwindet. Mit dem NetzWerk psychische Gesundheit (NWpG) hat die TK daher ein Behandlungskonzept etabliert, das dem individuellen Hilfebedarf von Menschen mit einer psychischen Erkrankung entgegenkommt. Ziel der Netzwerke ist es, Brüche in der Behandlung und Nachteile der traditionellen Versorgung wie den sogenannten Drehtüreffekt zu vermeiden, der Patienten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus relativ schnell wieder in die Klinik zurückbringen kann.

Psychische Krankheiten in den Industrienationen

In Deutschland leidet fast jeder Dritte im Laufe seines Lebens an einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung. Wegen der oftmals langen Erkrankungsdauer und weil die Symptome wiederkehren können, kommt der Krankheit eine große Bedeutung zu. Hält der Trend zu steigenden Erkrankungszahlen an, können nach einer Prognose der Weltgesundheitsorganisation psychische Diagnosen wie etwa Depressionen im Jahr 2030 in den Industrienationen zur häufigsten Krankheit werden.

Die Erfahrungen der TK mit dem NWpG zeigen, dass dies gelingt. Klinikaufenthalte lassen sich vermeiden, wenn den Betroffenen ein individuelles Betreuungsnetzwerk zur Verfügung steht und sie - soweit es der Krankheitsverlauf zulässt - weitgehend ambulant in ihrem unmittelbaren sozialen Umfeld betreut werden. Im Jahr 2009 hat die TK den ersten NWpG-Versorgungsvertrag in Berlin gestartet. Bundesweit gibt es mittlerweile zwölf dieser Versorgungsverträge in 14 Bundesländern. In Hessen hat die TK gemeinsam mit zwei Vertragspartnern, dem Caritasverband Darmstadt und dem Verbund sozialpsychiatrischer Angebote (VERSA) Rhein-Main, Betreuungsnetzwerke aufgebaut, die die Menschen möglichst ambulant auffangen. Bundesweit versorgt die TK über 13.000 Menschen in den Betreuungsnetzwerken; in Hessen sind es fast 1.000.

Nachteile der Regelversorgung

Dass in der Regelversorgung so viele unterschiedlichste Ansprechpartner für die soziale und medizinische Unterstützung von Menschen mit psychischen Diagnosen zuständig sind, ist aus mehreren Gründen von Nachteil: Jeder behandelnde Arzt betreut seine Patienten getrennt von weiteren Leistungserbringern und arbeitet mit weiteren Spezialisten nicht immer optimal zusammen. Ärzte, Psychotherapeuten, Kliniken und andere Beteiligte an der Versorgung fühlen sich in erster Linie für ihren eigenen Leistungsbereich zuständig und der Austausch der Beteiligten ist untereinander oft schwierig. Ist bei psychischen Erkrankungen eine psychiatrische Unterstützung notwendig, raten Ärzte in der traditionellen Versorgung oftmals zur stationären Behandlung im Krankenhaus. In der Klinik werden zwar die medizinischen Probleme behandelt, aber die Betroffenen aus ihrem gewohnten privaten und beruflichen Umfeld gerissen, das sie auch stärkt. Zudem werden in der Klinik viele Schwierigkeiten ausgeblendet, denen die Patienten im Alltag begegnen. Sobald sie das Krankenhaus verlassen, können sich die alltäglichen Probleme wieder verstärken und die Krankheitssymptome erneut zunehmen, so dass sie erneut ins Krankenhaus eingewiesen werden müssen.

Besonderheiten der ambulanten Betreuungsnetzwerke

Aus Sicht der TK ist gerade bei psychischen Erkrankungen eine ganzheitliche, nachhaltige Behandlung sinnvoll. Im Versorgungsnetzwerk des NWpG gibt es daher eine intensive Zusammenarbeit innerhalb der Behandlungsteams. Die Versicherten werden im Versorgungsnetzwerk ggf. gemeinsam von unterschiedlichen Einrichtungen und Leistungserbringern multiprofessionell betreut.  Ein Team aus erfahrenen Fachärzten, Sozialarbeitern, Fachpflegern und Therapeuten arbeitet eng mit dem Haus- oder Facharzt und/oder Psychotherapeuten des Klienten zusammen. Feste Bezugspersonen (Fallmanager) betreuen und begleiten die Patienten. In Krisensituationen können die Versicherten Rückzugsräume, die Krisenpensionen, auch über Nacht nutzen, wo ihnen professionelle Hilfe zur Verfügung steht. Im Rahmen der Betreuung sind aber auch Hausbesuche beim Versicherten möglich (Home Treatment). Eine weitere Besonderheit ist: Die Angehörigen werden in die Betreuung der Versicherten eingebunden und dadurch spürbar entlastet, beispielsweise im Rahmen des Home Treatments, als Begleitperson in der Krisenpension oder in Gruppengesprächen. Darüber hinaus steht den Klienten eine 24-Stunden-Hotline zur Verfügung.

Im Netzwerk werden die Versicherten so weit unterstützt, dass sie - wenn möglich - trotz ihrer Erkrankung im gewohnten familiären, beruflichen und sozialen Umfeld bleiben können. Alle Maßnahmen werden koordiniert und abgestimmt, so dass Brüche in der Behandlung und der Drehtüreffekt vermieden werden können. Die engmaschige, kontinuierliche Zusammenarbeit mit den Versicherten, deren Angehörigen und ggf. gesetzlichen Betreuern stärkt die Selbsthilfepotentiale der Versicherten und führt zum besseren Umgang mit der Erkrankung. Das Netzwerk kann die psychischen Beeinträchtigungen deutlich reduzieren und auch Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen können wieder lernen, ihren Alltag selbstständig zu meistern und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Standorte des NetzWerks psychische Gesundheit (NWpG) in Hessen

An folgenden Standorten bietet die TK in Hessen gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern Menschen mit psychischen Erkrankungen eine Betreuung im NetzWerk psychische Gesundheit an: Frankfurt am Main, Offenbach am Main, Landkreis Offenbach, Rheingau-Taunus-Kreis, Hochtaunuskreis, Wetteraukreis, Landkreis Groß-Gerau, Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Landkreis Bergstraße, Odenwaldkreis.