Mainz, 15. Juli 2021. Schuppige, trockene Haut und manchmal unerträglicher Juckreiz: An diesen Symptomen leiden vier von 100 Menschen in Rheinland-Pfalz aufgrund einer Neurodermitis-Erkrankung. Insbesondere Kinder sind davon betroffen. Hierzulande betrifft die chronische Erkrankung jeden oder jede 13. Heranwachsende unter 20 Jahren (7,7 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt der Neurodermitisreport, den die Techniker Krankenkasse (TK) gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) herausgegeben hat.

Im Vergleich mit anderen Bundesländern gehört Rheinland-Pfalz zu den Regionen, in denen Neurodermitis mit einer Prävalenz von 3,9 Prozent seltener auftritt. Geringer ist der Anteil nur noch in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein mit 3,8 Prozent. In den östlichen Bundesländern Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen sind hingegen mehr als fünf Prozent der TK-Versicherten an Neurodermitis erkrankt.

Neurodermitis sollte frühzeitig diagnostiziert werden

"Da Neurodermitis eine der häufigsten chronischen Erkrankungen bei Kindern ist und die Lebensqualität stark einschränken kann, sind nicht nur die Erkrankten sehr belastet, sondern auch Eltern und Geschwister", erklärt Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung in Rheinland-Pfalz. "Allerdings gibt es inzwischen gute Behandlungsmöglichkeiten, um die Symptome wenigstens zu lindern. Dafür sollte die Krankheit möglichst frühzeitig diagnostiziert werden."

Trotz aller Sorge sollte man bei der Diagnose Neurodermitis nicht in Panik verfallen. Dermatologin Dr. Yael Adler sagt im Interview auf dem Blog "WirTechniker" : "Man sollte die Neurodermitis eher als eine Veranlagung sehen, die nicht immer zu einer chronischen Krankheit führen muss." Aus ihrer Praxiserfahrung kann sie sagen, dass sich die Symptome häufig mit dem Älterwerden abschwächen.

Frauen leiden häufiger unter Neurodermitis

Unter Jugendlichen ab 15 Jahren und Erwachsenen leiden weibliche Personen häufiger unter Neurodermitis als männliche, wie bundesweite Auswertungen zeigen. So bekamen bei den 15- bis 19-Jährigen 6,3 Prozent der jungen Frauen und 4,8 Prozent der jungen Männer eine Neurodermitis-Diagnose. Bei den über 20-Jährigen sind vier Prozent der Frauen und 2,5 Prozent der Männer betroffen. Nach aktuellem Stand der Wissenschaft sind genetische Faktoren die Ursache dafür.

Jeder Dritte bekommt Kortisonsalbe

Von den TK-Versicherten mit einer Neurodermitis-Diagnose erhielt fast jeder Dritte eine kortisonhaltige Salbe verordnet und in etwa jedem zehnten Fall Kortisontabletten. Wichtig ist bei beiden Medikamenten die richtige Anwendung. Tabletten sollten als Notfallmaßnahme bei einem Erkrankungsschub dienen, wohingegen Salbe etwas länger angewendet werden kann. In milderen Krankheitsphasen können spezielle wirkstofffreie Cremes die Beschwerden lindern und die trockene Haut stärken.

"Für Menschen, die von schweren Neurodermitis-Formen betroffen sind, ist es sehr wichtig, dass gute, neue Medikamente auf den Markt kommen. Allerdings stellen wir auch hier wie bei anderen Arzneimitteln eine Kostenexplosion zu Lasten der Versichertengemeinschaft fest", sagt Jörn Simon. "Meine Erwartungen an die künftige Bundesregierung sind deshalb, dass die bestehenden Regelungen, die im Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) von 2011 festgelegt wurden, angepasst werden."

Corona-Impfung für Menschen mit Neurodermitis empfehlenswert

Menschen mit einer Neurodermitis-Erkrankung haben häufig weitere Unverträglichkeiten und fragen sich möglicherweise, ob eine Impfung gegen das Coronavirus für sie empfehlenswert ist. Aus der ärztlichen Sicht des UKE spricht nichts gegen eine Impfung, wird sogar in den meisten Fällen empfohlen. Patientinnen und Patienten mit bekannten Unverträglichkeiten gegenüber Bestandteilen der Impfstoffe oder schweren allergischen Reaktionen in der Vorgeschichte sollten sich jedoch ausführlich von einem Arzt oder einer Ärztin beraten lassen.

Hinweis für die Redaktionen

Der Neurodermitisreport steht in zwei Versionen zum Download im Portal "Presse & Politik" bereit, einmal in einer Langversion und einmal in einer Kurzversion, die sich insbesondere an interessierte Betroffene richtet. Er enthält auch zahlreiche Tipps zum Umgang mit Neurodermitis. Auf dem Blog "Wir Techniker" gibt es ein Interview mit Prof. Dr. Matthias Augustin vom UKE zum Umgang mit Kortison.