Jeder dritte Hesse hat in den vergangenen drei Jahren mindestens einmal außerhalb der normalen Sprechstundenzeiten die Notaufnahme eines Krankenhauses aufgesucht. In 43 Prozent der Fälle gab es vor Ort Entwarnung. Es waren keine medizinischen Sofortmaßnahmen notwendig; die Patienten hätten genauso gut beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst behandelt werden können. Diese Daten stammen aus einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK).

Für Patienten sind Zuständigkeiten unklar

Für die Pateinten, die medizinische Hilfe außerhalb der üblichen Praxisöffnungszeiten suchen, sind die Zuständigkeiten unklar. Es gibt den ärztlichen Notdienst in Form von Bereitschaftsdienstzentralen, die Notaufnahmen der Kliniken und den Rettungsdienst. Diese drei Sektoren arbeiten parallel und sind kaum miteinander verzahnt. Aus Sicht der TK kann das Problem, dass immer mehr Patienten mit Bagatell-Beschwerden in die Notaufnahmen der Kliniken strömen, nur dann gelöst werden, wenn der ambulante und der stationäre Sektor miteinander kooperieren. Die TK schlägt daher vor, sog. Portalpraxen an allen Kliniken in Hessen einzurichten, die über eine Notaufnahme verfügen. Bei den Portalpraxen handelt es sich nach dem Verständnis der TK um eine zentrale Anlaufstelle, an die sich Patienten in einem Notfall wenden können, um in die richtige Versorgungsstruktur geleitet zu werden. An dieser Portalpraxis kann eine Bereitschaftsdienstzentrale der KV angedockt sein, die außerhalb der vertragsärztlichen Sprechstundenzeiten die medizinische Behandlung der ambulanten Notfallpatienten übernimmt. Die Lage in Hessen ist dafür günstig: Im Rahmen ihrer umfangreichen Bereitschaftsdienstreform hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen bereits vor vier Jahren rund 60 neue Bereitschaftsdienstzentralen (ÄBD) geschaffen, von denen sich etwa 50 an oder in unmittelbarer Nähe zu Kliniken befinden.

Modellprojekt am Klinikum Frankfurt-Höchst

Zu loben ist, dass die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen und das Klinikum Frankfurt-Höchst bereits seit vergangenem Oktober zusammenarbeiten und in einem vom Land finanzierten Modellprojekt ein neues Konzept für die Notfallversorgung ausprobieren: Im Krankenhaus gibt es einen Tresen, der als zentrale Anlaufstelle für Notfallpatienten dient. Speziell geschulte Pflegekräfte ermitteln hier nach einem gemeinsam von niedergelassenen Ärzten und Klinikärzten entwickelten Leitfaden, wo die Notfallpatienten am besten aufgehoben sind: im ambulanten oder stationären Bereich. Die Mitarbeiter leiten die Patienten dann entsprechend weiter. Da die ärztliche Notdienstzentrale, die direkt am Klinikum angesiedelt ist, nicht rund um die Uhr geöffnet ist, werden ambulante Patienten zu den normalen Sprechstundenzeiten an sogenannte Partnerpraxen verwiesen. Diese Praxen haben sich freiwillig bereit erklärt, Patienten auch ohne Termin noch am gleichen Tag zu behandeln. Ist unklar, ob die Patienten ambulant oder stationär am besten aufgehoben sind, stimmen sich die Ärzte von Klinik und ÄBD gemeinsam ab.

Dr. Barbara Voß

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Dr. Barbara Voß

"Es ist zu loben, dass die Kassenärztliche Vereinigung Hessen und das Klinikum Frankfurt-Höchst bereits seit vergangenem Oktober in einem vom Land finanzierten Modellprojekt ein neues Konzept für die Notfallversorgung ausprobieren."

Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen

Für die Zukunft stellt sich die TK allerdings noch eine Ausweitung des Projektes auf den Rettungsdienst vor: "Wir würden uns zusätzlich zur gemeinsamen Notfall-Anlaufstelle noch eine gemeinsame Leitstelle für die Rufnummern des Notrufs 112 und des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116 117 wünschen. Hier könnte geschultes, nicht-ärztliches Personal bereits am Telefon vorfühlen, ob ein Notfallpatient tatsächlich ein Fall für die Notaufnahme ist. Gegebenenfalls müsste dann erst gar kein Rettungswagen ausrücken. Eine Auswertung des Deutschen Roten Kreuzes ergab erst kürzlich, dass nur rund 22 Prozent der Notfalleinsätze mit Blaulicht echte Notfälle sind.