Rund 22.000 Haus- und Fachärzt:innen und Psychotherapeut:innen sorgen in Baden-Württemberg für eine herausragende ambulante Versorgung. Neun von zehn ärztlichen Behandlungen finden in ambulanten Praxen statt.

Faktoren für einen Strukturwandel in der ambulanten Versorgung

Viele Medizinerinnen und Mediziner scheiden in den kommenden Jahren aus Altersgründen aus. In ländlichen Regionen wird das zu Engpässen führen, denn der Nachwuchs zieht es vor in urbanen Regionen zu praktizieren. Auch sind die Nachwuchsmedizinerinnen und -mediziner nur noch bedingt bereit, wirtschaftliche Verantwortung zu übernehmen und wählen daher eher eine Tätigkeit in Anstellung.

Die ambulante Versorgung wird  sich durch die Digitalisierung grundlegend verändern. Fernbehandlung per Telefon, Video oder Chat ist für alle Patientinnen und Patienten im Land möglich. Der bürokratische Aufwand wird sich in der Arztpraxis perspektivisch durch vollständig digitalisierte Prozessabläufe reduzieren. Dabei wird auch die elektronische Patientenakte den Informationsaustausch beschleunigen und in Kürze schlicht verbessern.

Auf dem Weg in eine neue medizinische Versorgungswelt

Den Patientinnen und Patienten werden in Zukunft durch den Betrieb von Zweigpraxen, die Ausweitung der Telemedizin, die Delegation von bestimmten Tätigkeiten und die Etablierung innovativer Nachnutzungskonzepte nach einer Krankenhausschließung neue Versorgungsmodelle zur Verfügung stehen.

Oft entsteht der Eindruck, dass bei Krankenhausschließungen in ländlichen Regionen die medizinische
Grund- und Notfallversorgung zukünftig gefährdet sei. Die vielfältigen Optionen der Regelversorgung ermöglichen es jedoch bei gutem Zusammenwirken aller Beteiligten, ein attraktives, niederschwelliges, individuell ausgestaltetes Angebot für alle Menschen in diesen Regionen entstehen zu lassen.

Vorschläge der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg:

Baden-Württemberg wird auch im ambulanten Bereich das Land mit der umfassendsten digitalen Durchdringung im Gesundheitswesen. Die Landesregierung macht in einer konzertierten Aktion gemeinsam mit Krankenkassen und Kassenärztlicher Vereinigung in Baden-Württemberg Telemedizin zum fest etablierten, flächendeckenden Bestandteil des Versorgungsalltags. Mögliche konkrete Schritte dazu sind:

  • Für den ambulanten Bereich werden telemedizinische "Versorgungspakte" gebildet: Ärztinnen und Ärzte in (nach Bedarfsplanung) überversorgten Regionen werden telemedizinisch in solchen Regionen tätig, denen eine Unterversorgung droht oder eine solche bereits eingetreten ist. Für diese "Versorgungspakte" gelten besondere Regeln: Finanzielle Risiken beteiligter Ärzt:innen werden begrenzt, die Zusammenarbeit wird definiert und das zusätzliche Versorgungsangebot in den davon profitierenden Bereichen gezielt öffentlich beworben. Die Möglichkeiten des Telemonitorings für chronisch kranke Patientinnen und Patienten wird in die "Versorgungspakte" einbezogen.
  • In Modellversuchen fördert das Land im engen Zusammenwirken mit der Landesärztekammer die Erprobung deutlich ausgeweiteter Möglichkeiten der Delegation ärztlicher Leistungen an eigens dafür qualifizierte Medizinische Fachangestellte und andere geeignete Gesundheitsberufe. Auch dabei werden die Optionen einer telemedizinischen Anbindung einbezogen. Ärztinnen und Ärzte werden dadurch zugunsten einer intensiven Arzt-Patienten-Beziehung entlastet.
  • Die Landesregierung stellt sich an die Spitze der Diskussion auf Bundesebene zur Schaffung neuer Rechtsgrundlagen für einen neuen integrierten Versorgungsbereich in unterversorgten Gebieten. Dort sollte die Versorgung künftig für den ambulanten und stationären Bereich einheitlich sektorenübergreifend organisiert werden. In einem Intersektoralen Versorgungszentrum werden ambulante und stationäre Angebote sowie solche der Notfall- und Akutversorgung gebündelt.
  • Solange eine solche bundesgesetzliche Rechtsgrundlage nicht besteht, initiiert die Landesregierung im Rahmen ihrer moderierenden Rolle, passgenaue Antworten auf regionale Versorgungssituationen mit Hilfe der zahlreichen Optionen des Kollektivsystems zu finden. In diesem Zusammenhang bringen Selektivverträge meist keine Lösung, denn Defizite der kollektiven Versorgung können nicht mit Hilfe von Verträgen nur für eine bestimmte Gruppe behoben werden.
Position der TK Baden-Württemberg - ambulante Versorgung (PDF, 274 kB, nicht barrierefrei)