Derzeit steigt die Lust bei den Medizinstudenten, sich als Hausarzt niederzulassen, wieder an. Einer aktuellen Umfrage des Hartmannbundes und der TK zufolge finden 49 Prozent der Befragten den Hausarztberuf interessant und könnten sich nach der Weiterbildung eine Tätigkeit als Hausärztin bzw. Hausarzt vorstellen. Nur bei 31 Prozent kommt dies nicht in Frage.

Aus Sicht der TK ist diese Entwicklung sehr erfreulich. Denn der Hausarzt ist die zentrale Stelle in unserem Gesundheitswesen. Deshalb unterstützt die TK die Hausarztzentrierte Versorgung in Baden-Württemberg. Die beruflichen Perspektiven für angehende Hausärzte sind gut: Von 103 Versorgungsregionen (Mittelbereiche) in Baden-Württemberg sind 76 für Hausärzte geöffnet (Stand Februar 2018). Bei den Fachärzten sieht das ganz anders aus.

Andreas Vogt

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Andreas Vogt, Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

"Eine angemessene Vergütung für Hausärzte muss gewährleistet sein. Deshalb vereinbaren die TK, die Kassenärztliche Vereinigung (KV) und der Hausärzteverband faire Verträge. Gemeinsam mit allen Partnern müssen die Rahmenbedingungen stetig verändert werden: weniger Bürokratie, ein transparenteres Vergütungssystem, Arbeitszeiten die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich machen."

Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Deshalb hat die TK beispielsweise die KV bei der Reform des organisierten Notfalldienstes unterstützt. Durch die Reform hat sich die Dienstfrequenz der meisten Ärzte/innen deutlich reduziert und macht den ärztlichen Notdienst auch im ländlichen Raum zukunftsfähig. 

Das Geld und die Arbeitsbelastung sind jedoch nicht die einzigen Hinderungsgründe. Viele junge Familien scheuen die ländlichen Regionen, weil es an attraktiven Lebensbedingungen fehlt: moderne Kindergärten, gute Schulen, Kultur- und Freizeitangebote. Hier sind vor allem die Gemeinden und die Landkreise gefordert.

Chancen der Digitalisierung nutzen

Die TK fordert außerdem die Elektronische Gesundheitsakte als verpflichtende Kassenleistung mit Anbindung zur Telematikinfrastruktur einzuführen. Die Telemedizin ist durch gesetzliche Klarstellung zu sinnvollen Ausnahmetatbeständen für Zulässigkeit medizinischer Fernbehandlungen auszubauen. 

Weiterhin fordert die TK eine Stärkung der sprechenden Medizin und Entlastung der Ärzte durch einen Bürokratieabbau und Digitalisierung, Vergütungsanreize für arztentlastende Leistungserbringung durch regionale Zuschläge. Unterversorgte Gebiete sollen mit einer Niederlassungsförderung durch eine begrenzte Einzelleistungsvergütung, einhergehend mit Aussetzung Honorar und Bereinigung besser versorgt werden.

Wertschätzung für den Hausarzt

In der Wertschätzung der Bevölkerung liegen die Hausärzte schon jetzt ganz vorn. Bei einer Forsa-Umfrage im Auftrag der TK nannten 69 Prozent der Befragten im Südwesten den Hausarzt als ihren Interessenvertreter im Gesundheitswesen - in keinem anderen Bundesland haben die Hausärzte einen höheren Wert erhalten.

In Baden-Württemberg sind über 7.000 Hausärzte tätig. Der Altersdurchschnitt liegt bei annähernd 56 Jahren. Rund 35 Prozent der Hausärzte in Baden-Württemberg sind älter als 60 Jahre und werden in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. (Stand: Januar 2017)

Nachwuchs umwerben - Maßnahmen bündeln

Ein vom Hausärzteverband Baden-Württemberg und der TK produzierter Film macht klar: Kein Arzt hat eine so vielfältige und abwechslungsreiche Tätigkeit wie der Hausarzt. Das bestätigen auch die Eindrücke auf der TK-HausarztTour, die seit 2014 für Medizinstudierende durchgeführt wird. Die Hausarzt-Tour verfolgt das Ziel, bei Medizinstudentinnen und Medizinstudenten Interesse für das Thema Allgemeinmedizin bzw. für eine hausärztliche Tätigkeit zu wecken. 

Um die Niederlassung in der ambulanten Medizin konzentriert fördern zu können, sollten alle geplanten und bestehenden Maßnahmen in Baden-Württemberg in einer "Agenda ambulante Medizin 2030" gebündelt und synchronisiert werden. Dabei sollte neben der aktuellen Situation im hausärztlichen Bereich auch die ambulante fachärztliche Versorgung in diese Überlegungen mit einbezogen werden.

Die Entwicklung einer solchen "Agenda ambulante Medizin 2030" könnten das Land und die Kassenärztliche Vereinigung gemeinsam übernehmen, die Koordinierung könnte im Sektorenübergreifenden Landesausschuss stattfinden.