Saarbrücken, 6. März 2020. Der Saarländische Hausärzteverband, die Hausärztliche Vertragsgemeinschaft AG (HÄVG) und die Techniker Krankenkasse (TK) haben sich auch im Saarland auf eine Weiterentwicklung ihres Vertrages "Hausarztzentrierte Versorgung" (HZV) geeinigt. Er gilt seit 1. Januar 2020 und legt einen Schwerpunkt auf digitale Innovationen.

"Mit diesem Vertrag stärken wir auch weiterhin die Versorgung durch die saarländischen Hausärztinnen und -ärzte. Mit dem darin festgeschriebenen Innovationszuschlag unterstützen wir diese beim Aufbau einer zukunftsfähigen Praxis im Zeitalter der Digitalisierung", erklärt Stefan Groh, Leiter der TK-Landesvertretung Saarland.

Warum die HZV wichtig ist, erklärt Dr. Michael Kulas, 1. Vorsitzender des Saarländischen Hausärzteverbandes: "Hier stehen der Patient und sein Hausarzt im Mittelpunkt der Versorgung. Dabei werden alle grundlegenden diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten koordiniert und für eine patientenorientierte Behandlung eingesetzt."

Digitalisierung vor Ort wird per Innovationszuschlag gestärkt

Weil Versorgungsabläufe häufig in der Hausarztpraxis beginnen, macht sie das zum wichtigen Ausgangspunkt für eine digitale Gesundheitsversorgung. Der HZV-Vertrag unterstützt Hausärztinnen und Hausärzte dabei, sich an die Telematikinfrastruktur (TI) anzuschließen und fördert dadurch die digitale, standardisierte Vernetzung im Gesundheitswesen. So sieht der HZV-Vertrag einen Innovationszuschlag vor, wenn eine Hausarztpraxis über mindestens drei von sechs digitalen Infrastrukturangeboten verfügt. Dazu zählen Online-Terminbuchungen, Videosprechstunden, die Nutzung eines eHeilberufsausweises sowie Dienste zur digitalen Arztvernetzung und der Anschluss an die TI. 

Vertrag honoriert Arztentlastung und Mehraufwand für chronisch Erkrankte

Für Hausärztinnen und Hausärzte ist die Betreuung chronisch erkrankter Menschen oft besonders aufwändig und zeitintensiv. Dem trägt der HZV-Vertrag durch eine Pauschale für besondere Betreuungsleistungen Rechnung - ebenso durch Regelungen zur Arztentlastung. Wird ein entsprechender Mehraufwand bei chronisch Erkrankten geleistet, erhalten Hausärzte eine Pauschale - unabhängig von einer gestellten ICD-Diagnose. 

Arztentlastung durch Telemedizin 

Zwischen Hausbesuchen, Sprechstunde und Personalführung bleibt niedergelassenen Ärzten im Praxisalltag oft zu wenig Zeit für ihre Patienten. Um sie zu entlasten, vergütet der HZV-Vertrag Delegationsleistungen: So sieht er eine Pauschale vor, wenn Versorgungsassistenten in der Hausarztpraxis (VERAH®) Hausärztinnen und Hausärzten bestimmte Aufgaben durch digitale Unterstützung abnehmen. Dazu gehören etwa Hausbesuche mit einem speziellen, telemedizinisch ausgestatteten Rucksack. Damit können bestimmte Messwerte in die Praxis übertragen und der Arzt bei Bedarf per Video in die Wohnung des Patienten zugeschaltet werden. 

Sprechende Medizin wird unterstützt

Für Menschen, die an Depressionen erkrankt sind, ist eine weitere Besonderheit vorgesehen. So kann nun flächendeckend das Depressions-Modul von Arriba® eingesetzt werden. Mit diesem wird die sprechende Medizin unterstützt, also das Arzt-Patienten-Gespräch: Nach dem Prinzip des "shared decision making", der gemeinsamen Entscheidungsfindung, beraten Hausärztinnen und Hausärzte und ihre Patienten, unter Nutzung einer speziellen Software, gemeinsam über erste Therapieschritte. 

Durch die selektiv und ohne hohen Aufwand gestalteten Vertragsinhalte ist es nicht nur möglich, die Hausarztzentrierte Versorgung als freiwilliges Primärarztsystem zu sichern, sondern sie mit dem Ziel einer verbesserten Patientenversorgung auch innovativ und bedarfsgerecht weiterzuentwickeln.