Stuttgart, 4. Oktober 2021. Trotz Digitalisierungsschub durch die Corona-Pandemie sind die Möglichkeiten der Telemedizin nach Einschätzung der Techniker Krankenkasse (TK) noch längst nicht ausgeschöpft. "Auf dem Weg in eine neue medizinische Versorgungswelt stehen wir erst ganz am Anfang", sagt Nadia Mussa, Leiterin der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg, vor dem Start der TK-DocTour 2021 am kommenden Dienstag.  

Jeder fünfte Hausarzt ist über 65

Die gemeinsamen Bemühungen von Krankenkassen und Kassenärztlicher Vereinigung (KVBW), den ambulanten Sektor wieder attraktiver für junge Ärztinnen und Ärzte zu machen, sind durchaus erfolgreich. Da derzeit jedoch rund 1.400 von 7.000 Hausärztinnen und Hausärzten in Baden-Württemberg über 65 Jahre alt sind und bald in den Ruhestand gehen, sind weitere Maßnahmen erforderlich, um die ambulante Versorgung im ländlichen Raum dauerhaft zu sichern. Dazu zählen laut TK mehr Möglichkeiten für Praxen, ärztliche Leistungen an eigens dafür qualifizierte Medizinische Fachangestellte delegieren zu können oder die Bildung von Versorgungszentren, in denen ambulante und stationäre Angebote gebündelt werden.

Telemedizin gezielt in unterversorgten Gebieten einsetzen

Die TK-Landesvertretung schlägt darüber hinaus vor, telemedizinische Versorgungspakte zu bilden: Ärztinnen und Ärzte in überversorgten Gebieten werden telemedizinisch in solchen Regionen tätig, in denen eine Unterversorgung droht oder bereits eingetreten ist. "Für diese Versorgungspakte sollten die KVBW, die Krankenkassen sowie die Praxen vor Ort gemeinsam besondere Regeln entwickeln", so Nadia Mussa. Für die beteiligten Ärztinnen und Ärzte müssen die finanziellen Risiken begrenzt und die Zusammenarbeit klar definiert werden. Und es muss klar sein, wer das zusätzliche Versorgungsangebot in den betroffenen Gebieten bekannt macht. 

Elektronische Patientenakte nimmt Schlüsselrolle ein

"Mit der für ganz Deutschland wegweisenden Öffnung der ärztlichen Berufsordnung für die Telemedizin und dem Angebot docdirekt war Baden-Württemberg bereits digitale Avantgarde. Nun können wir diese Geschichte fortschreiben", betont Nadia Mussa. Eine Schlüsselrolle spielt dabei ihrer Meinung nach die elektronische Patientenakte (ePA). Darin können Patientinnen und Patienten ihre medizinischen Daten erfassen und mit Ärztinnen und Ärzten teilen. Die Informationen sind so digital verfügbar, egal wann und wo sie gebraucht werden. 

Medizinstudierende aus ganz Deutschland virtuell unterwegs auf der TK-DocTour

Die Möglichkeiten der ePA sind deshalb auch ein Programmpunkt der diesjährigen TK-DocTour, die bereits zum achten Mal durchgeführt wird - aufgrund der Corona-Pandemie zum zweiten Mal virtuell und in Kooperation mit der Ärzte Zeitung. Auf dem Programm für 25 Medizinstudierende aus ganz Deutschland stehen vom 5. bis zum 7. Oktober zudem Informationen der KVBW zu Praxisgründung und Weiterbildung, virtuelle Praxisbesuche bei erfahrenen niedergelassenen Ärzten mit anschließender Diskussion sowie ein gesundheitspolitischer Meinungsaustausch mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Florian Wahl.