Stuttgart, 9. September 2019. Stürze werden für Senioren in Baden-Württemberg zunehmend zur tödlichen Bedrohung. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) sind im Jahr 2017 im Südwesten 2.030 Menschen über 65 durch Stürze zu Tode gekommen - im Vergleich zu 2012 ein Anstieg um rund 52 Prozent. Damals haben sich 1.332 Menschen in dieser Altersgruppe durch einen Sturz tödliche Verletzungen zugezogen. Die Gesamtzahl der Menschen über 65 ist in diesem Zeitraum um rund sieben Prozent gestiegen. Die TK bezieht sich auf Angaben des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg.

Viele Risikofaktoren erhöhen Sturzgefahr

"Mit zunehmendem Alter erhöht sich die Sturzgefahr immens. Muskelmasse und Knochendichte nehmen ab, die Sehfähigkeit verschlechtert sich. Hinzu kommen oft mehrere Erkrankungen, die in Kombination mit der Einnahme der dagegen verordneten Medikamenten das Sturzrisiko deutlich vergrößern können", sagt Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg.

Ein Sturz führt schnell zu weiteren Stürzen

Viele Senioren wohnen auch in hohem Alter allein in den eigenen vier Wänden, was die Chance auf schnelle Hilfe reduziert. Nach einem Sturz verzichten sie oft aus Angst auf körperliche Aktivitäten. "Dadurch gehen Muskulatur und Gleichgewichtssinn weiter verloren - ein Teufelskreis", so Vogt.

"Sicher-Zuhause-Programm" von Philips und TK

Die TK ist bestrebt, das Sturzrisiko zu verringern. Zusammen mit Philips wird derzeit getestet, ob mit Hilfe des "Sicher-Zuhause-Programms" Krankenhauseinweisungen als Folge von Stürzen vermieden werden können. Dabei handelt es sich um ein mit Sensortechnik ausgestattetes Hausnotrufsystem, das im Notfall Hilfe verständigt.

Bei erhöhtem Risikowert meldet sich Gesundheitsberater

Zudem werden die Sensordaten mit Informationen zu Vorerkrankungen und verordneten Medikamenten verknüpft. Ein selbstlernendes System ermittelt auf dieser Basis eine Risiko-Prognose. Alle Informationen laufen bei einem Gesundheitsberater zusammen, der sich bei den Teilnehmern des Programms meldet, sobald ein erhöhter Risikowert festgestellt wird.

Smart-Home-Lösungen sollten von Pflegeversicherung übernommen werden

"Solche Smart-Home-Lösungen bieten die Chance für alleinstehende Pflegebedürftige, möglichst lange und sicher in den eigenen vier Wänden leben zu können. Bei erwiesener Qualität sollten solche Angebote ähnliche wie bauliche Maßnahmen zur Sturzvermeidung in den Leistungskatalog der Pflegeversicherung aufgenommen werden", fordert der Leiter der TK-Landesvertretung.

Hinweis an die Redaktion:

Auch mit Pflegebedarf wollen 83 Prozent der Menschen in Baden-Württemberg im eigenen Haushalt wohnen. Dies hat eine Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2018 zum TK-Meinungspuls Pflege 2018 gezeigt.

Einer Studie zufolge stürzt fast jeder zehnte Pflegebedürftige innerhalb eines Zeitraums von zwei Wochen. Ab einem Alter von 60 Jahren machen Stürze sogar über die Hälfte der unfallbedingten Verletzungen aus (A. Rommel, J. Kottner, R. Suhr, N. Lahmann: Häufigkeit von Stürzen unter Klienten ambulanter Pflegedienste in Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie 1, 2019)