TK: Herr Dr. Noack, der Anstieg der Neuinfektionen mit dem Corona-Virus ist besorgniserregend. Wie schätzen Sie die Versorgungslage ein?

Dr. Peter Noack: Sehr angespannt. In etlichen Regionen Brandenburgs arbeiten viele Kolleginnen und Kollegen bereits am Limit - und das schon seit Wochen. Dabei geht es nicht nur um die Betreuung der Corona-Patientinnen und -Patienten, sondern natürlich auch ums Testen und Impfen. Die ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte sind das Rückgrat der Brandenburger Impfkampagne, und diese muss wieder an Fahrt aufnehmen. Dafür sind alle Kolleginnen und Kollegen gefordert. 

Die ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte sind das Rückgrat der Brandenburger Impfkampagne Dr. Peter Noack, Vorstandsvorsitzender KVBB

Hinzu kommt der reguläre Praxisalltag: die Versorgung der chronisch kranken Menschen, die saisonal bedingten Erkältungskrankheiten, die Vorsorgeuntersuchungen, Hausbesuche. Ich habe den Eindruck, das vergessen viele gern, wenn sich neue Corona-Regeln und -Verordnungen mal wieder überschlagen. 

TK: Welche Erwartungen haben Sie an die neue Bundesregierung?

Dr. Noack: Unsere wohnortnahe ambulante Versorgung ist ein hohes Gut, das zeigt nicht zuletzt die Corona-Pandemie. Deshalb müssen die Rahmenbedingungen stimmen, damit die ambulante Tätigkeit - insbesondere auch in ländlichen Regionen - eine attraktive Option für junge Kolleginnen und Kollegen ist. Dazu gehört eine sachgerechte Finanzierung aller ärztlichen Tätigkeiten und der konsequente Abbau von Bürokratie. 
Zudem muss der zunehmenden Ambulantisierung Rechnung getragen werden. Wir brauchen Möglichkeiten, um erfolgreiche sektorenübergreifende Projekte, wie unser Ambulant-Stationäres Zentrum in Templin, problemlos in die Regelversorgung zu übernehmen und zu finanzieren.

Dr. Peter Noack

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Vorsitzender des Vorstands der KVBB

TK: Die Reform der Notfallversorgung steht aus. Welche Forderungen haben Sie?

Dr. Noack: Ziel muss es sein, Notfall-Patienteninnen und -Patienten je nach medizinischer Notwendigkeit in der passenden Versorgungsebene zu behandeln. Dafür müssen der ambulante Bereitschaftsdienst, die stationäre Notfallversorgung und der Rettungsdienst noch besser verzahnt werden. In Brandenburg betreiben wir beispielsweise in Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern 18 Bereitschaftspraxen. 

Auch die Bereitschaftsdienstnummer 116117 und der Notruf 112 müssen bundesweit besser vernetzt werden. Das haben wir in Brandenburg bereits realisiert. Die 116117 hat eine digitale Schnittstelle mit allen fünf Leitstellen im Land zur direkten Fallübergabe. 

TK: Das erste MVZ in kommunaler Trägerschaft ging kürzlich in Brandenburg an den Start. Welche Rolle werden diese künftig bei der Versorgung spielen?

Dr. Noack: Um die ambulante Versorgung künftig sicherzustellen, braucht es, insbesondere auch in ländlichen Regionen, auch das Engagement der Kommunen. Kommunale MVZ können daher in Gebieten mit akuten Engpässen eine gute Ergänzung der Versorgung - am besten immer in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung- sein. 

Zur Person

MUDr./ČS Peter Noack ist seit Ende 2016 Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB). Vorstandsmitglied der KVBB ist der niedergelassene Chirurg aus Cottbus bereits seit 1995. Er ist zudem stellvertretendes Mitglied im Erweiterten Bewertungsausschuss sowie Kuratoriumsmitglied des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), dem führenden Forschungsinstitut für die ärztliche Versorgung in Deutschland.