Stuttgart, 2. Februar 2021. Während der ersten Coronawelle gab es in Baden-Württemberg weniger Früherkennungsuntersuchungen auf Gebärmutterhalskrebs: Nach einer Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) nahmen im ersten Halbjahr 2020 rund 25 Prozent der anspruchsberechtigten TK-versicherten Frauen einen Früherkennungstermin wahr - etwa ein Fünftel weniger als im ersten Halbjahr 2019 (31 Prozent).

Nachholeffekt möglich

"Vorstellbar ist natürlich, dass Kontrolltermine bei der Frauenärztin auf die Zeit nach der ersten Pandemiewelle verschoben wurden", erläutert Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung in Stuttgart. Zahlen dazu lägen erst im Frühsommer vor. Im Gesamtjahr 2019 hätten rund 56 Prozent der Anspruchsberechtigten die Früherkennungsuntersuchung wahrgenommen. "Hier sehen wir grundsätzlich noch viel Luft nach oben. Denn je früher eine Krebserkrankung erkannt wird, desto besser sind die Chancen auf Heilung", betont Vogt. 

Neues Screening-Programm läuft

Zum 1. Januar 2020 hat der Gesetzgeber die regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen auf Gebärmutterhalskrebs neu geregelt und ein organisiertes Screening-Programm ins Leben gerufen. Danach bleibt es für Frauen zwischen 20 und 34 Jahren wie bisher beim jährlichen Screening mittels eines sogenannten Pap-Tests. Frauen ab 35 wird der Pap-Test nicht mehr jährlich, sondern alle drei Jahre angeboten - dann aber zusätzlich kombiniert mit einer Untersuchung auf bestimmte Viren (HPV-Test). Für beide Tests wird ein Abstrich vom Gebärmutterhals entnommen und im Labor untersucht.

Krankenkassen informieren Berechtigte

Die Kombination von Pap- und HPV-Test für Frauen ab 35 Jahren sorgt laut Experten für zuverlässigere Untersuchungsergebnisse und reduziert durch das neue Dreijahresintervall den Aufwand für Arztbesuche. Frauen zwischen 20 und 65 Jahren erhalten jetzt außerdem regelmäßig Post von ihrer Krankenkasse - und zwar im Fünfjahresrhythmus. "Diese persönliche Einladung kombiniert mit Informationen zur Krebsfrüherkennungsuntersuchung sollte die Inanspruchnahme künftig erhöhen", so die Einschätzung von TK-Leiter Vogt.

Krebs entwickelt sich langsam

Bundesweit erkranken jährlich etwa 4500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Hauptursache sind sexuell über­tragene humane Papillom­viren (HPV). Infektionen mit diesen Viren können zu Zellveränderungen und letztlich bösartigen Tumoren führen. Die Zellveränderungen finden meist über Jahre statt und entwickeln sich häufig über Krebsvorstufen. Die Vorstufen treten im Durchschnitt im Alter von 34 Jahren auf, Gebärmutterhalskrebs im Durchschnitt mit 55 Jahren. Die TK bezieht sich dabei auf Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft.

Entscheidungshilfe Krebsfrüherkennung