Frankfurt am Main, 18. Oktober 2019. Am kommenden Dienstag, 22. Oktober, ist Welttag des Stotterns. Zu diesem Anlass unterstützt die Techniker Krankenkasse (TK) im Rahmen ihrer Selbsthilfeförderung eine Kampagne der Bundesvereinigung Stottern und Selbsthilfe. Ab dem kommenden Sonntag werden auf den Videowänden in sechs hessischen Bahnhöfen in Darmstadt, Frankfurt am Main, Fulda, Gießen, Hanau und Kassel Werbespots gesendet, in denen stotternde Menschen mit der Botschaft „Ich sag’s auf meine Weise“ für Verständnis und Akzeptanz werben. Bundesweit werden die Videos an mehr als 200 Bahnhöfen gezeigt. 

Männer häufiger betroffen

Rund 800.000 Menschen in Deutschland stottern, darunter etwa 60.000 Menschen in Hessen. Männer sind fünfmal so häufig betroffen wie Frauen. Blockaden, Wiederholungen oder Dehnungen unterbrechen ihren Redefluss auffällig. "Der Stotternde weiß genau, was er sagen möchte, kann es jedoch nicht störungsfrei herausbringen. Viele Betroffene empfinden daher schon alltägliche Situationen als sehr belastend“, sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der Landesvertretung der TK in Hessen. 

Kasseler Stottertherapie hilft Kindern

Rund fünf Prozent aller Kinder entwickeln die Redeflussstörung bis zum sechsten Lebensjahr. In der Regel kann die neurologische Schwäche jenseits des Vorschulalters nicht mehr geheilt, aber durch Übungsverfahren kompensiert werden. Kindern mit Sprechstörungen hilft die Kasseler Stottertherapie ab dem kommenden Jahr mit ihrem "Frankini“-Projekt. Damit weitet das Institut seine Onlinetherapie, die sich für Jugendliche und Erwachsene ab 13 Jahren bereits bewährt hat, auf die Altersgruppe der Drei- bis Sechsjährigen aus. Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration fördert das Projekt mit insgesamt rund 490.000 Euro im Rahmen seiner E-Health-Initiative. In den kommenden beiden Jahren übernimmt die TK bundesweit die Kosten für die Betreuung der Kinder im "Frankini"-Projekt. Weitere interessierte Krankenkassen können sich ebenfalls beteiligen.

Onlinetherapie ist erfolgreich

Daten einer Studie, die die TK gemeinsam mit dem Institut der Kasseler Stottertherapie durchgeführt hat, zeigen, dass die Onlinetherapie die Symptome des Stotterns genauso signifikant reduziert wie die vergleichbare Präsenztherapie. Der Erfolg der Onlinetherapie zeigt aus Sicht der TK in Hessen, dass telemedizinische Anwendungen einen wertvollen Beitrag in der Patientenversorgung leisten können. Im Rahmen der Kasseler Stottertherapie normalisiert sich neben dem Sprechen selbst zudem auch die Einstellung der Patienten zum Sprechen deutlich. Ängste vor dem Sprechen und schwierigen Situationen werden geringer und die Betroffenen haben wieder mehr Freude, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. 75 Prozent der Versicherten können langfristig ihr flüssigeres Sprechen aufrechterhalten. 

Die Kasseler Stottertherapie bietet ihren ersten Kurs für drei bis sechsjährige Kinder Anfang des Jahres 2020 an. Interessierte Eltern können ihre Kinder ab sofort am Institut der Kasseler Stottertherapie in Bad Emstal dafür anmelden. Für Versicherte ab 13 Jahren finden am 9. November und 14. Dezember die nächsten Diagnostik- und Informationstage der Kasseler Stottertherapie statt. Die Kosten für die Stottertherapie werden von der TK übernommen.

Hintergrund

Der Welttag des Stotterns wird seit 1998 jeweils am 22. Oktober begangen. Im Jahr 2019 lautet das internationale Motto des Welttags "Growth Through Speaking“. Die Bundesvereinigung Stottern und Selbsthilfe e.V. wirbt in diesem Jahr mit der Botschaft "Ich sag’s auf meine Weise“ für Verständnis und Akzeptanz und appelliert an das gesunde Selbstvertrauen stotternder Menschen. Dazu zeigt die Vereinigung auf 1.500 Videowänden an mehr als 200 deutschen Bahnhöfen bundesweit kurze Videos, mit denen sie insgesamt 1,5 Millionen Menschen erreichen will. Die TK unterstützt die Kampagne im Rahmen ihrer Selbsthilfeförderung. Weitere Informationen zur Kampagne gibt es unter www.bvss.de