TK: Sie sind seit nunmehr rund sieben Monaten Präsident der Landeszahnärztekammer. Welche Ziele haben Sie sich für Ihre Amtsperiode vorgenommen?

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Dr. Wilfried Woop

Dr. Wilfried Woop: Die Aufgaben einer Landeszahnärztekammer, einer Körperschaft des öffentlichen Rechts, sind sehr vielfältig und es kommen immer neue dazu. Diesen Aufgaben gerecht zu werden, die Landeszahnärztekammer dabei nach innen und nach außen weiter zu entwickeln, sind meine Ziele.

Ich weiß um die Bedeutung unserer Arbeit für meine Kollegen, aber vor allem auch für unsere Bevölkerung. Beiden gerecht zu werden und dabei vorhandenes Vertrauen zu rechtfertigen und neues Vertrauen zu gewinnen, das treibt mich an.

TK: Seit vielen Jahren engagieren Sie sich im Bereich der Jugendzahnpflege. Wie steht es um die Zahngesundheit der Jüngsten im Land?

Woop: Die Anstrengungen, die wir in Rheinland-Pfalz seit mehr als drei Jahrzehnten - ich selbst war 30 Jahre lang Vorsitzender unserer örtlichen Arbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege - für die Mundgesundheit unserer Kinder unternehmen, haben sich wirklich gelohnt.

Wie die Ergebnisse der im letzten Jahr veröffentlichten, bundesweiten fünften Mundgesundheitsstudie eindrucksvoll belegen, hat die Mundgesundheit unserer Jüngsten ein - auch im internationalen Vergleich - sehr hohes Niveau erreicht. So weisen heute acht von zehn 12-jährigen Kindern ein kariesfreies Gebiss auf. Die Zahl der kariesfreien Gebisse in dieser Altersgruppe hat sich in dem Zeitraum von 1997 bis 2014 damit verdoppelt.

Gleichzeitig können wir aber auch beobachten, dass eine zahlenmäßig relativ kleine Gruppe von Kindern, die in aller Regel einer sozial schwachen Schicht entstammen, einen sehr hohen Kariesbefall aufweist. Unsere künftigen Maßnahmen sollten daher zielgruppenorientiert diese Kinder im Blick haben. Auch bei den Flüchtlingskindern sehe ich, was unsere gemeinsamen Bemühungen um die Zahngesundheit von Kindern und Jugendlichen angeht, noch einen großen Handlungsbedarf.

TK: Zahnvorsorge sollte nicht nur in jungen Jahren eine wichtige Rolle spielen. Wie ist es um die zahnärztliche Versorgung älterer Menschen mit Pflegebedarf bestellt?

Woop: Grundsätzlich ist zu sagen, dass heute sehr viel mehr betagte und hochbetagte Menschen noch über eigene Zähne verfügen als wir dies früher gesehen haben. War 1997 immerhin jeder vierte 65- bis 74-Jährige komplett zahnlos, ist es heute nur noch jeder achte. Im Durchschnitt verfügt diese Altersgruppe heute über fünf eigene Zähne mehr als noch vor knapp 20 Jahren.

Länger eigene Zähne zu besitzen bedeutet aber auch ein erhöhtes Erkrankungsrisiko, so beobachten wir bei älteren und alten Menschen mit noch eigenen Zähnen eine deutliche Zunahme an Wurzelkaries und Parodontitis.

Sehr häufig verfügt diese Altersgruppen auch über festsitzenden oder kombiniert festsitzend-herausnehmbaren Zahnersatz mit besonderen Anforderungen an die häusliche Mundhygiene.

Was ältere Menschen mit Pflegebedarf angeht, ist zu sagen, dass etwa ein Drittel dieses Personenkreises nicht mehr selbst in der Lage ist, ihre Zähne und Zahnprothesen eigenständig zu pflegen und zu reinigen. Mit dem zunehmenden Pflegebedarf, den wir alle gemeinsam beobachten können, wird dieser Anteil weiter ansteigen und zwar ganz unabhängig davon, wo diese Pflege stattfindet, ob in stationären Pflegeeinrichtungen oder im häuslichen Umfeld.

TK: Werfen wir einen Blick in die Zukunft. Wie sieht der Arbeitsalltag in einer Zahnarztpraxis in zehn Jahren aus?

Woop: Wie in fast ausnahmslos allen Lebensbereichen wird die Digitalisierung auch den Arbeitsalltag in einer Zahnarztpraxis verändern und zwar auf ganz vielfältige Weise. Wir stehen in diesem Punkt am Anfang einer Entwicklung von der ich heute nicht zu sagen wage, wo sie einmal hinführen könnte. Klar ist aber auch, dass wir als Zahnärzte in einem besonderen Vertrauensverhältnis zu unseren Patienten stehen und schon aus diesem Grund das Thema Datensicherheit immer eine ganz herausragende Rolle spielen muss und spielen wird.

Abgesehen davon, werden wir vermehrt neuen Praxisformen begegnen, aber auch die vom Inhaber geführte Einzelpraxis wird schon allein aus Gründen der Versorgungssicherheit unverzichtbar bleiben.

Auch in zehn Jahren - und noch sehr viel länger - wird die Arzt-Patienten-Beziehung, wird das besondere Vertrauensverhältnis zwischen real existierenden Menschen den Arbeitsalltag in Zahnarztpraxen bestimmen. Der digitale Fortschritt kann dabei immer nur Begleiter, darf niemals Selbstzweck sein.

TK: Für die Sicherstellung der Versorgung ist die KZV zuständig, aber auch als Kammer beschäftigt Sie diese Frage bestimmt. Wie sehen Sie die Frage nach dem Zahnarztnachwuchs?

Woop: In der Tat ist die Frage nach unserem beruflichen Nachwuchs eine, die mich ganz besonders umtreibt.

In den nächsten Jahren wird auch unter den Zahnärzten die Generation der sogenannten Babyboomer, also der zwischen 1955 und Mitte der 1960-er Jahre geborenen, in den Ruhestand gehen. Unter den jüngeren und jungen Angehörigen unserer Berufsgruppe haben wir einen stetig steigenden Anteil an Frauen. Das bleibt selbstverständlich für die Formen zahnärztlicher Berufsausübung nicht folgenlos, so tendieren Zahnärztinnen zum Beispiel verstärkt zu einer Berufsausübung in größeren Einheiten, etwa Gemeinschaftspraxen. Eine klassische Einzelpraxis findet dagegen eher geringeres Interesse.

Als Landeszahnärztekammer begleiten wir diesen Prozess aktiv. Wir evaluieren, beraten, geben Hilfestellung.

TK: Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person

Dr. Wilfried Woop wurde im Juni 2017 zum Präsidenten der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz (LZK) gewählt.

Der 59-Jährige gehörte bereits während der vergangenen Wahlperioden dem Vorstand der LZK an und war zudem seit 2007 Vorsitzender der Bezirkszahnärztekammer Pfalz.

Seit 1987 führt er seine Praxis in Neustadt an der Weinstraße.