Mainz, 23. Juni 2020. Wer in Zeitarbeit tätig ist, hat häufig aufgrund seiner Tätigkeit mehr gesundheitliche Probleme als Beschäftigte in regulären Jobs, was sich auch in einer höheren Zahl von Fehltagen zeigt. Grund ist, dass Zeitarbeitnehmer häufig Tätigkeiten in Lager, Logistik und Transport oder anderen Produktionsberufen ausüben, die körperlich belastend sind. Das ist das Ergebnis einer Sonderauswertung des Gesundheitsreports für Rheinland-Pfalz, die die Techniker Krankenkasse (TK) heute veröffentlicht. Laut der Studie waren rheinland-pfälzische Zeitarbeitnehmer 2019 mit rund 19 Tagen im Durchschnitt deutlich länger arbeitsunfähig gemeldet als anderweitige Beschäftigte mit 15,6 Tagen - eine Differenz von rund 22 Prozent.

Körperlich stark belastende Tätigkeiten

Große Unterschiede herrschen insbesondere, wenn man sich Krankschreibungen aufgrund von Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems anschaut: Hier war bei Zeitarbeitnehmern mit 4,6 Tagen eine um 64 Prozent höhere Zahl von AU-Tagen zu verzeichnen als bei anderweitig Beschäftigten mit 2,8 Tagen. "Es ist davon auszugehen, dass Zeitarbeit stärker auf den Rücken und das gesamte Muskel-Skelett-System geht, weil Zeitarbeitnehmer überdurchschnittlich oft in körperlich stark belastenden Berufen tätig sind", erklärt Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung in Rheinland-Pfalz.

Unsichere Situation führt zu psychischer Belastung

Auch bei anderen relevanten Diagnosen sind bei Zeitarbeitnehmern mehr AU-Tage zu verzeichnen: Bei Erkrankungen des Atmungssystems 8,7 Prozent mehr als bei anderweitigen Beschäftigten, bei psychischen Störungen 9,1 Prozent und bei Verletzungen 14,2 Prozent. "Auch wenn sich die Situation von Zeitarbeitnehmern in den vergangenen Jahren durch eine Reihe von gesetzlichen Änderungen merklich verbessert hat und die generelle Arbeitszufriedenheit gestiegen ist, wie unsere Umfrage ergeben hat, gibt es auch noch viel Verbesserungsbedarf. Fast 44 Prozent der Zeitarbeiter sind mit ihrer Arbeitssituation kaum oder überhaupt nicht zufrieden. Hier gilt es anzusetzen und neben einer noch besseren Integration dieser Arbeitnehmergruppe in die Betriebe auch gezielt betriebliche Gesundheitsförderung und klassische Arbeitsschutzmaßnahmen voranzutreiben", meint Jörn Simon. 

Hinweis an die Redaktion

Von allen bei der Techniker versicherten Beschäftigten in Rheinland-Pfalz arbeiteten im Jahr 2019 nach den vorliegenden Daten jahresdurchschnittlich 3.376 Personen in Zeitarbeitsverhältnissen.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit gab es im Juni 2019 in Rheinland-Pfalz 36.646 Zeitarbeitnehmer (einschließlich geringfügig Beschäftigter, die in den betrachteten TK-Daten nicht enthalten sind). Im Rahmen der vorliegenden Auswertungen konnten demnach für Rheinland-Pfalz überschlägig Daten zu rund neun Prozent der Zeitarbeitnehmer betrachtet werden.

Insgesamt nahmen bundesweit 1437 TK-versicherte Beschäftigte der Zeitarbeitsbranche an der Befragung im Jahr 2019 teil. Dies waren vorwiegend deutsche Männer über 45 Jahre aus Westdeutschland mit einer Hochschulreife, einem anerkannten Berufsabschluss und einer gewerblichen Tätigkeit.