Saarbrücken, 23. Juni 2020. Zeitarbeiter im Saarland haben mehr Fehltage als regulär beschäftigte Arbeitnehmer. Das geht aus dem Gesundheitsreport 2020 der Techniker Krankenkasse (TK) hervor, der an diesem Dienstag vorgestellt wurde. Während alle regulär beschäftigten Saarländerinnen und Saarländer im Schnitt jährlich rund 16,9 Tage krankheitsbedingt am Arbeitsplatz fehlten, fielen Zeitarbeitnehmer knapp 19,6 Tage - und damit 15 Prozent mehr - aus. "Diese Zahlen deuten an, dass Zeitarbeitnehmer am Arbeitsplatz stärker belastet sind als regulär Beschäf-tigte", sagt Stefan Groh, Leiter der TK-Landesvertretung Saarland. "Dies dürfte vor allem damit zusammenhängen, dass Zeitarbeitnehmer überdurchschnittlich häufig in körperlich stark anstrengenden Berufen tätig sind". Bundesweit betrachtet fällt der Unterschied sogar noch deutli-cher aus, denn während alle "Nichtzeitarbeiter" in ganz Deutschland durchschnittlich 14,7 Tage im Jahr krankgeschrieben waren, ist dieser Wert bei Zeitarbeitern um 40 Prozent höher: Sie fehlten im Mittel 20,6 Tage. 

Deutlich mehr Fehlzeiten mit Muskel-Skelett-Erkrankungen

Deutliche Unterschiede zwischen Zeitarbeitnehmern und regulär Beschäftigten sind bei den Gründen für Arbeitsunfähigkeiten zu erkennen. So leiden Zeitarbeiter zu zwei Dritteln häufiger an Rückenschmerzen: Mit Muskel-Skelett-Erkrankungen fehlten Zeitarbeiter im Saarland im Durch-schnitt 4,96 Tage pro Jahr gegenüber 2,97 Tagen bei den regulär Beschäftigten. Auch sind sie vermehrt mit Verletzungen krankgeschrieben (2,34 Tage gegenüber 1,72 Tagen). "Mit 40 Prozent ist der Anteil der Zeitarbeitnehmer in Produktionsberufen wie Lager, Logistik und Transport besonders hoch. Das spiegelt sich auch an den Gründen für Arbeitsunfähigkeiten wider", erklärt Groh. Seltener erkrankt sind Zeitarbeiter an der Saar dagegen mit psychischen Störungen (2,37 Tage gegenüber 3,12 Tagen) sowie mit Erkrankungen des Atmungssystems (2,28 Tage gegenüber 2,57 Tagen). 

Viele Zeitarbeiter mit ihrer Arbeitssituation unzufrieden

Erweitert wurde der Gesundheitsreport um eine wissenschaftliche Befragung mit mehr als 1.400 TK-versicherten Zeitarbeitnehmern im gesamten Bundesgebiet. Demnach sind mit 43,7 Prozent fast die Hälfte der Zeitarbeitnehmer "kaum" oder "überhaupt nicht" mit ihrer Arbeitssituation zu-frieden. Belastend wirken dabei Faktoren wie eine schlechte körperliche Arbeitshaltung, Lärm, Schichtarbeit und lange Anfahrtswege. Als weitere Faktoren wurden geringe Einfluss- und Entscheidungsspielräume sowie geringe Weiterbildungsmöglichkeiten von den Zeitarbeitnehmern genannt. Zudem gaben knapp 60 Prozent der befragten Zeitarbeitnehmer an, dass sich ihr Einsatzort in den vergangenen zwölf Monaten geändert habe. "Auch die gegenwärtige Corona-Situation kann sich negativ auf die Gesundheit von Zeitarbeitern auswirken, da diese oftmals die Ersten sind, die ein Unternehmen bei wirtschaftlichen Engpässen verlassen müssen", so Groh.

Zeitarbeiter sollten gezielt gefördert werden

Zur Stärkung der Gesundheit von Zeitarbeitern speziell in körperlich belastenden Berufen empfiehlt sich beispielsweise die sogenannte aufsuchende betriebliche Gesundheitsförderung (BGF). Dabei werden Mitarbeiter gezielt an ihrem Arbeitsplatz in rückenschonenden Hebe- und Tragetechniken geschult. Durch die Integration der Maßnahme in den laufenden Betrieb werden Arbeits- und Produktionsprozesse kaum gestört. Doch nicht nur in diesen Bereichen sind Verbesserungen für Zeitarbeitnehmer möglich. Dazu Stefan Groh: "Auch Entwicklungs- und Weiterbil-dungsangebote sollten verstärkt für Zeitarbeitskräfte zur Verfügung stehen. Dadurch kann die Zufriedenheit der Mitarbeiter und deren fachliche Qualifikation gesteigert werden, wovon letztlich auch die Unternehmen profitieren." 

Hinweis für die Redaktion 

Für den Gesundheitsreport 2020 wertete die TK die Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen der rund fünf Millionen bei der TK versicherten Erwerbspersonen aus, darunter knapp 45.500 aus dem Saarland. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfän-ger von Arbeitslosengeld I. Für den zweiten Teil des Reports befragte das IFBG im Auftrag der TK 1.437 TK-versicherte Zeitarbeitnehmer aus ganz Deutschland zu ihrer Arbeits- und Gesundheitssituation.