Frankfurt am Main, 14. März 2022. Berufstätige in Hessen waren im vergangenen Jahr pro Kopf durchschnittlich 14 Tage krankgeschrieben. Davon gehen allein 1,3 Tage auf das Konto von Rückenbeschwerden. Patientinnen und Patienten mit Beschwerden an der Wirbelsäule wird häufig eine Operation vorgeschlagen. Meist ist jedoch eine konservative Behandlung der deutlich bessere Weg. Darauf weist die Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen zum Tag der Rückengesundheit am morgigen Dienstag hin und bezieht sich auf Vorab-Daten aus ihrem Gesundheitsreport 2022.

TK empfiehlt Zweitmeinung

Rückenschmerzen können lange Ausfallzeiten verursachen, die für die Betroffenen sehr belastend sind. Patientinnen und Patienten, denen ihr behandelnder Arzt oder ihre behandelnde Ärztin wegen hartnäckiger Beschwerden zu einer Operation rät, empfiehlt die TK, vor einem geplanten Eingriff eine zweite ärztliche Meinung einzuholen. "Eine unabhängige, ärztliche Zweitmeinung gibt Vielen eine wertvolle Unterstützung bei der Entscheidung für oder gegen eine Operation. Die zweite Meinung hilft, die Chancen eines operativen Eingriffs gegenüber den Erfolgen einer konservativen Behandlung abzuwägen und eine informierte Entscheidung zu treffen", sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung in Hessen. 

Acht von zehn Operationen können vermieden werden

Versichertendaten der TK zeigen, dass mindestens acht von zehn Patientinnen und Patienten (85 Prozent), die vor einer geplanten Wirbelsäulenoperationen im Rahmen des Zweitmeinungs-Angebotes der TK eine weitere ärztliche Einschätzung eingeholt haben, auf eine Operation verzichten konnten. Konservative ambulante Therapien wie beispielsweise Krankengymnastik, Entspannungsverfahren oder eine Schmerztherapie haben so gut geholfen, dass ihnen ein belastender operativer Eingriff mit seinen Risiken erspart geblieben ist und nur diejenigen Eingriffe durchgeführt wurden, die wirklich medizinisch notwendig waren. 

Interdisziplinärer Blick

"Vielen wird zu einer Operation geraten, weil die behandelnden Mediziner keine andere Alternative mehr sehen. Wenn wir mit unserem interdisziplinären Team aber die individuelle Situation der Patientinnen und Patienten aus verschiedenen fachlichen Perspektiven betrachten, kommen wir Dingen auf die Spur, die auf einem Röntgenbild, einem MRT oder CT nicht abgebildet werden können, die aber eine ganz wesentliche Rolle für die Schmerzen und Beschwerden spielen. So ist dann sehr oft eine konservative, nicht-operative Behandlung möglich", sagt Dr. Sabine Schneider, Fachärztin am Schmerz- und Palliativzentrum Rhein-Main in Wiesbaden. Ursachen für die starken Beschwerden können beispielsweise Fehlhaltungen durch zu viel Schreibtischarbeit sein, Übergewicht, ein Mangel an Bewegung oder auch private Belastungen, beispielsweise wenn sich Patientinnen und Patienten um pflegebedürftige Angehörige kümmern. 

Aktive Mitarbeit der Patientinnen und Patienten

Im Rahmen der konservativen Therapie müssen die Patientinnen und Patienten aktiv mitarbeiten - oft über Wochen oder gar Monate - bis sie eine neue Beweglichkeit und Schmerzlinderung erreichen. Zur multimodalen Therapie zählen nicht nur medikamentöse Therapien beispielsweise mit Schmerzmitteln, sondern auch langfristige Strategien wie Entspannungstraining, Ernährungsberatung, Physiotherapie, sportliches Training oder Akupunktur. Nicht nur dafür braucht es Durchhaltevermögen und Geduld: Auch die anfänglichen Schmerzen können sich im Laufe der konventionellen Therapie zunächst steigern, bevor sie dann nachhaltig gelindert werden.

Besonderer Versorgungsvertrag

Patientinnen und Patienten mit chronischen Rückenschmerzen können sich im Rahmen eines besonderen TK-Versorgungsvertrags in Schmerzzentren in Frankfurt, Wiesbaden, Marburg und Kassel mit konservativen ambulanten Therapien behandeln lassen. Weitere Informationen zum Zweitmeinungsverfahren der TK in Hessen zu Operationen an der Wirbelsäule sind unter www.tk.de unter dem Webcode 617022 veröffentlicht.

Hinweis für die Redaktion

Für die Vorab-Auswertung des Gesundheitsreports 2022 hat die TK die Krankschreibungen der derzeit rund 5,5 Millionen bei der TK versicherten Erwerbspersonen ausgewertet, darunter 496.844 Erwerbspersonen aus Hessen. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von ALG-I.