Bremen, 8. Juli 2020.  Irren ist menschlich - in der Medizin  aber können selbst kleine Fehler schlimme Folgen für Patienten haben. Betroffene von Behandlungsfehlern müssen oft jahrelang vor Gerichten kämpfen, bis ihr Schaden offiziell anerkannt wird. 2019 haben sich 45 Bremer Versicherte an die Techniker Krankenkasse (TK ) gewandt, weil sie eine fehlerhafte Behandlung vermuteten. Das geht aus aktuellen Zahlen der TK hervor. Bundesweit stieg die Zahl der gemeldeten Behandlungsvorwürfe und Medizinproduktschäden von TK-Versicherten von 6250 im Jahr 2018 um knapp 100 auf 6360 Fälle an.

Nicht hinter jedem Verdacht liegt ein tatsächlicher Fehler

"Dabei ist längst nicht jeder dieser Verdachtsfälle ein tatsächlich in der Behandlung erfolgter Fehler", erläutert Dr. Susanne Klein, Leiterin der TK-Landesvertretung Bremen. "Oft handelt es sich um einen schicksalhaften Verlauf, wobei der Unterschied für den Patienten nur schwer erkennbar ist". Klein geht aber davon aus, dass hinter den gemeldeten Fällen auch noch eine Dunkelziffer liegt. "Viele Versicherte kommen gar nicht auf die Idee, sich bei der Krankenkasse zu melden und sich Hilfe zu holen."

Chirurgie ist Spitzenreiter

Die meisten Beschwerden gab es über Behandlungen beim Chirurgen (33 %). Danach folgten Zahnärzte (16 %) und Allgemeinmediziner (15 %).

Die deutschen Gesetze müssten nach Ansicht von Klein wesentlich stärker die Patienten schützen. "Derzeit muss ein Patient beweisen, dass er ein Arzneimittel gemäß dem Beipackzettel eingenommen hat. Da er das aber nicht beweisen kann und zusätzlich immer auch eine andere Ursache für einen unerwünschten Verlauf einer Behandlung denkbar ist, kann man Deutschland kaum möglich, einen Arzneimittelhersteller für ein fehlerhaftes Medikament zur Verantwortung zu ziehen."

TK hilft via Beratungstelefon und Online-Lotsen

Die TK unterstützt ihre Versicherten mit einer Beratungshotline (040 - 46 06 61 21 40), einem Online-Lotsen  und einer Beratungsbroschüre . Sollte sich der Verdacht erhärten, kann die Krankenkasse medizinische Gutachten erstellen lassen. Diese sind für die Versicherten in der Regel kostenfrei und können von ihnen auch für Schadensersatz-Verhandlungen mit dem Arzt, dem Krankenhaus, der zuständigen Haftpflichtversicherung oder vor Gericht genutzt werden. Entscheidet sich die Krankenkasse für eine Klage, dann kann der Versicherte in Ruhe den Ausgang des Gerichtsverfahrens abwarten und anschließend überlegen, ob eine eigene Klage Aussicht auf Erfolg hat.