Hamburg, 21. Mai 2019. In seltenen Fällen kann beim Entfernen von Polypen (gutartigen Wucherungen im Darm) während einer Darmspiegelung die Darmwand verletzt werden. Seit vier Jahren wird ein spezieller Aufsatz auf dem Endoskop eingesetzt, um solche Gewebeschädigungen zu behandeln. Doch ist diese Methode auch sicher und effektiv?

Zu dieser Frage gibt es wegen der geringen Fallzahlen bislang nur wenige Erkenntnisse. Eine Auswertung von Daten der Techniker Krankenkasse (TK) unterstützt jetzt erste Einschätzungen, nach denen das innovative Verfahren mit dem sogenannten "OTS-Clip" sicher ist. Damit lassen sich in bestimmten Fällen Operationen vermeiden. Die Studienergebnisse werden derzeit auf dem größten US-amerikanischen Gastroenterologen-Kongress (DDW) in San Diego vorgestellt.

Größerer Aufsatz für Inspektionskamera kann mehr Gewebe greifen

"Unsere Auswertung zeigt, dass Routinedaten helfen können, den Nutzen und die Sicherheit von medizintechnischen Innovationen einzuschätzen", sagt Dr. Dirk Horenkamp-Sonntag von der TK. Im Schnitt werden bei 30 bis 50 Prozent der Patienten bei einer Darmspiegelung Polypen in der Darmwand entdeckt. Damit aus ihnen kein Darmkrebs entsteht, werden sie während der Darmspiegelung entfernt. Treten dabei Gewebeschädigungen an der Darmwand (Blutungen oder kleinere Löcher) auf, besteht seit 2015 eine neue therapeutische Möglichkeit. Mit einem größeren Clip, der auf die Inspektionskamera, das Endoskop, aufmontiert ist, lassen sich mehr Gewebe und tiefere Wandanteile greifen als bislang möglich. Wie bei einem Gefrierbeutel, der mit einem Clip verschlossen wird, kann der OTS-Clip Löcher in der Darmwand greifen und zuziehen. Der Aufsatz wird OTS-Clip genannt (Over The Scope Clip). 

Innovationen mithilfe von Daten der gesetzlichen Krankenversicherung überprüfen

Bisher gab es nur wenige Daten aus hochspezialisierten Zentren für Eingriffe mit dem neuen Instrument am Dickdarm. Deshalb hat die TK ein Kooperationsprojekt mit dem Gastroenterologen Professor Herbert Koop aus Berlin initiiert. Durch die Einbindung klinischer Fachexpertise konnten aus pseudonymisierten Routinedaten von rund zehn Millionen TK-Versicherten 500 Fälle identifiziert werden, bei denen der OTS-Clip zwischen 2015 und 2018 zum Einsatz kam. Danach wird der OTS-Clip vor allem im Zusammenhang mit der Entfernung von Polypen eingesetzt. Außerdem wird er nach unbeabsichtigten Verletzungen der Darmwand, zum Beispiel im Rahmen einer Darmspiegelung, genutzt. Horenkamp-Sonntag: "Die Daten deuten darauf hin, dass der Einsatz des Clips sicher ist und sich insbesondere nach Verletzungen der Darmwand Operationen vermeiden ließen." In den ersten zehn beziehungsweise hundert Tagen nach dem Clipping war bei den 311 Patienten, denen Darmpolypen entfernt wurden, nur in 1,3 Prozent der Fälle beziehungsweise 8,7 Prozent der Fälle ein operativer Eingriff am Bauch erforderlich. Mit der bisherigen Vorgehensweise wäre die Operationsquote deutlich höher ausgefallen.

Routinedaten sind Daten, die bei den gesetzlichen Krankenkassen für Abrechnungszwecke erhoben werden. Dazu zählen beispielsweise Diagnosen, die Art der Operation oder der Therapien. Sie werden auch als Sekundärdaten bezeichnet, weil sie nicht ausdrücklich für Forschungszwecke erhoben worden sind.

Hinweis für die Redaktionen

Informationen zum Thema Darmspiegelung  und zur Digestive Disease Week (DDW).