TK-Landesvertretungsleiter Jörn Simon berichtet, wie die TK im Land agiert, um gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium und den anderen gesetzlichen Kassen unbürokratische Lösungen in Zeiten von Corona zu finden. 

TK: Herr Simon, mit welchen Fragen befasst sich der Leiter einer TK-Landesvertretung zu Zeiten der Corona-Pandemie?

Jörn Simon: Auch vor Corona-Zeiten standen wir in einem engen Austausch mit unseren Partnern im Gesundheitswesen, seien es die anderen Kassen im Land, Verbände, Leistungserbringer oder natürlich das Gesundheitsministerium. Das kommt uns in der Pandemie zugute, bei der nun natürlich auch Krisenmanagement gefragt ist. Da geht es zum Beispiel darum, wie Prozesse anhand neuer gesetzlicher Regelungen oder Schutzmaßnahmen neu geordnet werden können.

Ein Aspekt ist, wie man digitale Lösungen stärken oder ausbauen kann, weil sie sich zum Beispiel mit Blick auf Kontaktvermeidung und Schutz von Risikogruppen als sehr hilfreich erweisen. Aber auch Fragen der Finanzierung stehen auf der Agenda - wir als TK und die anderen Kassen müssen vor allem für die Liquidität, etwa von Krankenhäusern, sorgen. In allen Abstimmungsprozessen hat sich organisatorisch einiges geändert, Video- und Telefonkonferenzen boomen. 

Jörn Simon

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Leiter der TK-Landesvertretung Rheinland-Pfalz

TK: In Rheinland-Pfalz wurden neben den bundesweiten Regelungen weitere landesspezifische Maßnahmen vereinbart, bei denen die Krankenkassen involviert waren. Wie sehen diese aus?

Simon: Corona-Ambulanzen, -Praxen aber auch speziellen Corona-Sprechstunden ermöglichen, dass Menschen mit einer COVID-19-Erkrankung oder einem Verdacht auf eine Infektion gut versorgt werden und gleichzeitig Patienten, die wegen anderen Beschwerden Ärzte aufsuchen, geschützt werden. Die Behandlung in den speziellen Praxen vergüten die Kassen in Rheinland-Pfalz mit einer extrabudgetären Pauschale von fünfzig Euro im Quartal je Patient. Diese Pauschalen ermöglichen eine unbürokratische Abrechnung. Bei all diesen Abstimmungen sind wir als TK beteiligt.

TK: Gibt es weitere Beispiele für unbürokratische Lösungen im Land?

Simon: Ja, eines ist etwa das Angebot von Hausbesuchen im Fall eines Corona-Verdachts während der Corona-Hochphase. Dieses hatte die Kassenärztliche Vereinigung in Abstimmung mit uns für Menschen geschaffen, die immobil sind und deshalb keine Corona-Ambulanz aufsuchen konnten. Der höhere Aufwand für die Testung zu Hause wurde durch uns Kassen im Land mit 100 Euro vergütet. Derzeit ist der Hausbesuchsdienst ausgesetzt, kann aber bei einem neuen Anstieg der Infektionswelle schnell neu organisiert werden.
    
TK: Gefordert ist derzeit der stationäre Bereich, der sich für die Behandlung von Corona-Patienten gerüstet hat. Wie wird dieser in Rheinland-Pfalz speziell unterstützt?

Simon: Bundesweit gibt es natürlich den Rettungsschirm für die Krankenhäuser. Darüber hinaus gibt es aber auch noch landesspezifische Regelungen: Die Krankenhäuser erhalten je Fall in der Klinik einen Ausbildungszuschlag. Diese Zuschläge werden an die Kliniken, welche Pfleger und Krankenschwestern ausbilden, weitergeleitet. Da die Kliniken wegen der Corona-Krise derzeit ihre Belegung runtergefahren haben, behandeln sie weniger Fälle und es kommt weniger Geld über die Ausbildungszuschläge zusammen. Um die finanziellen Einbußen aufzufangen, haben die Kassen sich mit der Krankenhausgesellschaft Rheinland-Pfalz auf einer deutliche Erhöhung des Ausbildungszuschlages auf 210 Euro geeinigt. Das haben wir als TK mit vorangetrieben.

TK: In welcher Rolle sieht sich die TK, insbesondere auch in Rheinland-Pfalz, in der Corona-Krise?

Simon: In Punkto Digitalisierung waren wir in den vergangenen Jahren Vorreiter, haben für die elektronische Patientenakte gekämpft und viele digitale Projekte in Rheinland-Pfalz umgesetzt. Hier im Land unterstützen wir beispielsweise die Initiative des Gesundheitsministeriums, nicht-ärztliche Praxisassistenten mit Telemedizin-Rucksäcken auszustatten. Zudem haben wir aus der Landesvertretung einen Experten an das Ministerium abgeordnet, der vor Ort bei Fragen rund um die stationäre Versorgung berät.

Derzeit sind wir gerade kurzfristig im Gespräch mit einer Selbsthilfeorganisation, die wir dabei unterstützen, aufgrund der Corona-Pandemie eine Online-Beratung für die schwer erkrankten Patienten einzurichten. 

Weil es ja auch trotz Corona zukunftsorientiert weitergehen muss, haben wir mit Partnern drei neue Anträge für den Innovationsfonds gestellt, bei denen es auch um digitale Aspekte geht. 
Nicht zuletzt haben wir als einzige große Kasse unsere Kunden die ganzen vergangenen Wochen nach vorheriger Terminvergabe vor Ort beraten. Seit Mai sind die Kundenberatungen der TK im Land sogar wieder komplett geöffnet - natürlich mit allen erforderlichen und hygienischen Vorsichtsmaßnahmen.