Stuttgart, 4. Februar 2021. Trotz der Corona-Pandemie ist der Krankenstand in Baden-Württemberg 2020 gegenüber dem Vorjahr von 3,46 auf 3,38 Prozent leicht gesunken. Damit waren die bei der Techniker Krankenkasse (TK) versicherten Erwerbstätigen im Land deutlich weniger krank als anderswo.

Fast drei Fehltage weniger

Bundesweit lag der Krankenstand bei 4,13 Prozent, was einer durchschnittlichen erkrankungsbedingten Fehlzeit von 15,1 Tagen entspricht. Dagegen fehlten die rund 590.000 TK-versicherten Erwerbstätigen aus Baden-Württemberg im Durchschnitt nur 12,3 Tage.

März-Hoch wird ausgeglichen

Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung: "Obwohl der Krankenstand im März mit 5,74 Prozent zwischenzeitlich ein Allzeithoch im Südwesten erreichte, hat sich dieser Corona-Effekt über das Jahr relativiert." Die Fehlzeiten aufgrund der Diagnose Atemwegserkrankung seien im Vergleich zum Vorjahr nur geringfügig von 2,1 auf 2,11 Tage gestiegen. Der Anteil der Covid-19-Diagnosen war mit 0,05 Tagen verschwindend gering.

Weniger Krankheitsfälle, aber längere Dauer

"Auffällig ist, dass wir insgesamt einen Rückgang der Krankheitsfälle um 17 Prozent beobachten, gleichzeitig aber die Krankheitsdauer pro Fall von 12,2 auf 14,4 Tage gestiegen ist", erklärt Vogt. Dies könne mit dem erneuten Anstieg psychisch bedingter Fehlzeiten um 3,1 Prozent zusammenhängen. Bei entsprechenden Diagnosen sind die Betroffenen in der Regel länger krankgeschrieben.

Mehr Fehltage wegen Psyche

Mit 2,35 Fehltagen pro Kopf waren 2020 Psychische und Verhaltensstörungen die Hauptursache für Krankschreibungen in Baden-Württemberg, genauso wie 2019 mit damals 2,28 Tagen. "Inwiefern dieser Anstieg mit den Einschränkungen und Belastungen durch die Corona-Pandemie zusammenhängt, lassen die Zahlen nicht erkennen", erklärt TK-Leiter Vogt. Eine jährliche moderate Steigerung der Fehlzeiten aufgrund psychischer Diagnosen seien im Südwesten schon seit gut 15 Jahren zu beobachten. 

Muskel-Skelett-Erkrankungen stabil

Im Bereich Muskel-Skelett-Erkrankungen, zu denen beispielsweise Rückenschmerzen gehören, wurden mit 2,08 Fehltagen etwas weniger Ausfälle gemeldet als im Vorjahr. "Auch wenn viele Menschen sich coronabedingt weniger bewegen oder schlechte ergonomische Bedingungen am Heimarbeitsplatz vorfinden, können wir bisher keine Auswirkung auf die Diagnose-Zahlen feststellen", so Vogt.

Hinweis für die Redaktion

Die Zahlen stammen aus den Vorabdaten des TK-Gesundheitsreports 2021. Grundlage dafür bilden die rund 5,4 Millionen bei der TK versicherten Erwerbstätigen (Berufstätige und ALG 1-Empfänger), Stand Januar 2021.

Der Krankenstand ist eine betriebswirtschaftliche Größe. Darunter versteht man den prozentualen Anteil der Fehltage zur Sollarbeitszeit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aufgrund einer Krankschreibung.

Unter Fehltagen versteht man die Krankheitstage aufgrund von Krankschreibungen.