Die aktuelle KIGGS-Studie zeigt: Rund ein Fünftel aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind psychisch auffällig. Häufig bekommen betroffene Kinder und Jugendliche allerdings nicht die Hilfen, die sie benötigen. Um das zu ändern, wurde unter Federführung der Techniker Krankenkasse (TK) das Hamburger Pilotprojekt "Drei für Eins" entwickelt. Darin arbeiten künftig Kinder- und Jugendpsychiatrien gemeinsam mit den Regionalen Bildungs- und Beratungszentren (ReBBZ) und der Kinder- und Jugendhilfe (JH) Hand in Hand zusammen. Für mehr Transparenz und gut aufeinander abgestimmte Unterstützungsangebote für die Kinder und Jugendlichen sorgt eine digitale Plattform. Diese vernetzt die unterschiedlichen Professionen miteinander und ermöglicht eine enge Zusammenarbeit der Akteure. 

Ziel ist es, eine gesunde Entwicklung und Bildungsteilhabe von betroffenen Kindern und Jugendlichen frühzeitig und vor Ort zu fördern. Dafür werden die Partner:innen des Projekts für die betroffenen Kinder und Jugendlichen im Alter von fünf bis 18 Jahren entsprechende therapeutische Angebote in den ReBBZ organisieren. Zudem kooperieren die ReBBZ, die Jugendhilfe und die behandelnden Therapeuten bei der Versorgung und Unterstützung der Kinder und Jugendlichen. Alle drei stehen in einem engen Austausch, sodass alle von den unterstützenden Maßnahmen der anderen wissen. So sollen die Schüler:innen in ihrer schwierigen Situation gezielte Hilfe und Unterstützung erhalten. Projektstart war der 1. Februar 2021, die Versorgung in den ReBBZ startet voraussichtlich ab dem 1. August dieses Jahres. Das Projekt hat eine Laufzeit von vier Jahren.

Frühzeitige Unterstützung vor Ort

Im Pilotprojekt kommt die Unterstützung direkt zu den Kindern und Jugendlichen: Wenn es Unterstützungsbedarf gibt, findet ein Erstgespräch in einem der Regionalen Bildungs- und Beratungszentren (ReBBZ) statt. Dabei werden klinische Symptome und Bildungsteilhabe der Betroffenen erfasst und auf dieser Grundlage gemeinsam mit den klinischen Fachkräften der Versorgungs- und Therapiebedarf ermittelt. Die Kinder und Jugendlichen erhalten dann, je nach Bedarf, Sprechstunden, psychotherapeutische oder fachtherapeutische Angebote. Auch können zwischen den Akteuren Krankenhaus, Schule und Jugendamt sowie den Sorgeberechtigten Krisenvereinbarungen getroffen werden. Gleichzeitig soll durch verschiedene Maßnahmen auch mehr Augenmerk auf die Gesundheit der Mitarbeitenden der Projektpartner gelegt werden, um bei ihnen das Burn-out-Risiko zu reduzieren.

Hintergrund

"Drei für Eins" wird über vier Jahre mit insgesamt bis zu 5,9 Millionen Euro aus dem  Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert. 

Konsortialpartner des Projekts sind neben den Abteilungen für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik (KJPPP) des Asklepios Klinikums Hamburg-Harburg und des Katholischen Kinderkrankenhauses Wilhelmstift gGmbH auch die Hamburger Schulbehörde (BSB). Für die Evaluation sind die Universität Oldenburg sowie die Universität Erlangen-Nürnberg zuständig. Als weitere Krankenkassen sind neben der TK die AOK Rheinland/Hamburg, die DAK-Gesundheit, die IKK classic sowie die Knappschaft-Bahn-See beteiligt. Die Standorte der teilnehmenden Regionalen Bildungs- und Beratungszentren sind Altona, Altona -West, Bergedorf und Wandsbek-Süd.

Weitere Informationen zu "Drei für Eins"

  • Unter dem Hashtag #DreifürEins gibt es auf Twitter Neuigkeiten rund um das Hamburger Innovationsfondsprojekt.
  • Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg, erklärt im Interview , wie es zur Projektidee kam und was "Drei für Eins" so besonders macht.