Frankfurt am Main, 2. Mai 2019. In Hessen beteiligen sich lediglich 37 der insgesamt 134 Krankenhäuser im Land aktiv an der "Aktion Saubere Hände". Obwohl die Effektivität der Händehygiene erwiesen ist, ist sie offenbar noch nicht überall in der Praxis angekommen, registriert die Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen anlässlich des Internationalen Tags der Händehygiene am kommenden Sonntag, 5. Mai. Die Kampagne fördert die Händehygiene in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen sowie in der ambulanten Medizin. Die Aktion bindet neben dem Personal in Gesundheitseinrichtungen auch Patienten in die Händehygiene ein.

Konsequente Händedesinfektion

Gerade im Krankenhaus besteht für Patienten ein erhöhtes Risiko für Infektionen, da die körpereigene Abwehr nach einer Operation oder durch eine Erkrankung geschwächt sein kann. "Die konsequente Händedesinfektion der Krankenhausmitarbeiter ist eine der einfachsten und wirksamsten Maßnahmen, um Patienten vor multiresistenten Keimen zu schützen. Daher würden wir es begrüßen, wenn sich alle Krankenhäuser in Hessen an der ‚Aktion saubere Hände‘ beteiligen“, sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung in Hessen.

Patienten sensibilisieren und einbinden

Nicht nur das Personal, auch Patienten und Besucher können Krankenhauskeime übertragen. „In unserer alltäglichen Händehygiene stellen wir nach dem Händewaschen einen fühlbaren Unterschied fest. Bei der hygienischen Händedesinfektion ist dieser Effekt nicht sichtbar. Es ist daher ein richtiger Schritt, wenn Krankenhäuser Besucher und Patienten für die Händehygiene sensibilisieren, um dieses zusätzliche Präventionspotential zu nutzen“, so Dr. Voß. Studien zeigen, dass fast allen Patienten (95 Prozent) das Risiko multiresistenter Keime und die Bedeutung der Händehygiene bewusst ist und dass sie in der Regel bereit sind, sich während ihres Krankenhausaufenthalts an einer Verbesserung der Händehygiene aktiv zu beteiligen. So tragen sie mit dazu bei, die Patientensicherheit im Krankenhaus zu erhöhen.

Multiresistenter Keim bei 7.360 Fällen in Hessen

Im vergangenen Jahr wurden laut einer Auswertung der Geschäftsstelle Qualitätssicherung in Hessen im Rahmen des hessischen MRE-Projekts 7.120 Fälle in 124 Kliniken behandelt, bei denen ein antibiotikaresistenter MRSA-Erreger vorlag. Dieser kann zu Infektionen wie Blutvergiftungen oder Lungenentzündungen führen. Bei weiteren 240 Behandlungsfällen aus 58 hessischen Kliniken wurden zwei besonders problematische gramnegative Erreger gefunden, die gegen alle vier klinisch relevanten Antibiotikagruppen resistent sind (4MRGN).

Die Initiative gegen multiresistente Erreger (MRE) wurde vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration gemeinsam mit der Hessischen Krankenhausgesellschaft und den gesetzlichen Krankenkassen in Hessen im Jahr 2016 ins Leben gerufen, um die Patientensicherheit bei einer Krankenhausbehandlung zu erhöhen. Ziel des MRE-Projekts ist es herauszufinden, wie häufig multiresistente Keime in Hessens Krankenhäusern festgestellt werden und auf welchem Weg diese Keime in die Klinik gelangt sind. Zudem werden im Rahmen des Projektes Maßnahmen erarbeitet, die Infektionen verhindern.

Hintergrund

Weitere Informationen zur Einbeziehung von Patienten in die Händedesinfektion sind im vom Robert-Koch-Institut herausgegebenen Epidemiologischen Bulletin veröffentlicht.

Weitere Informationen zum MRE-Projekt Hessen.