Ein vernünftiger Gebrauch kann Resistenzen zwar verzögern, aber nicht verhindern. Das gilt für alle Antibiotika. Denn - so die ernüchternde Bilanz von Infektionsexperten - irgendwann verliert jedes Antibiotikum, einfach dadurch, dass wir es gebrauchen, seine Wirksamkeit. Umso wichtiger ist es daher, die Zeitspanne, in der ein Antibiotikum wirkt, durch einen verantwortungsvollen Gebrauch nicht zu verkürzen.

Multiresistente Keime in der Humanmedizin

Antibiotikaresistenzen sind kein neues Phänomen. Sie beruhen auf der Fähigkeit von Mikroorganismen, sich vor der toxischen Wirkung von Antibiotika zu schützen. In der Humanmedizin trägt jeder einzelne Gebrauch von Antibiotika dazu bei, dass sich resistente Bakterienstämme vermehren. Großzügiges Verordnungsverhalten und der sorglose Umgang mit Antibiotika in den vergangenen Jahren haben daher zu schwerwiegenden Resistenzen geführt. Insbesondere multiresistente Keime, bei denen kein Medikament mehr wirkt, sind eine zunehmende Gefahr. Schon heute gibt es Infektionen, die kaum noch mit Antibiotika behandelt werden können. Zwar sind für solche Fälle sogenannte Reserve-Antibiotika verfügbar, die ausschließlich bei Indikationen mit resistenten Erregern verwendet werden. Diese Mittel haben aber starke Nebenwirkungen und können ebenfalls unwirksam gegenüber Erregern werden.

Ein verantwortungsvoller Umgang mit Antibiotika setzt aus Sicht der TK voraus, dass Antibiotika nur dann verschrieben werden, wenn sie wirklich nötig und nützlich sind, wie beispielsweise bei einer bakteriellen Infektion. Auch die Patienten müssen für diese besondere Gruppe von Arzneimitteln und die richtige Einnahme sensibilisiert werden.

Antibiotikaverbrauch in der Tierhaltung

Auch der hohe Antibiotikaverbrauch in der Tierhaltung hat Folgen. Die meisten Antibiotika werden in Deutschland nicht im humanen Sektor, sondern im Veterinärbereich eingesetzt. In der industriellen Tierhaltung ist der Antibiotikaeinsatz nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. In Mastanlagen etwa für Schweine oder Geflügel, in denen Antibiotika zur Behandlung von Infektionen verfüttert werden, entwickeln sich resistente Keime und teilweise neue, besondere MRSA-Stämme. Menschen, die im beruflichen Umfeld engen Kontakt zu Tieren haben, können die Bakterien auf dem Körper tragen und an andere Menschen weitergeben. Oder die resistenten Keime gelangen über Dünger auf die Felder, kontaminieren so unsere Nahrungsmittel und werden auf den Menschen übertragen. In der Folge werden Krankenhäuser damit konfrontiert, dass Patienten neue Erreger von außen mit in die Klinik bringen.

Wie sich Keime in Krankenhäusern verbreiten

Patienten können bereits vor der Einlieferung in die Klinik mit einem multiresistenten Keim besiedelt sein und diesen an das Krankenhauspersonal oder an andere Patienten weitergeben. Zudem können Ärzte, Pfleger oder Schwestern den Keim auf der Haut tragen und ihn an Patienten übertragen. Die Übertragung erfolgt durch direkten oder indirekten Kontakt, zum Beispiel durch die Hände des Personals nach Kontakt mit Wundsekreten, Urin, besiedelter Haut oder über kontaminierte Gegenstände. Gelangen die Keime in Wunden geschwächter Patienten, kann es zu schweren Infektionen kommen, die tödlich verlaufen können. Die resistenten Erreger können aber auch - zunächst tage- bis wochenlang unbemerkt - den Darmtrakt oder Rachenraum besiedeln und von dort aus in die Tiefe des Körpers vordringen und Lungenentzündungen oder eine Sepsis (Blutvergiftung) auslösen.