Die Ausbildung von Krankenpflegern, Hebammen, Logopäden und vielen anderen wird von den gesetzlichen Krankenkassen und der PKV seit dem Jahr 2006 über einen Ausbildungsfonds finanziert. Mit über 330 Millionen Euro ist der Fonds nun so prall gefüllt wie noch nie. Im Jahr 2018 waren es noch 270 Millionen Euro.

Herr Vogt, der Ausbildungsfonds hat deutlich zugelegt. Woran liegt das?

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Andreas Vogt, Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Die Zahl der Azubis ist deutlich angestiegen. Wir brauchen diese zukünftigen Fachkräfte, um eine gute Versorgung der Patientinnen und Patienten langfristig zu sichern. Mit dem Fonds leisten die Krankenkassen dazu einen wichtigen Beitrag.

Hinzu kommt ein Punkt, der viele junge Menschen glücklich macht: Die betrieblich schulisch Auszubildenden zu Medizinisch-Technischen Assistent/innen, Physiotherapeut/innen, Diätassistent/innen, Orthoptist/innen, Logopäd/innen und Ergotherapeut/innen wurden in den Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes (TVAöD) einbezogen. Dies bedeutet, dass sie nun eine monatliche Vergütung von rund 1000 Euro erhalten. Auch dies wird aus dem Fonds bezahlt.

Außerdem wird die Arbeitsleistung der Azubis in der Kranken- und Kinderkrankenpflege im ersten Ausbildungsjahr ab diesem Jahr nicht mehr gegengerechnet, da diese Leistung zu Beginn der Ausbildung natürlich noch nicht so groß ist. Das führt ebenfalls zu mehr Geld im Fonds.  

Wie funktioniert der Ausbildungsfonds?

Der Fonds wird gespeist vom Ausbildungszuschlag, den alle Krankenhäuser pro Fall mit den Krankenkassen abrechnen dürfen. Dieser Zuschlag liegt nun bei 145,48 Euro. Im Vorjahr waren es noch rund 114 Euro - also ein Plus von fast 30 Prozent. Dieses Geld geben die Kliniken an die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG) weiter, die den Fonds verwaltet.

Die Kliniken, die Azubis ausbilden, können dann von der BWKG ihre als Folge der Ausbildung entstehenden Mehrkosten sowie die schulischen Kosten einfordern. 

Die Krankenkassen finanzieren über den Fonds die Ausbildung. Welche Erwartung haben Sie im Gegenzug?

Ich erwarte, dass die Ausbildung der Anforderungen eines modernen Gesundheitssystems gerecht wird. Dies bedeutet beispielsweise, dass Digitalisierung für die jungen Fachkräfte kein Fremdwort ist, sondern die damit verbundenen Chancen erkannt werden. 

Spätestens in Folge der Zusammenlegung der Ausbildungen in der Kranken- und Altenpflege ab dem Jahr 2020 sollten Digitalisierung, Telemedizin und Künstliche Intelligenz (KI) eine wichtige Rolle spielen. Das kommt den Patienten zugute und erhöht die Attraktivität der Pflegeberufe.

Welche Auswirkungen hat der Wechsel zur generalistischen Pflegeausbildung ab 2020 auf den Ausbildungsfonds?

Der Ausbildungsfonds kann dann natürlich nicht so bleiben wie er jetzt ist. Die Weichen werden bereits jetzt gestellt. Zum Jahreswechsel wurde ein neuer Fonds als Tochtergesellschaft der BWKG für die Alten- und Krankenpflege eingerichtet. Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Pflegeversicherung und das Land werden ab 2020 in diesen Fonds einbezahlen. Die Träger der Ausbildung und die Pflegeschulen erhalten daraus die notwendigen Mittel.

Die anderen nichtärztlichen Heilberufe im Krankenhaus werden im bisherigen Fondssystem verbleiben. Es wird dann also zwei Ausbildungsfonds geben. Die genauen Modalitäten werden im Laufe des Jahres noch festgelegt werden.