Berlin, 2. April 2019. Die Zahl der Patienten, die einen Behandlungsfehler vermuten, ist in den vergangenen zwei Jahren deutlich gestiegen. Im Jahr 2018 wandten sich 576 Berliner wegen des Verdachts auf eine ärztliche Fehlbehandlung an die Techniker Krankenkasse (TK). Zwei Jahre zuvor gab es 420 Meldungen in der Hauptstadt. Die meisten Verdachtsfälle wurden in den Bereichen Zahnmedizin mit 115 und Allgemeinchirurgie mit 71 Meldungen verzeichnet.

Susanne Hertzer, TK-Chefin in Berlin und Brandenburg: "Fehler kommen bei einer ärztlichen Behandlung ebenso vor wie in allen anderen Bereichen des Lebens. Allerdings können die Folgen für die Patienten dramatisch sein. Wichtig ist es, dass der Verdacht auf eine fehlerhafte oder falsche Behandlung gemeldet wird. Nur so können Schwächen künftig vermieden und die Versorgung weiter verbessert werden."

Anstieg auch in Brandenburg

Auch in Brandenburg ist die Zahl der gemeldeten Verdachtsfälle auf Behandlungsfehler gestiegen. Während sich im Jahr 2016 insgesamt 125 Versicherte an die TK gewandt haben, waren es 2018 bereits 155. Am häufigsten betroffen waren auch hier Allgemeinchirurgie (26) und Zahnmedizin (18). Bundesweit wurden 2018 fast 6.000 vermutete Behandlungsfehler bei der TK angezeigt. Erhärtet sich der Verdacht, kann die Krankenkasse medizinische Gutachten erstellen lassen. In jedem dritten gemeldeten Fall verdichten sich im Laufe des Gesprächs und der späteren Überprüfung die Hinweise auf einen Behandlungsfehler. Hertzer: "Problematisch sind die langen Verfahrenslaufzeiten. Teilweise müssen die Patienten jahrelang auf ein Urteil warten."

Hohe Dunkelziffer vermutet

Experten vermuten, dass die Dunkelziffer beim Thema Behandlungsfehler höher ist. Neben den gesundheitlichen Folgen können schwerwiegende Behandlungsfehler auch existenzielle Auswirkungen für die Betroffenen haben, zum Beispiel wenn sie ihrer Beschäftigung nicht mehr nachgehen können. Die Gesetzgebung müsse deshalb an dieser Stelle verbraucherfreundlicher werden, so Hertzer.

Unterstützung für Betroffene

Haben Versicherte die Vermutung, falsch behandelt worden zu sein, können sie sich an ihre Krankenkasse oder die Schlichtungsstelle der Ärztekammern wenden. Die Krankenkasse kann den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) mit der Begutachtung des Sachverhaltes beauftragen. Dieses Gutachten ist für den Versicherten kostenfrei. Klagt die Krankenkasse gegen den Arzt oder Klinik, kann der Patient das Urteil abwarten und danach  eine persönliche Klage abwägen. Die TK unterstützt ihre Versicherten außerdem mit einer Beratungshotline (040 - 46 06 61 21 40), einem Wegweiser Behandlungsfehler  und einer Beratungsbroschüre .