Im Jahr 2017 haben sich 514 Berliner und 144 Brandenburger Versicherte an die TK gewandt, weil sie eine fehlerhafte Behandlung vermuteten. Das entspricht einem Anstieg von 22 Prozent in der Hauptstadt und 15 Prozent in der Mark gegenüber dem Jahr davor. Am häufigsten meldeten sich Patienten nach chirurgischen Eingriffen.

Susanne Hertzer, TK-Chefin in Berlin und Brandenburg 

Susanne Hertzer

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Leiterin der TK Landesvertretung Berlin/Brandenburg

"Systeme zur Vermeidung von Behandlungsfehlern wie CIRSforte sind ein wichtiger Schritt zu größerer Patientensicherheit. Aber auch der offene Umgang mit Fehlern ist notwendig. Nur wer aus Fehlern lernt, kann sie künftig vermeiden und so den Patienten gegebenenfalls großes Leid ersparen. "

Offene Fehlerkultur ist nötig

Patienten, die einen Fehler vermuten, sollten zunächst mit ihrem Arzt sprechen. Nicht jeder Verdachtsfall entpuppt sich tatsächlich als eine falsche Behandlung. Kommt es nicht zu einer Klärung, helfen die gesetzlichen Krankenkassen und die Schlichtungsstellen der Landesärztekammern weiter. Nützlich ist in jedem Fall ein Gedächtnisprotokoll des Behandlungsablaufs, in welchem die genaue Krankheitsgeschichte dokumentiert wird. Auch wenn es natürlich immer schwer ist, eine mögliche Fehlbehandlung einzugestehen: Einen Fehler zuzugeben bedeutet, ihn künftig vermeiden zu können.

Projekt für Patientensicherheit geht in die Praxisphase

Ab 1. April 2018 wird erstmalig ein Fehlerberichts- und Lernsystem (CIRS - Critical Incident Reporting System) bundesweit in rund 400 ausgewählten Haus- und Facharztpraxen installiert. Bisher gab es dieses anonyme onlinebasierte Berichtssystem nur für Krankenhäuser. Fehler und "Beinahe-Fehler" werden erfasst und analysiert. Damit können Risikobereiche dargestellt und Vermeidungsstrategien erarbeitet werden. Die TK ist Konsortialpartner bei diesem Projekt des Innovationsfonds. 

Verfahren dauern oft sehr lange

Verfahren zur Feststellung eines möglichen Behandlungsfehlers dauern nicht selten zehn Jahre oder länger. Um den Sachverhalt prüfen zu können, werden medizinische Unterlagen benötigt, die der Patient beschaffen muss. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherungen (MDK) erstellt daraufhin ein medizinisches Gutachten. Sofern die Haftpflichtversicherer ein eigenes Gutachten anfertigen lassen, das dem ersten Gutachten widerspricht, ziehen sich die Verfahren in die Länge. Im Sinne der Patienten sind derart lange Bearbeitungszeiten nicht länger hinnehmbar.

Fonds für Härtefälle

Behandlungsfehler können für die Betroffenen nicht nur gesundheitliche Folgen haben. Wenn die Menschen nicht mehr in der Lage sind zu arbeiten, ist oft auch die finanzielle Existenz bedroht. Hier sollten dringend Möglichkeiten geschaffen werden, solche sozialen Härtefälle abzufedern. Denkbar wäre zum Beispiel ein Fonds für Prozessbetroffene. Solch ein Fonds darf aber nicht dazu führen, dass die Aufklärung in den Hintergrund gerät.