Kleinere Krankenhäuser geraten in Mecklenburg-Vorpommern zunehmend unter finanziellen Druck. Insbesondere die räumliche Nähe zu weiteren stationären Einrichtungen ist eine Herausforderung.

TK: Frau Austenat-Wied, ist die stationäre Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern gefährdet?

Manon Auste­nat-Wied

Manon Austenat-Wied, Leiterin der TK-Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Leiterin der TK-Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern

Manon Austenat-Wied: Zunächst einmal bin ich davon überzeugt, dass alle Krankenhausstandorte in Mecklenburg-Vorpommern wichtig sind. Für ein umfassendes Bild ist es notwendig, die Gesamtversorgungssituation in den Blick zu nehmen. Die Versorgungslandschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Viele ehemals stationäre Behandlungen sind heute bereits ambulant möglich. Dies schont die Patienten und wichtige Ressourcen im Gesundheitssystem. Wichtig ist, dass die Patienten vor Ort bestmöglich versorgt werden, in welchem Sektor die Leistung erbracht wird, ist dann zweitrangig. Natürlich betrachten wir die Entwicklungen der Versorgungslandschaft ganz genau. Besonders in den ländlichen Regionen müssen wir innovative Wege gehen und so die Gesundheitsversorgung langfristig sichern. Damit die Krankenhäuser weiterhin die Qualitätsanforderungen erfüllen und wirtschaftlich geführt werden können, müssen sie natürlich den tatsächlichen örtlichen Versorgungsbedarf decken.    

TK: Mit innovativen Wegen meinen Sie Telemedizin?

Austenat-Wied: Ja, aber nicht ausschließlich. Oft werde ich mit der Aussage konfrontiert, dass man nicht jedes Versorgungsproblem mit telemedizinischen Lösungen adressieren kann. Dem entgegne ich, dass hier bereits ein Denkfehler vorliegt. Bei jedem Problem in der Gesundheitsversorgung müssen wir digitale Lösungsansätze mitdenken, sonst stehen wir in wenigen Jahren wieder vor ähnlichen Problemen. Lassen Sie mich das an einem Beispiel erläutern. Wir können den Ärztemangel kurzfristig ausbremsen, in dem wir noch attraktivere Arbeitsbedingungen schaffen und Headhunter beauftragen. Aber diese Maßnahmen funktionieren nur für einen begrenzten Zeitraum und an wenigen Orten. Nach der kurzen Erfolgsphase stehen wir in wenigen Monaten oder Jahren, vielleicht an einem anderen Ort oder in einem anderen Bereich, vor den gleichen Problemen. Früher oder später mündet dieser Ansatz in einer Abwerbespirale. Wenn wir nun bereits beim erstmaligen Auftreten des akuten Ärztemangels digitale Lösungsansätze mitdenken, z. B. in Form konsiliarischer Leistungen und einer Verbindung in eine große Klinik, erschaffe ich eine übertragbare Blaupause für alle Krankenhäuser im Land, die bereit sind für diese Form der innovativen Vernetzung. Hier müssen wir, also alle Akteure der Gesundheitsversorgung, mutiger und innovativer werden.

TK: Das klingt als hätten Sie für jedes Problem eine digitale Lösung in der Tasche?

Austenat-Wied: Es gibt viele vielversprechende digitale Ansätze, die Versorgungslücken schließen sowie Patienten und Ärzte gleichermaßen entlasten. Ich denke dabei an die elektronische Patientenakte TK-Safe oder unser eRezept . Allerdings ist es ebenso wichtig, dass wir die analogen Abläufe im Gesundheitswesen weiterentwickeln. Damit meine ich zum Beispiel die Krankenhausplanung im Land. Bislang werden die Bettenkapazitäten routiniert fortgeschrieben. Ein Überblick der Bevölkerungsstruktur vor Ort oder die verfügbaren ambulanten medizinischen Versorgungskapazitäten in der Region spielen dabei bislang keine Rolle. Auch hier gibt es noch Optimierungspotenzial. Wenn wir kluge analoge Strukturverbesserungen und smarte digitale Services miteinander verknüpfen, werden wir auch eine erstklassige medizinische Versorgung in der Fläche sichern können.