Wie der Name verrät, soll es um die Zukunft der Krankenhäuser gehen. Die Zukunft beginnt, wenn die Gegenwart vergangen ist, also jetzt. Besser heute als morgen, sagt das Sprichwort. Vor der Pandemie sahen sich die Krankenhäuser einem kalten Strukturwandel ausgesetzt, gezeichnet von immer neuen Restriktionen wie Pflegepersonaluntergrenzen und deren Sanktionierung, verbunden mit einer überbordenden Bürokratisierung des Krankenhausbetriebes. Bürokratisierung und politische Bevormundung prägten die deutsche Krankenhauslandschaft.

Dr. Gösta Heele­mann

Portrait Dr. Gösta Heelemann, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt

Im September meldete das erste Krankenhaus in Sachsen-Anhalt Insolvenz an. In ihrer Not appellierten Kliniken und Verbände an die Bundesregierung, aus der Politik des ungesteuerten Strukturwandels auszusteigen. Dann kam Corona. Die Anzahl der Intensivbetten wurde nahezu verdoppelt. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) erließ Ausnahmeregelungen, das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) setzte die Personaluntergrenzen außer Kraft, coronabedingte Erlösausfälle und Mehrkosten wurden per COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz ausgeglichen. Plötzlich war machbar, was vorher undenkbar schien. Dass so etwas geht, ist eines der positiven Aspekte, die uns die Pandemie gezeigt hat. Mit dem KHZG wird dieser Trend fortgesetzt. Vielleicht haben wir ja alle dazugelernt. 

Investitionsstau ein Stück weit auflösen 

Mit dem im Oktober in Kraft getretenen KHZG wird zum 1. Januar 2021 ein Programm aufgelegt, mit dem Investitionen in moderne Notfallkapazitäten, digitale Infrastrukturen wie Patientenportale, E-Dokumentation von Pflege- und Behandlungsleistungen, IT-Sicherheitsmaßnahmen aber auch sektorenübergreifende telemedizinische Netzwerkstrukturen gefördert werden. Für die Krankenhäuser bietet sich in den kommenden Monaten eine einmalige Möglichkeit, ihren Investitionsstau insbesondere im Bereich der Digitalisierung zumindest ein Stück weit aufzulösen. Bund und Länder stellen insgesamt 4,3 Mrd. Euro Fördermittel zur Verfügung, davon 1,3 Mrd. (30 Prozent) cofinanziert durch Land/Träger und 3 Mrd. Euro (70 Prozent) durch den Bund aus Liquiditätsreserven des Gesundheitsfonds. Die Mittel sollen schnell fließen, Anträge können nur bis zum 31. Dezember 2021 gestellt werden. 

Dreißig Prozent vom Land gehören dazu 

Für Sachsen-Anhalt bedeutet das einen Digitalisierungsschub in Höhe von 118,25 Mio. Euro. Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Digitalisierung, sofern das Land die 30-prozentige Beteiligung übernimmt und nicht den Krankenhausträgern auflastet. Krankenhausfördermittel in Sachsen-Anhalt waren in der Vergangenheit immer knapp, immer unzureichend, das weiß mittlerweile jeder. Aufgrund der viel zu geringen Pauschalfördermittel - der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein - mussten die Kliniken ständig Prioritäten setzen. Also wurde vorrangig in Medizintechnik investiert. Den hierdurch entstandenen Nachholbedarf gilt es jetzt aufzuholen.

Wie alle Krankenhäuser müssen auch die Kliniken in Sachsen-Anhalt nicht nur die neuen Telematik-Infrastrukturanforderungen des BMG und die elektronische Patientenakte umsetzen, sondern auch hohe Sicherheitsstandards und vieles mehr. Wer den Digitalisierungsschub verschläft, was anhand eines sogenannten "Reifegrades“ nachgewiesen werden soll, wird ab 2025 mit einem Abschlag sanktioniert. 

Flächenland ohne Digitalisierung undenkbar

Für Sachsen-Anhalt ist es eine gute Sache, weil es ohne Krankenhausstrukturfonds wohl kaum ausreichende Landesfördermittel geben würde. Ein Flächenland wie Sachsen-Anhalt ist ohne Digitalisierung künftig undenkbar, Telemedizin und digitale Netzwerke zwischen den Kliniken können und müssen nun auf- und ausgebaut werden. Wir sehen Digitalisierung nicht als Wettbewerbsinstrument, sondern als eine für alle Krankenhäuser sehr wichtige Aufgabe, die auch dem Ziel der Verbesserung der Versorgung der Patientinnen und Patienten in Sachsen-Anhalt dient. Hier sehen wir auch das Land in der Verantwortung, das sich mit der gesetzlich vorgesehenen Co-Finanzierung von 30 Prozent selbstverständlich an der Zukunftssicherung unserer Krankenhäuser beteiligen muss. 

Die Krankenhäuser jedenfalls sind schon mittendrin, Konzepte bereits in Arbeit. Als Krankenhausgesellschaft werden wir diese bei der Realisierung tatkräftig unterstützen. Rechtliche Rahmenbedingungen, Fördertatbestände, Antragsverfahren - auch wir haben schon begonnen und werden noch in diesem Jahr alle Kliniken zu einer Krankenhausstrukturfonds-Informationsveranstaltung einladen. Online, versteht sich. 

Zur Person 

Dr. Gösta Heelemann ist seit 2006 Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt. Er ist stellvertretendes Vorstandsmitglied der Deutschen Krankenhausgesellschaft und Mitglied in den DKG-Ausschüssen für Krankenhausfinanzierung, Personalwesen und Organisation sowie in der Satzungskommission und der Kommission für europäisches und internationales Krankenhauswesen. In der Bundesschiedsstelle nach § 18a Abs. 6 KHG vertritt er als Mitglied die DKG-Bank. Darüber hinaus engagiert er sich in diversen Landesgremien Sachsen-Anhalts.