Fast bei einem Drittel aller Geburten in Rheinland-Pfalz wird das Baby per Kaiserschnitt (Sectio) geboren. Dabei sprechen sich viele Experten für mehr natürliche Geburten aus. Am häufigsten kommt es bei Schwangeren über 35 Jahre zu einer Sectio, weil das höhere Alter der Mutter als Risikofaktor zählt.

Wir sprachen mit Prof. Dr. med. Arnd Hönig, Chefarzt der Frauenklinik am Marienkrankenhaus Klinikum Mainz, über Betreuung von werdenden Müttern, Kaiserschnittzahlen in großen und kleinen Kliniken und den Hebammenmangel.

TK: Beim Marienhaus Klinikum Mainz waren die Kaiserschnitt-Quoten, bezogen auf TK-Versicherte, sowohl bei den Frauen bis 34 Jahre als auch bei älteren Gebärenden in 2021 weit unter dem Durchschnitt. Welche möglichen Gründe sehen Sie hierfür?

Prof. Dr. med. Arnd Hönig: Bei uns im Marienhaus Klinikum Mainz erblicken im Jahr rund 2.300 Babys das Licht der Welt. Wir bieten sechs Kreißsäle. Alle sind mit einem modernen Kreißbett, eigenem Badezimmer mit Dusche und Badewanne sowie einer Babywickeleinheit ausgestattet. Werdende Väter oder Bezugspersonen sind bei der Geburt gerne willkommen, auch in Pandemiezeiten.

Prof. Dr. med. Arnd Hönig

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Chefarzt der Frauenklinik im Marienhaus Klinikum Mainz

Im Rahmen der Entbindung gibt es individuelle Möglichkeiten der Bewegung (Gebärhocker, Pezzi-Ball, Gymnastikmatte, Entspannungsbad, etc.) zur Unterstützung der Geburt. Auch eine Wassergeburt ist auf Wunsch möglich. Daher haben wir uns besonders auf schmerzlindernde Maßnahmen spezialisiert. So werden neben der medikamentösen Schmerzlinderung durch Infusionen bis hin zu PDA, im Speziellen Homöopathie, Aromatherapie und Akupunktur zur Unterstützung der Geburt angeboten. Die individuellen Wünsche und Bedürfnisse der Mutter stehen dabei immer im Vordergrund. Es ist uns sehr wichtig unsere Schwangeren bedürfnisorientiert und familiär vor, während und nach der Geburt zu betreuen.

TK: Spielt die Nähe zur Uniklinik eine Rolle, die möglicherweise mehr Risiko-Patientinnen aufnimmt?

Prof. Hönig: Die Kaiserschnittrate liegt bei Perinatalzentren wie der Unimedizin Mainz noch über der durchschnittlichen Quote in Deutschland. Dies ist darauf zurückzuführen, dass bei Risikoschwangerschaften oder zu erwarteten Geburtskomplikationen auf Geburtshilfe-Einrichtungen mit angrenzender Kinderklinik primär zurückgegriffen wird. Unsere niedrige Sectiorate wird hierdurch allerdings nicht beeinflusst.  

TK: Ist der Hebammenmangel ein Problem für die Geburtsstationen und könnte sich dies ebenfalls darauf auswirken, dass es zu mehr Kaiserschnitten kommt, etwa weil nicht immer genügend Personal bereitsteht, um Gebärende über Stunden zu betreuen? 

Prof. Hönig: Eindeutig nein. Der Hebammenmangel ist kein Grund für die Durchführung eines Kaiserschnitts. Auch zu Zeiten der Pandemie, also seit knapp zwei Jahren, betreuen wir unsere Schwangeren nach bestem medizinischem Wissen und Gewissen. Hierbei stehen die Wünsche und Bedürfnisse der werdenden Mutter und die damit verbundenen notwendigen medizinischen Indikationen immer im Vordergrund.

TK: Man könnte meinen, dass in Kliniken mit kleiner Geburtsstation (unter 40 Betten in der gynäkologischen Abteilung) mehr Kaiserschnitte durchgeführt werden, weil sie beispielsweise am Wochenende schlechter besetzt sind. Doch tatsächlich liegen fast zwei Drittel davon unter dem Durchschnitt. Im Gegensatz dazu haben drei von vier Häusern mit mehr Betten eine überdurchschnittliche Quote. Sehen Sie hierfür plausible Erklärungen?

Prof. Hönig: Die Größe einer geburtshilflichen Abteilung bemisst sich nicht nach der Anzahl der Betten. Die Vergleichsgröße ist die Anzahl der Geburten pro Jahr. Bei uns arbeitet ein großes Team von 33 Hebammen, im Drei-Schichtsystem und 26 Ärzte und Ärztinnen stehen den werdenden Eltern zur Seite unter der Woche und auch am Wochenende. Wir unterscheiden nicht zwischen der personellen Besetzung an Wochentagen und am Wochenende.

Zur Person

Prof. Dr. med. Arnd Hönig, geboren 1968 in Kassel, ist seit 2014 Chefarzt der Frauenklinik, des Zertifizierten Brustkrebszentrums und des zertifizierten Gynäkologischen Krebszentrums am Marienhaus Klinikum Mainz (MKM). Zuvor war er stellvertretender Direktor der Universitätsfrauenklinik in Würzburg und als Professor für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universität Würzburg tätig.

Prof. Hönig studierte Humanmedizin an der Universität in Göttingen. Nach Aufenthalten in Johannisburg, Göttingen, Houston/TX und Tübingen begann er 2003 an der Universitätsfrauenklinik in Würzburg. Seit über 20 Jahren ist er im Bereich der Frauenheilkunde und Geburtshilfe tätig. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Gynäkologische Onkologie, Gynäkologische Endokrinologie Reproduktionsmedizin und spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin.